Buchtipp

Die Zukunft nach Corona

Publiziert am 18. Juni 2020 von Matthias Zehnder

Matthias Horx ist «Zukunftsberater». Das heisst: Er beschäftigt sich mit Trends und berät dazu Firmen. Von den Medien wird er deshalb als Zukunftsforscher bezeichnet – auch wenn es das im Wortsinn nicht gibt. Was er nicht kann: die Zukunft voraussagen. Das macht er in seinem neuen Buch über die Welt nach der Coronakrise auch nicht. Er nimmt den Leser an der Hand und denkt mit ihm gemeinsam darüber nach, wie Corona die Welt verändert. Horx schreibt, er könne nicht sagen, wie die Zukunft aussehen wird. «Ich kann es nur gemeinsam mit Ihnen ahnen. Weil es von Ihnen abhängt. Von uns allen. Ob etwas aus dieser Krise heraus den Weg verändert, auf dem wir gehen, hängt von uns vielen ab, die wir dennoch Individuen, einzigartige Einzelwesen sind.» Dabei sieht Horx zwei Aspekte im Vordergrund: Dankbarkeit und Verantwortung. Dankbarkeit darüber, dass eben nicht alles zusammengebrochen ist und wir heute nicht einfach Opfer einer Krise sind, wie es unsere Vorfahren noch waren. Aus der Dankbarkeit resultiert ein Gefühl der Verantwortung der Welt gegenüber – und gleichzeitig das Bewusstsein über die eigenen Grenzen.

Mögliche Entwicklungen zeichnet Horx in Bezug auf die sechs Dimensionen Globalisierung, Wirtschaft, Politik, Arbeit, Technologie und Kultur (die er allerdings Systeme nennt). So sieht er die Globalisierung abgelöst durch die «GloKALisierung», die geprägt sei von einem neuen «globalen Equilibrium» zwischen Lokalisierung und Globalisierung und einer Wende von der Effizienz hin zur Effektivität. Die Wirtschaft sieht er sich verändern in Richtung einer «Kombinationsökonomie, die öffentliche und private, gesellschaftliche und marktwirtschaftliche Sektoren neu kombiniert.» Die Demokratie sieht er durch die Covid-19-Krise gestärkt, den Populismus geschwächt. Arbeit und Work-Life-Balance sieht er vom Kopf auf die Füsse gestellt. Horx schreibt von einer neuen «Virtuosität der Berufe». Das Verhältnis zwischen Technik und Mensch, das bislang eher einer Art Liebesgeschichte gewesen sei, nähere sich «einer realistischen Beziehung – einer besseren Synthese».

Die meisten Veränderungen aber werde Covid auf der Ebene der Kultur hinterlassen. Horx meint damit allerdings nicht Konzerte und Museen, sondern «die Art, wie wir denken und fühlen, wie wir unser Zusammenleben und unser Weltverhältnis organisieren.»

Matthias Horx macht in seinem Buch klar, dass auch Zukunftsforscher mit Wasser kochen. Er denkt gemeinsam mit dem Leser sorgfältig über die Änderungen nach, die Corona mit sich bringt. Das Buch gibt deshalb interessante Denkanstösse und kann dabei helfen, diese Veränderungen zu verstehen und zu bewältigen.

Matthias Horx: Die Zukunft nach Corona. Wie eine Krise die Gesellschaft, unser Denken und unser Handeln verändert. Econ, 144 Seiten, 22.90 Franken; ISBN 978-3-430-21042-3

Erhältlich ist das Buch hier: https://www.biderundtanner.ch/detail/ISBN-9783430210423

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