Archiv der Kategorie: Wochenkommentar

Keine Hauptstadt für die Schweiz – auch keine Medienhauptstadt

Es ist immer wieder eine lustige Frage: Welche Stadt ist die Hauptstadt der Schweiz? Antwort: Keine. Die Schweiz hat seit 1803 keine Hauptstadt mehr. Bern ist lediglich Bundesstadt. Und die Schweiz hat nicht nur politisch keine Hauptstadt, sondern auch kulturell und wirtschaftlich. Unser Land ist bis auf die Knochen föderal: Die Kompetenzen sind verteilt. Dass sich Zürich in grossen Schritten zur Medienhauptstadt der Schweiz entwickelt, passt deshalb nicht zur Schweiz. Ja, es ist nicht nur unpassend, es ist kontraproduktiv.

Veröffentlicht unter Wochenkommentar | Verschlagwortet mit , , , | 2 Kommentare

Computer statt Sturmgewehre

Die EU will halbautomatische Waffen mit hoher Ladekapazität verbieten. Die Schweiz muss die Regeln übernehmen, wenn sie im Schengenraum verbleiben will. Der Bundesrat hat zwar butterweiche Ausnahmeregeln für das Schweizer Sturmgewehr verhandelt, trotzdem wehrt sich die Schweizer Waffenlobby Pro Tell mit Händen und Füssen gegen das neue Waffenrecht. Sie verteidigt die Vorstellung von einem Bürger, der frei ist, weil er bewaffnet ist. Das ist nicht nur gefährlich, sondern im 21. Jahrhundert geradezu absurd. Auch die Schweiz muss endlich einsehen, dass unsere Freiheit längst nicht mehr vom Sturmgewehr im Putzschrank abhängig ist. Viel wichtiger wäre es, für mehr Freiheit und Sicherheit im digitalen Raum zu sorgen.

Veröffentlicht unter Wochenkommentar | Verschlagwortet mit , , , , | 9 Kommentare

Wir brauchen einen Artikel über Informationssicherheit in der Verfassung

Verschwörungstheorien, Hexenjagden – manchmal kommt man sich derzeit vor wie im Mittelalter. Seit der Aufklärung war unsere Gesellschaft von Vernunft geprägt. Doch plötzlich zählen Gefühle mehr als harte Fakten. Und das ist erst der Anfang. Denn die Lügen und Fake News gedeihen da besonders gut, wo Menschen schlecht informiert sind. Für gute Information könnten starke Medien sorgen – aber die Medien schwächeln. Ihr Geschäftsmodell ist kaputt. Es ist Zeit, dass die Schweiz ihre Medien ähnlich gut behandelt wie die Landwirtschaft: Wir brauchen analog zum Artikel 104a über Ernährungssicherheit einen Artikel über Informationssicherheit in der Verfassung!

Veröffentlicht unter Wochenkommentar | Verschlagwortet mit , , , , | 4 Kommentare

Gegen ein Internet mit Leitplanken und Airbag

Wir hatten einst die Hoffnung, das Internet sei ein globaler, freier Ort der gleichberechtigten Meinungsäusserung. Jetzt müssen wir feststellen, dass das Netz fest in der Hand von einigen wenigen Grossfirmen ist und die Staaten dieser Welt das ungebärdige Netz eingezäunt haben. Ein Internet mit Leitplanken, Sicherheitsnetz und Airbag – wir haben uns das anders vorgestellt. Was die Alternative wäre? Statt in Zensurtechnik im Netz sollte das Geld in die Bildung der Menschen fliessen. Was meinen Sie?

Veröffentlicht unter Wochenkommentar | Verschlagwortet mit , , , , , , | 4 Kommentare

Wie christlich ist die Schweiz?

Vor Pfingsten stellen sich jedes Jahr dieselben Fragen: Sollen wir in den Süden fahren? Was essen wir am Montag? Und überhaupt: Was wird da eigentlich gefeiert? Kein Zweifel: Die meisten Schweizer wissen mehr über den Stau am Gotthard als über Pfingsten. Grund genug, einmal zu fragen: Wie christlich ist die heutige Schweiz? Wird das Christentum nur ausgegraben, wenn es gegen den Islam geht? Oder haben wir, wie das Bayern von sich behauptet, eine christlich geprägte Identität, eine Leitkultur? Und macht das die Schweiz zu einem christlichen Land?

