Geschichte ist nicht Schicksal? Dann lasst uns eingreifen!

Wäre Adolf Hitler zu verhindern gewesen? Wäre Hitler heute zu verhindern? Auf jeden Fall. Geschichte ist kein unvermeidbares Schicksal. Wir haben unsere Geschichte in der Hand. So sah es der deutsch-amerikanische Historiker Fritz Stern. Seine wichtigste These war: Es hätte auch anders herauskommen können – wenn nur jemand die Verantwortung dafür übernommen hätte. Diese Woche ist Fritz Stern neunzigjährig in New York gestorben. Seine Mahnung bleibt bestehen.

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Warum Populisten die Demokratie zu Grabe tragen

Donald Trump ist ganz sicher ein Populist, Christoph Blocher auch, Erdoğan und Orbán ebenfalls. Populisten haben den Anspruch, den alleinigen, richtigen Willen des wahren Volkes zu vertreten – und werden gerade deshalb zu Totengräbern der Demokratie. Denn es gibt in einer pluralistischen Gesellschaft das Volk so wenig wie den einen Volkswillen. Ein Pamphlet wider den Populismus.

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Geranien, Minarette, Stacheldraht: Über das Fremde in der Schweiz

In einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» erklärte Andreas Glarner Anfang Woche: Die Schweiz muss ihre grüne Grenze mit einem Stacheldrahtzaun abriegeln. Glarner ist nicht irgendwer, sondern der Asylverantwortliche der SVP. Und die Forderung stand nicht etwa am Schluss des Interviews als Wunsch unter ferner liefen. Das war seine Antwort auf die Frage: Welche Asylpolitik schlagen Sie denn vor? Stacheldraht.

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Über Provinzialität und Beleidigtheit als Zeichen der Schweiz

Mit einer Nachricht auf Twitter hat die Baselbieter Nationalrätin Susanne Leutenegger-Oberholzer (SP) einen kleinen Aufruhr ausgelöst. Mit Bezug auf die angedachte Verlegung der juristischen und der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät nach Liestal twitterte Leutenegger-Oberholzer: Ausgerechnet Wirtschaft und Recht sollen mit der Uni BS in die Provinz. Danach war Feuer im Dach. Interessant ist die Angelegenheit, weil sie ein Grundproblem nicht nur des Baselbiets, sondern der ganzen Schweiz auf den Punkt bringt. Aber der Reihe nach.

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Westliche Werte gelten nur für Buben, nicht für Waffenhändler

Der Aufruhr über die beiden Therwiler Buben, die ihrer Lehrerin die Hand nicht geben wollten, hat mehrfach die Titelseiten der Zeitungen gefüllt: Mannhaft wehrten sich Schweizer Bürger dagegen, dass zwei muslimische Buben die westlichen Werte missachten. Problematisiert wurde dabei auch eine Moschee mit Saudi-Arabischem Hintergrund. Diese Woche hat der Bundesrat das Embargo für Waffenexporte in den Nahen Osten teilweise aufgehoben und Waffenexporte in Länder wie Saudi-Arabien im Umfang von 178 Millionen Franken bewilligt. Von Werten war dabei nicht die Rede.

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Was darf Satire? Zwischen Freiheit und Geschmack

Ein Gedicht hält Deutschland in Atem. Jan Böhmermanns Schmähgedicht auf Recep Tayyip Erdoğan ist keine gute Lyrik und stellt dennoch eine wichtige Frage: Was ist sie wert, die Freiheit von Kunst und Medien in Deutschland, ja in Europa überhaupt? Wir können uns anschliessen: Was ist mit der Schweiz? Wieviel Kunst- und Medienfreiheit verträgt unser Land – ist unser Land bereit, zu ertragen?

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Ein Handschlag, Boulevardmedien und Boulevardpolitik

Der Anlass war eine Bagatelle: Zwei Teenager in Therwil haben sich geweigert, ihrer Lehrerin die Hand zu geben. Wären die beiden zwei eingeborene Leimentaler, Buddhisten, Hinduisten oder Zeugen Jehowas gewesen, hätte es ein Gespräch mit den Eltern gegeben und einen Samstag mit dem Abwart gesetzt. Aber die beiden Buben sind Muslime. Und also setzte eine mediale Hexenjagd ein.

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Macht und Medien: Wie türkisch ist die Schweiz?

Ganz Europa lacht über den Türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Grund ist weniger die Satire des NDR auf das türkische Staatsoberhaupt, als dessen dünnhäutige Reaktion darauf. Auch die Schweiz lacht über den osmanischen Patriarchen, der nicht begriffen hat, was Pressefreiheit ist und dass Medien und Macht getrennt gehören. Doch: Sind wir in der Schweiz tatsächlich so viel besser? Sollte uns nicht eigentlich das Lachen im Hals steckenbleiben?

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Es geht nicht um Werte, sondern um Perspektiven

Die Schlagzeilen glichen sich am Mittwoch: Bomben in Brüssel: Der Terror trifft Europa mitten ins Herz schrieb der «Tages-Anzeiger», Angriff auf das Herz der EU titelt die «BaZ». Nur wenige Zeitungen blieben so nüchtern wie die «FAZ»: Viele Tote bei Terroranschlägen in Brüssel. Und die Medien sind sich einig: Die Terroranschläge waren ein Angriff auf die westlichen Werte. Das ist so simpel, wie billig, denn es ermöglicht es uns Europäern, dass wir uns schaudernd der eigenen Superiorität vergewissern und traurig den Kopf über diese arabischen Terroristen schütteln, die nichts gelernt haben über Freiheit und Gleichheit und Brüderlichkeit. Es ist simpel, es ist billig – vor allem aber ist es falsch. Denn im Kampf, den die Terroristen ins Herz der EU getragen haben, geht es nicht um Werte, sondern um Perspektiven. Um das zu erläutern, muss ich allerdings etwas ausholen.

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Die AfD und der Fluch der Stimmung

Es war ein Schock: In Sachsen-Anhalt holte die Alternative für Deutschland AfD am letzten Wochenende jede vierte Stimme und steigt damit zur zweitstärksten Partei des Bundeslandes auf. In Baden-Württemberg erreicht sie aus dem Stand 15,1 Prozent Wähleranteil und wird drittstärkste Partei. In Rheinland-Pfalz erreicht sie 12,6 Prozent. Interessant ist dabei: In jedem der drei Bundesländern siegt eine andere Partei. In Sachsen ist es die CDU, in Baden-Württemberg sind es (zum ersten Mal in einem Bundesland) die Grünen und in Rheinland-Pfalz ist es die SPD.

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