#Herbstklassiker 1: Max Frisch und die Brandstifter
In Europa feiern extrem rechte Parteien Wahlerfolge. In den USA verbannt der Präsident unliebsame Medien aus dem Weissen Haus. Tech-Firmen «spenden» Millionen an Politiker. Und wir alle sitzen in der warmen Stube und … ja, und was? In den letzten Wochen habe ich immer wieder an zwei Theaterstücke aus der Schweizer Literatur gedacht: an «Biedermann und die Brandstifter» von Max Frisch und «Der Besuch der alten Dame» von Friedrich Dürrenmatt. Es sind zwei Klassiker der Schweizer Literatur. Die Gefahr besteht, dass wir sie deshalb musealisieren und nicht mehr für voll nehmen. Gerade diese beiden Stücke haben uns heute aber viel zu sagen. Für meine kleine Herbstserie habe ich die beiden Stücke neu gelesen. Diese Woche widme ich mich dem so schweizerischen Biedermann, der im Theaterstück von Max Frisch die Brandstifter in sein Haus lässt. Spannend an dem Stück ist, dass Max Frisch die Frage verschiebt. Nach einem Brand lautet normalerweise die erste Frage: «Wer sind die Brandstifter?» Max Frisch stellt aber den Biedermann ins Zentrum. Sein Stück stellt uns die Frage: «Was macht mich zu Biedermann?» Max Frisch interessiert sich also nicht für die Täter, sondern für alle, die sie gewähren lassen. Das scheint mir vor dem Hintergrund der Wahlerfolge der AfD die richtige Frage. Im ersten Teil meiner kleinen Herbstklassiker-Serie fragen wir also: Was macht uns alle zu Biedermännern?
Vor zwei Jahren habe ich in meinen Sachbuchtipps ein Buch von Annika Brockschmidt empfohlen. Sie hat untersucht, wie es dazu kommen konnte, dass sich die Republikanische Partei in den USA so weit vom liberalen Konservativismus ihrer Vergangenheit entfernt hat und immer stärker Züge einer rechtsextremen Partei annimmt. Sie fragt: «Wie konnte es passieren, dass die Republikanische Partei – die Partei Lincolns und der Sklavenbefreiung – zu einer Partei geworden ist, die Ausgrenzung, Nativismus, Rassismus und Hetze zu ihren Hauptmerkmalen zählt?» Der Titel ihres Buchs: «Die Brandstifter». Annika Brockschmidt schreibt: «Die ideologische Brandstiftung hat lange vor Donald Trumps Erscheinen auf der politischen Bühne der USA begonnen und ihre verheerende Wirkung entfaltet.» Die Partei stehe zunehmend unter dem Einfluss rechtsextremer Kräfte, auf die die Parteiführung zur Mobilisierung einer über Jahrzehnte hinweg radikalisierten Basis angewiesen sei. Und weiter: «Die Entwicklung der Republikanischen Partei in den zurückliegenden knapp 150 Jahren ist geprägt von unbedingtem Machtwillen, von einem politischen Establishment, das lange glaubte, die radikalen Elemente in den eigenen Reihen kontrollieren und für sich politisch nutzen zu können.»
An diesen Satz denke ich immer wieder. Ich glaube, es ist die zentrale Feststellung von Annika Brockschmidt. Das politische Establishment in den USA war nicht blind. Die Damen und Herren in den Führungsetagen der Republikanischen Partei haben die rechtsextremen Kräfte bemerkt. Aber sie glaubten, dass sie die Rechtsextremen in den eigenen Reihen kontrollieren und für sich politisch nutzen könnten. Sie haben also den Brandstiftern bewusst die Türe geöffnet und sie gewähren lassen, weil sie glaubten, im eigenen Haus schon Herr der Lage bleiben zu können.
Eine ganz ähnliche Geschichte hat Max Frisch mit seinem Theaterstück «Biedermann und die Brandstifter» auf die Bühne gebracht. Gottlieb Biedermann ist ein wohlhabender Fabrikant. Er ist mit der Herstellung von Haarwassern reich geworden. Biedermann ist nicht blind. Er liest in der Zeitung über die Taktik der Brandstifter, wie sie als harmlose Hausierer getarnt an der Tür klingeln, sich auf dem Dachboden des Hauses einnisten und es später niederbrennen. Biedermann ärgert sich über die Dummheit seiner Zeitgenossen. Da klingelt es an der Tür. Dienstmädchen Anna will Biedermann zu Hilfe holen, weil sie den Mann an der Tür nicht loswird: Es ist ein Hausierer, der sich als Josef Schmitz vorstellt, ein ehemaliger Ringer, jetzt arbeitslos und ohne Obdach. Schon in der ersten Szene des Stücks zeigt Max Frisch, wie der Brandstifter Biedermann um den Finger wickelt.
BIEDERMANN Sie kennen mich, haben Sie dem Mädchen gesagt.
SCHMITZ Freilich, Herr Biedermann, freilich.
BIEDERMANN Woher?
SCHMITZ Nur von Ihrer besten Seite, Herr Biedermann, nur von Ihrer besten Seite. Gestern abend am Stammtisch, ich weiß, Herr Biedermann haben mich gar nicht bemerkt in der Ecke, die ganze Wirtschaft hat sich gefreut, Herr Biedermann, jedes Mal, wenn Sie mit der Faust auf den Tisch geschlagen haben.
BIEDERMANN Was habe ich denn gesagt?
