Buchtipp

Bereit für das nächste Mal

Publiziert am 11. Juni 2020 von Matthias Zehnder

Das eigentliche Problem in den letzten Monaten sei nicht die neue Krankheit Covid-19 gewesen, sondern die Angst davor. Das schreibt der österreichische Intensivmediziner Rudolf Likar vom Klinikum Klagenfurt, der auch Intensivkoordinator des Bundeslandes Kärnten ist. Zusammen mit vier Kollegen hat er zusammengetragen, was sich in Österreich aus dem Umgang mit der Pandemie lernen lässt. Vieles davon lässt sich auf die Schweiz übertragen. Likar kritisiert, dass sein Land schlecht vorbereitet gewesen sei auf eine Pandemie. Dem können wir uns anschliessen. Vor allem aber kritisiert er den Umgang der Politik und der Gesellschaft mit Covid-19. Er schreibt, der globale Schock seit Ausbruch des Coronavirus habe «die drei grössten Giftstoffe der Welt ausgelöst. Angst. Unsicherheit. Verzweiflung. Das Trio infernale für die Seele.» Die multimediale Panikmache werde sich ohne Frage auf das Immunsystem aller Menschen auswirken. «Permanent schlechte Nachrichten lösen Schlafstörungen aus, Essstörungen. Es brauche «angstreduzierende Trainings, um die Folgeerscheinungen nicht der Pandemie, sondern der daraus entstandenen Massnahmen zu mildern.» Die Wirtschaftskrise, die sich als Folge der Pandemie auf der ganzen Welt einstellt, führt dazu, dass sich viele Menschen nicht mehr zurechtfinden, weil «die Angst vor dem Leben grösser ist als die Furcht vor dem Virus.» Das eine mache schnell krank, aber das andere bringe langfristig um. Der ständige Aufruf, Abstand zu halten, führe uns immer vor Augen: «Vorsichtig sein. Eine falsche Bewegung, und es hat dich erwischt. Ein Leben wie auf rohen Eiern.»

Als Ausweg aus der Pandemie und als Lehrstück für die nächste, die ganz sicher kommen wird, haben die fünf österreichischen Ärzte einen 55 Punkte umfassenden Pandemieplan zusammengestellt. Viele der Punkte sind simpel. Zum Beispiel sei es wichtig, das Immunsystem zu stärken – und zwar nicht mit Produkten der Pharmaindustrie, sondern schlicht durch gesundes Leben. Eine zentrale Funktion möchten sie den Hausärzten zuweisen. Sie seien nahe bei den Menschen und könnten in einer Pandemie eine Schlüsselfunktion übernehmen. Kurz: Das Buch der österreichischen Ärzte ist nicht nur spannend, sondern auch angenehm vernünftig. Es wäre zu hoffen, dass es viele Schweizer Gesundheitspolitiker lesen.

Rudolph Likar et al: Bereit für das nächste Mal. Wie wir unser Gesundheitssystem ändern müssen. Konsequenzen aus der Corona-Krise. edition a, 176 Seiten, 31.90 Franken: ISBN 978-3-9900142-2-6

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