Aus Europa kann man nicht austreten. Auch England nicht.

Grossbritannien kann zwar aus der EU austreten, aber nicht aus Europa und schon gar nicht aus der Gegenwart. Das ist vielleicht der grosse, der fundamentale Irrtum vieler #Brexit-Befürworter und es ist auch der Irrtum vieler Europa-Ablehner in der Schweiz. Ob Klimawandel oder Migration, globale Finanzwirtschaft oder Digitalisierung – die Themen unserer Zeit lassen sich nicht auf der Ebene von Nationalstaaten angehen. Eine EU-Mitgliedschaft ist vielleicht nicht Voraussetzung, nationalistischer Isolationismus aber sicher ein Hindernis für das Lösen der grossen Probleme der Gegenwart.

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Schafft den Schweizerpsalm ab – an der Euro sowieso!

Sie haben wieder nicht gesungen: Die meisten Fussballer der Schweizer Nationalmannschaft blieben auch beim zweiten Spiel stumm, als die Hymne gespielt wurde. Recht so: Die Schweizer Nationalhymne ist eine Zumutung. Sie gehört längst abgeschafft. Viele Schweizer sehen das allerdings nicht so: Sie werfen Shaqiri, Behrami und Co. vor, keine richtigen Schweizer zu sein. Wer so argumentiert, hat aber selbst nicht kapiert, was ein Schweizer ist.

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Machen Sie auch Ferien am Meer der Toten?

Das Mittelmeer ist und bleibt die Traum-Feriendestination der Schweizer. Doch das Mittelmeer wird immer mehr zum Meer der Toten. Allein im Mai 2016 sind 1138 Menschen im Mittelmeer ertrunken. Seit Anfang 2014 haben fast 10’000 Menschen auf ihrer Flucht nach Europa im Mittelmeer ihr Leben verloren. Viele Schweizer kümmert das offenbar nicht. Hauptsache, ihr Dorf bleibt flüchtlingsfrei – und die Drinks am Strand schön kühl.

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Gotthard eröffnet – aber wo bleiben die Visionen?

Es gab Feuerwerk und Freudentränen, ganz grosse Worte und ganz viel Selbstlob: Die Schweiz hat den Gotthard-Basistunnel eröffnet. Sie hat damit eine Vision aus dem 19. Jahrhundert mit Technik aus dem 21. Jahrhundert noch einmal gebaut. Und jetzt? Welche Visionen entwickelt unser Land für das 21. Jahrhundert?

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Der Protz

Morgen beginnt am Bundesstrafgericht in Bellinzona der Prozess gegen den Basler Börsenguru Dieter Behring. 800 Millionen Franken beträgt die Deliktsumme, die Rede ist von bis zu 2000 Geschädigten. Behring wollte einst den «genetischen Code der Börse» geknackt haben. Seinen Basler Kunden zog er Millionen aus der Tasche. Wie konnte es nur so weit kommen?

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Genug der Landwirtschaft: es ist Zeit für «Stadtwirte»

Ganz Europa ist am Montagabend ein Stein vom Herzen gefallen: Österreich hat nicht Norbert Hofer von der Rechtspartei FPÖ zum Bundespräsidenten gewählt, sondern den grünen Alexander Van der Bellen. Noch am Sonntagabend lag Hofer vorne. Brieflich Abstimmende vor allem aus den Städten haben das Resultat gekehrt. In Österreich öffnet sich damit, wie in der Schweiz, ein tiefer Graben zwischen einem rechts-konservativen Land und links-liberalen Städten. In Österreich konnten die Städte sich durchsetzen. In der Schweiz sind die Städte politisch vom Land dominiert. Davon profitiert vor allem die Landwirtschaft. Deshalb ist es jetzt Zeit für ein neues Konzept: Das Konzept einer «Stadtwirtschaft». Mit Verfassungsauftrag, versteht sich.

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Geschichte ist nicht Schicksal? Dann lasst uns eingreifen!

Wäre Adolf Hitler zu verhindern gewesen? Wäre Hitler heute zu verhindern? Auf jeden Fall. Geschichte ist kein unvermeidbares Schicksal. Wir haben unsere Geschichte in der Hand. So sah es der deutsch-amerikanische Historiker Fritz Stern. Seine wichtigste These war: Es hätte auch anders herauskommen können – wenn nur jemand die Verantwortung dafür übernommen hätte. Diese Woche ist Fritz Stern neunzigjährig in New York gestorben. Seine Mahnung bleibt bestehen.

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Warum Populisten die Demokratie zu Grabe tragen

Donald Trump ist ganz sicher ein Populist, Christoph Blocher auch, Erdoğan und Orbán ebenfalls. Populisten haben den Anspruch, den alleinigen, richtigen Willen des wahren Volkes zu vertreten – und werden gerade deshalb zu Totengräbern der Demokratie. Denn es gibt in einer pluralistischen Gesellschaft das Volk so wenig wie den einen Volkswillen. Ein Pamphlet wider den Populismus.

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Geranien, Minarette, Stacheldraht: Über das Fremde in der Schweiz

In einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» erklärte Andreas Glarner Anfang Woche: Die Schweiz muss ihre grüne Grenze mit einem Stacheldrahtzaun abriegeln. Glarner ist nicht irgendwer, sondern der Asylverantwortliche der SVP. Und die Forderung stand nicht etwa am Schluss des Interviews als Wunsch unter ferner liefen. Das war seine Antwort auf die Frage: Welche Asylpolitik schlagen Sie denn vor? Stacheldraht.

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Über Provinzialität und Beleidigtheit als Zeichen der Schweiz

Mit einer Nachricht auf Twitter hat die Baselbieter Nationalrätin Susanne Leutenegger-Oberholzer (SP) einen kleinen Aufruhr ausgelöst. Mit Bezug auf die angedachte Verlegung der juristischen und der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät nach Liestal twitterte Leutenegger-Oberholzer: Ausgerechnet Wirtschaft und Recht sollen mit der Uni BS in die Provinz. Danach war Feuer im Dach. Interessant ist die Angelegenheit, weil sie ein Grundproblem nicht nur des Baselbiets, sondern der ganzen Schweiz auf den Punkt bringt. Aber der Reihe nach.

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