Veröffentlicht unter Wochenkommentar | Verschlagwortet mit , , , , , | 3 Kommentare

Warum wir eine starke SRG im Internet brauchen

Keine drei Monate ist es her, dass die Schweizer Stimmbürger die NoBillag-Initiative äusserst deutlich bachab geschickt haben, schon sägen Politiker und Interessenvertreter wieder an der SRG herum. Diesmal geht es um die Konzession, also um die Sendeerlaubnis der SRG. Zankapfel ist die Frage, ob und wie stark die SRG im Internet aktiv sein darf. Verleger, Gewerbeverband und bürgerliche Parteien wollen die SRG auf herkömmliches Radio und Fernsehen beschränken. Doch das wäre ein fataler Fehler. Fünf Gründe, warum wir eine starke SRG im Internet brauchen.

Veröffentlicht unter Wochenkommentar | Verschlagwortet mit , , , , , , | 4 Kommentare

Digitale Medien führen nicht zu Einsamkeit. Im Gegenteil.

Diese Woche war ich zu Gast im «Club» auf SRF. Anlass war das neue Buch des deutschen Hirnforschers und Psychiaters Manfred Spitzer über Einsamkeit. Er sagt: Einsamkeit sei eine Krankheit, die schmerzhaft, ansteckend und tödlich sein könne. Insbesondere förderten heute die Digitalisierung und ganz besonders die Sozialen Medien die Vereinsamung. Damit bin ich nun gar nicht einverstanden. Sicher: Masslos gebraucht und also missbraucht können digitale Kommunikationsmedien schädlich sein. Insgesamt aber bringen sie uns näher zusammen. Deshalb: Eine kleine Widerrede.

Veröffentlicht unter Wochenkommentar | Verschlagwortet mit , , , , | 5 Kommentare

Die Mustermesse hat ausgedient – wie die Zeitung auch

Vor 50 Jahren strömte noch über eine Million Besucher an die Muba. Aus der ganzen Schweiz fuhren sie in Extrazügen nach Basel, um hier Muster von Kaffeemaschinen und Kühlschränken anzusehen. Heute suchen Herr und Frau Schweizer ihre Kaffeemaschinen im Internet. Die Messe hat ihren Nutzen verloren. Es geht ihr damit gleich wie den Tageszeitungen: Stellen, Wohnungen und Autos findet man heute im Internet – und Nachrichten auch. Wie die Mustermesse sollten sich auch Tageszeitungen von den guten, alten Zeiten endgültig verabschieden und sich rasch und radikal neu denken. Eine Möglichkeit wäre die 3E-Formel. Was das ist? Lesen Sie selbst.

Veröffentlicht unter Wochenkommentar | Verschlagwortet mit , , , , | 2 Kommentare

Warum die «Basler Zeitung» und Facebook uns schaden

Viele Basler jubeln: Christoph Blocher und Markus Somm sind mit ihrer rechtsbürgerlichen «BaZ» gescheitert und haben ihre Zeitung an Tamedia verkauft. Auch wenn Blocher und Somm ihre politischen Ziele nicht erreicht haben – Jubel ist nicht angebracht: Sie haben tiefe Spuren hinterlassen. Der Misserfolg der «BaZ» in der Region Basel hat nämlich dieselbe Konsequenz wie der Erfolg von Facebook in der ganzen Schweiz: Es ist Öffentlichkeit vernichtet worden. Das schadet uns; der ganzen Gesellschaft, insbesondere aber der Demokratie. Warum wir starke Medien brauchen, die in der Lage sind, Öffentlichkeit herzustellen.

Veröffentlicht unter Wochenkommentar | Verschlagwortet mit , , , , , | 6 Kommentare

Warum Aufmerksamkeit der BaZ (und anderen Zeitungen) nichts bringt

Die Schweizer Zeitungen erreichen auf Papier laut Wemf insgesamt 329’000 Leserinnen und Leser weniger als noch vor einem Jahr. Zu den Verliererinnen gehört auch die Basler Zeitung: Sie weist zum ersten Mal weniger als 100’000 Leser aus. Hansi Voigt findet deshalb, dass Blochers BaZ-Experiment gescheitert sei. Was zu einem Wutausbruch von BaZ-Verwaltungsratspräsident Rolf Bollmann in der eigenen Zeitung führte. Fakt ist: Zeitungen haben massiv an Bedeutung verloren. Natürlich. Das Internet. Der Strukturwandel. Aber die Zeitungen sind auch selber schuld daran. Denn die Zeitungen meinen, es gehe um Aufmerksamkeit. Doch eigentlich geht es um Vertrauen.

Veröffentlicht unter Wochenkommentar | Verschlagwortet mit , , , , | 9 Kommentare