Schlagwort-Archive: Journalismus

Die Industrialisierung des Journalismus ist dessen Tod

Seit Gutenberg ist die Entwicklung der Medien eng mit dem Fortschritt der Technik verbunden. Dabei ging es immer um die Beschleunigung von Druck und Vertrieb, also der Verbreitung der Medien. Bis jetzt. Eine neue Generation von Medienmanagern will jetzt auch die Inhalte industrialisieren. Das Resultat sind Hors-Sol-Zeitungen und automatisierte Websites. Das ist effizient, aber tödlich für den Journalismus. Denn im Zeitalter von Fake News ist das wichtigste Gut der Medien ihre Glaubwürdigkeit. Und die können nur Menschen sicherstellen. Echte Menschen.

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Kein Grabjubel für die BaZ: Eine Replik zu Roland Stark

Jeweils am Donnerstag wetzt Alt-SP-Grossrat Roland Stark in der BaZ seinen Griffel und kolumniert über alles und jeden. Manchmal lustig, manchmal daneben und manchmal, wie heute, völlig daneben. Heute mokiert sich Stark über ein Medienfest, das die Organisation Rettet Basel morgen Freitag auf dem Dreispitz aus Freude darüber ausrichtet, dass Christoph Blocher sich medial aus Basel zurückzieht. Stark schreibt zwar, er habe ein gewisses Verständnis für die harten Vorwürfe an die Adresse der BaZ. Aber: Die Jubelarien und zynischen Sprüche über deren Verschwinden zeugen von medienpolitischer Verantwortungslosigkeit und Unreife.

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Es ist offiziell: «es ist offiziell» ist die dümmste Floskel. Ever.

Sie kennen die Einleitung sicher: «Jetzt ist es offiziell», melden Zeitungen gerne, um der folgenden Nachricht mehr Gewicht (und mehr Glaubwürdigkeit) zu verleihen. Jetzt ist es offiziell: Ab Mitte April buhlen 22 Männer um die Basler Bachelorette Adela Smajic meldet zum Beispiel die bzBasel. Die Aargauer Zeitung schreibt: Jetzt offiziell: Nancy Holten ist Schweizerin Das deutsche Nachrichtenmagazin Focus freut sich: Jetzt ist es offiziell: „Ghost“ wird das neue Musical in Hamburg und Nau.ch meldet erleichtert: Jetzt ists offiziell: Bachelor Joel und Ludmilla sind kein Paar Ich meine, es ist offiziell: «Es ist offiziell» ist die dümmste Floskel, die ein Medium verwenden kann und ich sage Ihnen auch, warum das so ist.

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Angeklickt und reingefallen: atemlos durch den Tag

Vielen Onlinemedien sind ein paar Klicks wichtiger als die langfristige Zufriedenheit ihrer Leser. Mit deftigen Schlagzeilen sorgen sie für Aufregung, doch die Texte hinter den Schlagzeilen enttäuschen. Das ist Zuckerwattenjournalismus: Kurzfristig lustig – langfristig schädlich für alle Beteiligten. Jugendportale wie Watson oder Bento mögen anders nicht an ihre Leser rankommen. Mittlerweile haben sich ihre Techniken aber auf andere Onlinezeitungen ausgeweitet. Mit fatalen Folgen.

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Die «Republik» ist da. Grund zum Jubeln?

Am Sonntag ist die «Republik» endlich online gegangen. Endlich, weil seit Monaten auf allen Kanälen in den höchsten Tönen vom Medien-Start-up die Rede ist. Im Frühjahr 2017 hat das «Project R» die erfolgreichste Crowdfunding-Kampagne aller Zeiten hingelegt. Mit Hilfe von 3000 Vorab-Abonnenten wollten die Initianten rund um Constantin Seibt und Christof Moser 750’000 Franken aufnehmen – dieses Ziel war bereits am ersten Tag erreicht. Am Ende der Sammelfrist hatten sich fast 14’000 Interessenten eingeschrieben und der Plattform vorab sagenhafte 3,4 Millionen Franken überwiesen. Laut Branchendienst Persoenlich.com hat die «Republik» bis zum Start über 1000 weitere Abonnenten gewonnen und zählt heute über 15’500 «Verlegerinnen und Verleger», wie das Projekt seine Abonnenten nennt. Zusammen mit dem Geld von Investoren hat das Projekt jetzt 7,7 Millionen Franken zur Verfügung. Die Finanzierung sei damit für zwei Jahre gesichert.

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Moderation FairMedia-Kongress

Am Freitag, 23, Juni 2017, habe ich den FairMedia-Kongress über Fake News in Basel moderiert. Nach einer kurzen Einleitung von Nationalrat Beat Jans (SP, BS) gaben drei Inputreferate drei ganz unterschiedliche Einführungen ins Thema:

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Die Zeit der Anker-Medien ist vorbei — jetzt kommen Anker-Inhalte

Es gab eine Zeit, da schalteten die Schweizerinnen und Schweizer um 12’30 Uhr die Radioapparate ein, um das „Rendezvous am Mittag“ zu hören, die mittägliche Radiosendung des Schweizer Radios DRS. Dabei herrschte andächtige Stille — wer zu laut mit Messer und Gabel klapperte, wurde mit strafenden Blicken zur Ruhe gebracht. Ähnliches wiederholte sich am Abend, entweder um 18’00 Uhr zum „Echo der Zeit“, oder um 19’30 Uhr zur „Tagesschau“. Das ist heute nicht mehr so: Die Sendungen verlieren Hörer und Zuschauer, die Rituale sind erodiert.

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Aufmerksamkeit kontra Vertrauen

Nach dem Suizid von Swisscom-Chef Carsten Schloter wusste eine ganze Reihe von Journalisten sofort, warum Schloter sich umgebracht hatte: Burnout. Allenthalben tauchten Zitate aus Interviews auf, die beweisen sollten, dass der Swisscom-Chef nicht mehr weiter wusste und ausgebrannt war. Freihändig stellten Medien die Diagnose Burnout, suchten die Ursache im sich beständig schneller drehenden Wirtschaftsleben und setzten die Verben dazu nicht einmal in den Konjunktiv. Dazu gab es Interviews mit Spezialisten zu Depression und Managerkrankheiten wie dieses hier. Heute ist bekannt geworden, dass Schloter einen Abschiedsbrief hinterlassen hat. Offenbar hat er die Trennung von seinen Kindern nicht verdaut. Die Ursache für den Suizid (wenn es den eine einzige Ursache gibt) scheint eher im Privatleben zu suchen zu sein.

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