Offline: Daten auch ohne Netz

Publiziert am 22. September 2022 von Matthias Zehnder

Alle reden vom Blackout, also einem totalen Energieausfall. Fast ebenso schlimm ist ein digitaler Totalausfall, die «digital Darkness». Diese «digitale Dunkelheit» kann ganz lokal auftreten, etwa wenn der Wohnungsanschluss defekt ist, oder ein ganzes Quartier, eine Stadt oder gar eine ganze Region betreffen. Die Lichter gehen dann nicht aus, nur die Daten sind nicht mehr abrufbar. Das ist schlimm genug: Viele Menschen können ohne Internet nicht arbeiten, haben keinen Zugriff mehr auf ihre Daten, ihre Fotos oder schlicht die Telefonnummern. Ein bisschen Vorsorge empfiehlt sich deshalb auch in digitalen Zeiten. Fünf Tipps, wie Sie zumindest eine kurzzeitige «digitale Dunkelheit» überstehen.

Das grösste Problem ist heute, dass wir es oft gar nicht erst bemerken, ob Daten über das Internet ausgetauscht werden. Ein typisches Beispiel ist die Lizenzabfrage von Programmen: Wer Software von Adobe oder Microsoft nutzt, muss sich online registrieren und einloggen. Der Computer überprüft regelmässig, ob die laufende Instanz des Programms lizenziert ist. Wenn der Computer keine Internetverbindung hat, ist das nicht möglich. Je nach Software kann es sein, dass der Computer deshalb den Betrieb des Programms verweigert. 

Daten (auch) lokal speichern

Darauf, wie ein Programm den Lizenzschlüssel speichert und überprüft, haben wir keinen Einfluss. Wir können aber steuern, wo und wie der Computer die Daten speichert, die bei der Arbeit mit dem Programm anfallen. Viele Computeranwender nutzen zur Sicherheit heute Cloud-Speicher, etwa Dropbox, Googledrive oder iCloud von Apple. Im Normalfall speichert der Computer die Dateien lokal und spiegelt sie dann in die Cloud. Auf diese Weise ist immer eine aktuelle Kopie der Datei unabhängig vom Computer gespeichert. Je nach Anbieter gibt es aber auch die Möglichkeit, die Daten nur online zu speichern. Das spart lokal Speicherplatz. Ist der Zugriff auf die Cloud nicht möglich, wird diese Speicherart aber zum Problem, weil die Daten nicht mehr abrufbar sind. Das Problem: Im Alltag merkt man, abgesehen von einer kleinen Verzögerung, oft gar nicht, dass die Daten nur online gespeichert sind. Bei Dropbox-Daten ist das zum Beispiel sichtbar, wenn man mit der rechten Maustaste auf die Datei klickt. Wenn im Kontext-Menü die Option «Offline verfügbar machen» auftaucht, ist die Datei nur in der Cloud gespeichert.

Backup schreiben

Es ist der ewig gleiche und deshalb natürlich langweilige Rat: Schreiben Sie regelmässig Backups Ihrer Daten und zwar auch dann, wenn sie auf iCloud oder Dropbox abgelegt sind (siehe oben). Wenn Sie mit einem Mac arbeiten, ist das ganz einfach: Sie stecken eine externe Festplatte an und aktivieren das Backup über die Funktion «Time Machine». Über diese Funktion können Sie auch frühere Versionen  einzelner Dateien auf Ihrem Backup zugreifen. Für Windows gibt es ähnliche Funktionen und Programme. Wichtig ist dabei, sich eine Festplatte zu besorgen, die genügend Speicherplatz bietet. Faustregel: Das Backup-Laufwerk sollte etwa dreimal so viel Speicherplatz bieten wie die Festplatte, die Sie damit sichern wollen. Der Grund: Ein Backup-Programm kopiert nicht einfach die Festplatte, sondern speichert Veränderungen. Dabei werden alte Zustände nicht überschrieben, damit sie auch auf frühere Versionen der Festplatte zugreifen können.

NAS

Für alle, die viele Daten haben, aber der Cloud misstrauen, gibt es das Zauberwort «NAS»: Das steht für «Network Attached Storage», also für einen Speicher, der mit dem Netzwerk verbunden ist. Bei diesem Netzwerk handelt es sich aber eben nicht um das grosse Internet, sondern um dass Netzwerk zu Hause: Auf einem NAS kann man Daten so ablegen, dass sie von der ganzen Familie über das WLAN abgerufen werden können. Filme zum Beispiel, Fotos, wichtige Dokumente. Solche NAS gibt es zu kaufen wie Festplatten auch. Wichtigste Herstellerin ist die Firma Synology. 

Die allerwichtigsten Bilder auf Papier

Bei aller Digitalität: Der zuverlässigste Speicher ist – Papier. Allerdings nur, wenn das Papier richtig aufbewahrt wird. Und natürlich nur für relativ simple Informationen. Datenbanken, Datenverknüpfungen und natürlich Programme lassen sich nicht wirklich auf Papier speichern. Relativ gut auf Papier «speichern» lassen sich aber Bilder. Wer im Alltag seine Fotos mit dem Handy schiesst, ist sich oft gar nicht bewusst, welchen Schatz er mit sich herumträgt. Drucken Sie doch ab und zu die schönsten und liebsten Bilder aus. Noch besser: Speichern Sie sie auf einem Speicherstift und lassen Sie sie von einem Fotofachgeschäft ausbelichten. So machen Sie Ihre Erinnerungen handfest.

Was ist mit dem Adressbuch?

Manchmal sind es nicht die grossen Datenmengen, die überlebenswichtig sind. Zu den allerwichtigsten Daten gehören Namen, Telefonnummern, Mailadressen und Anschriften. Das Problem dabei ist, dass die meisten Anwenderinnen und Anwender diese Daten heute über viele verschiedene Anwendungen verteilt haben: WhatsApp, Mailprogramme, die Adressliste der Weihnachtskarte im Excel, der Anrufspeicher auf dem Handy. Solange diese verteilten Geräte und Programme vernetzt sind, funktioniert das. Bricht die Vernetzung zusammen, beginnen die Probleme. Grössere Firmen haben dafür eine CRM-Abteilung, kleine Firmen und Privatpersonen sind gut beraten, diese Daten zusammenzutragen und lokal zu speichern oder (Sie erraten es) auszudrucken.

Basel, 22. September 2022, mz@matthiaszehnder.ch

Matthias Zehnders «Leben digital» bietet konkrete Tipps und Tricks, mit denen Sie das digitale Leben besser (oder wenigstens unterhaltsamer) bewältigen, damit sie mehr Zeit und Energie für jene Dinge (und Menschen) aufwenden können, die ihnen lieb und wichtig sind.

Bild: © stock.adobe.com

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