Archiv der Kategorie: Wochenkommentar

Warum wir den Klimawandel nicht den Medien überlassen dürfen

Die Schlagzeilen im Hitzesommer 2018 waren eindrücklich: So heiss war es selten, so trocken nie. Sensationell – entsprechend haben auch die Medien darüber berichtet. Doch das Klima ist eine längerfristige Angelegenheit. So richtig gefährlich wird es dann, wenn wir uns an die Hitze gewöhnt haben und die Medien längst nicht mehr darüber berichten, weil die Erwärmung zur Normalität geworden ist. Wir dürfen den Klimawandel deshalb nicht einfach den Medien überlassen.

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Die Industrialisierung des Journalismus ist dessen Tod

Seit Gutenberg ist die Entwicklung der Medien eng mit dem Fortschritt der Technik verbunden. Dabei ging es immer um die Beschleunigung von Druck und Vertrieb, also der Verbreitung der Medien. Bis jetzt. Eine neue Generation von Medienmanagern will jetzt auch die Inhalte industrialisieren. Das Resultat sind Hors-Sol-Zeitungen und automatisierte Websites. Das ist effizient, aber tödlich für den Journalismus. Denn im Zeitalter von Fake News ist das wichtigste Gut der Medien ihre Glaubwürdigkeit. Und die können nur Menschen sicherstellen. Echte Menschen.

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Für eine Stadt mit menschlichem Mass

Diesen Sommer war ich in Kopenhagen und ich muss Ihnen sagen: Ich bin begeistert. Kopenhagen fühlt sich völlig anders an als Schweizer Städte: Man fühlt sich als Fussgänger und als Velofahrer wohl und sicher. Das ist kein Zufall, sondern Konzept. Verantwortlich dafür war der dänische Architekt und Stadtplaner Jan Gehl. Er sagt: Wir müssen unsere Städte den Menschen zurückgeben. Architekten und Planer müssen ihre Häuser und Städte wieder für die Menschen planen. Er hat recht. In der Schweiz habe ich immer wieder das Gefühl, die Stadt sei eigentlich für die Autos da. Als Fussgänger und Velofahrer sei ich nur geduldet. Das muss sich ändern. Bitte bald.

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Warum es Heimat nur in der Vergangenheit gibt

Bald ist 1. August – Zeit für ein paar Zeilen über Heimat. Immer mehr Menschen fühlen sich in ihrer Heimat gestört durch Zugewanderte, Fremde, Andere. Entsprechend kritisch werden die behandelt. Die sollen sich doch bitte anständig integrieren. Doch was ist mit uns selbst? Was ist, so kurz vor dem 1. August gefragt, mit uns Schweizern? Gab es diese Schweizer Heimat je, von der wir immer reden, – oder ist das alles vielmehr eine Frage der Gewöhnung? Gedanken über die anderen und uns und die Heimat aus Anlass des Schweizer Nationalfeiertags.

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Fünf Lebensbilder an Stelle eines Wochenkommentars

Einen eigentlichen Wochenkommentar gibt es heute nicht – der Wochenkommentar macht Sommerferien. Dafür gibt es aktuelle Lesetipps. Heute: fünf Biografien – also fünf höchst anregende Lebensbilder. Alle fünf haben mich inspiriert, jedes auf seine Weise. Das erste Buch hat mich in einer alten Liebe bestätigt – und das fünfte ist zart im Thema, aber wuchtig in der Wirkung. Wenn Sie trotzdem einen Wochenkommentar lesen möchten, empfehle ich Ihnen diese drei Kommentare der letzten Wochen, die immer noch aktuell sind:

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Fünf Denkanstösse an Stelle eines Wochenkommentars

Einen eigentlichen Wochenkommentar gibt es heute nicht – der Wochenkommentar macht Sommerpause. Dafür gibt es aktuelle Lesetipps. Heute: fünf Denkanstösse – also fünf höchst anregende Sachbücher. Es sind Bücher, nach deren Lektüre sie die Welt anders sehen werden. Das erste Buch eröffnet Ihnen die Welt der Tiere auf eine ganz neuartige Weise: Es widmet sich den Sprachen der Tiere, aber dies aus philosophischer Sicht. Das fünfte Buch widmet sich dem drängendsten Problem unserer Zeit: dem Verhältnis von Europa zu Afrika und der Verantwortung, die Europa aus der Kolonialzeit zu tragen hat. Ein schwieriges Thema – es ist deshalb gut, dass es sich bei diesem Buch nicht um ein Sachbuch, sondern um einen Roman handelt.

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Wohlstand auf Kosten unserer Werte

Europa hat sich in den letzten Wochen selbst abgeschafft: Die EU-Länder haben der Europäischen Charta ins Gesicht gespuckt, in der von der unteilbaren und universellen Würde des Menschen die Rede ist. Die Länder der EU wollen mit den Flüchtenden nichts zu tun haben, sie am liebsten bereits in Nordafrika festhalten. Die Rettungsschiffe auf dem Mittelmeer betrachten sie als Flüchtlings-Shuttles. In Deutschland macht das böse Wort vom Asyltourismus die Runde. In der Schweiz ist abschätzig von Wirtschaftsflüchtlingen die Rede. Gemeinsam ist beiden Ländern das grosse Schulterzucken: Was geht uns das an? Hauptsache, Ferien. Und mit den Flüchtenden ertrinkt im Mittelmeer die Menschlichkeit.

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Die scheinheiligen Patrioten

Die Fifa behauptet, ihr Fussballfest sei sauber. Gefühle ja, aber streng geregelt. Doch das ist scheinheilig: Die nationalen Hochgefühle fördern Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit. All die Fahnen, Flaggen und Farben an der Fussball-WM mögen vor Ort harmlos aussehen. Das patriotische Allotria führt in der Welt jedoch zu Nationalismus und Ausgrenzung. Das haben in der Schweiz die Reaktionen auf die Doppeladlergeste von Xhaka und Shaqiri gezeigt. Und die Zeit für Spiele mit dem nationalistischen Feuer könnte ungünstiger nicht sein.

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Der Westen im Wertedilemma

Europa und die USA stecken in einer Flüchtlingskrise. Das liegt nicht etwa daran, dass die Länder des Westens von so vielen Flüchtlingen überrannt würden. Nein: Die Krise besteht darin, dass der Westen seine Werte verhöhnt. Die Werte der Aufklärung, der Freiheit, Gleichheit und der Brüderlichkeit, und die so genannt christlichen Werte gelten offensichtlich nur für Menschen mit dem richtigen Pass. Damit entlarvt sich der Westen selbst: Er ist keine Wertegemeinschaft mehr, sondern nur noch ein Profitcenter – ein Schutzraum für Reiche.

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Keine Hauptstadt für die Schweiz – auch keine Medienhauptstadt

Es ist immer wieder eine lustige Frage: Welche Stadt ist die Hauptstadt der Schweiz? Antwort: Keine. Die Schweiz hat seit 1803 keine Hauptstadt mehr. Bern ist lediglich Bundesstadt. Und die Schweiz hat nicht nur politisch keine Hauptstadt, sondern auch kulturell und wirtschaftlich. Unser Land ist bis auf die Knochen föderal: Die Kompetenzen sind verteilt. Dass sich Zürich in grossen Schritten zur Medienhauptstadt der Schweiz entwickelt, passt deshalb nicht zur Schweiz. Ja, es ist nicht nur unpassend, es ist kontraproduktiv.

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