SCHMITZ Das Einzigrichtige.
Er raucht seine Zigarre, dann:
Aufhängen sollte man sie. Alle. Je rascher, um so besser. Aufhängen. Diese Brandstifter nämlich …
Biedermann bietet einen Sessel an.
BIEDERMANN Bitte. –
Schmitz setzt sich.
SCHMITZ Männer wie Sie, Herr Biedermann, das ist’s, was wir brauchen!
BIEDERMANN Jaja, gewiß, aber –
SCHMITZ Kein Aber, Herr Biedermann, kein Aber! Sie sind noch vom alten Schrot und Korn, Sie haben noch eine positive Einstellung. Das kommt davon.
BIEDERMANN Gewiß –
SCHMITZ Sie haben noch Zivilcourage.
BIEDERMANN Sicher –
SCHMITZ Das kommt eben davon.
BIEDERMANN Wovon?
SCHMITZ Sie haben noch ein Gewissen, das spürte die ganze Wirtschaft, ein regelrechtes Gewissen.
BIEDERMANN Jaja, natürlich –
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Und schon ist der Brandstifter mit Hilfe von ein paar Schmeicheleien dem Biedermann unter die Schädeldecke gekrochen. Schmitz lobt Biedermann. Er habe noch Zivilcourage, er sei noch von altem Schrot und Korn. Und schon schnappt die Falle zu. Die Brandstifter nehmen dem Biedermann die eigene Härte (und später auch die Moral) als Schutzschild aus der Hand und verwandeln sie in eine Hebelkraft zu ihren eigenen Gunsten. Und Biedermann? Verschliesst die Augen. Kurz vorher hat er allen Dummheit vorgeworfen, die einen Brandstifter nicht bemerken. Er selbst ist ja nicht dumm, also kann der Mann, der vor ihm steht, kein Brandstifter sein. Er darf kein Brandstifter sein.
Der nächste Schritt: Biedermann ist selbst nicht frei von Schuld und macht sich damit angreifbar.
ANNA Herr Biedermann?
BIEDERMANN Was denn?
ANNA Herr Knechtling möchte Sie sprechen.
BIEDERMANN Knechtling? Jetzt? Knechtling?
ANNA Er sagt –
BIEDERMANN Kommt nicht in Frage.
ANNA Er könne Sie gar nicht verstehen –
BIEDERMANN Wozu muß er mich verstehen?
ANNA Er habe eine kranke Frau und drei Kinder –
BIEDERMANN Kommt nicht in Frage! sag ich.
Er ist aufgestanden vor Ungeduld. Herr Knechtling! Herr Knechtling! Herr Knechtling soll mich gefälligst in Ruh lassen, Herrgott nochmal, oder er soll einen Anwalt nehmen. Bitte! Ich habe Feierabend. Herr Knechtling! Ich verbitte mir dieses Getue wegen einer Kündigung. Lächerlich! Und dabei gibt’s heutzutage Versicherungen wie noch nie in der Geschichte der Menschheit … Ja! Soll er einen Anwalt nehmen. Bitte! Ich werde auch einen Anwalt nehmen. Beteiligung an seiner Erfindung. Soll er sich unter den Gasherd legen oder einen Anwalt nehmen – bitte! – wenn Herr Knechtling es sich leisten kann, einen Prozeß zu verlieren oder zu gewinnen. Bitte! Bitte!
Er beherrscht sich mit Blick auf Schmitz.
Sagen Sie Herrn Knechtling: Ich habe Besuch.
— 92
Seinem Angestellten gegenüber legt Biedermann jene Härte an den Tag, die er gegenüber den Brandstiftern aufweisen sollte. Ja, er macht sich sogar lustig über die Not von Herrn Knechtling. Er weist also einen vernünftigen Bittsteller ab und lädt gleichzeitig den Verbrecher zum Essen ein. Damit macht sich Biedermann moralisch schuldig. Das ermöglicht es Max Frisch, einen weiteren Hebel anzusetzen. Biedermann entdeckt, dass die beiden Brandstifter Schmitz und Eisenring Fässer voller Benzin auf seinen Dachboden geschafft haben. Es wäre der letzte Moment, sich gegen die Brandstifter zu stellen. Biedermann ruft «Sind Sie eigentlich wahnsinnig? Mein ganzer Dachboden voll Benzin –» Aber er schafft es nicht, daraus sinnvolles Handeln abzuleiten, und distanziert sich gleich wieder von seiner eigenen Haltung, indem er seine Frau ins Spiel bringt: «Was denken Sie sich eigentlich? Meine Frau bekommt einen Schlag, wenn sie das sieht.»
BIEDERMANN Wenn Sie diese Fässer nicht augenblicklich aus dem Hause schaffen, aber augenblicklich! sag ich –
EISENRING Dann rufen Sie die Polizei.
BIEDERMANN Ja.
SCHMITZ Siehst du!
Anna ruft im Treppenhaus.
ANNA Herr Biedermann!
Biedermann flüstert.
BIEDERMANN Das war mein letztes Wort!
EISENRING Welches?
BIEDERMANN Ich dulde kein Benzin in meinem Dachstock. Ein für allemal! Ich dulde es nicht.
Es klopft an die Tür.
Ich komme!
Er öffnet die Tür, um zu gehen, und eintritt ein Polizist.
POLIZIST Da sind Sie ja, Herr Biedermann, da sind Sie ja. Sie brauchen nicht herunterzukommen, ich will nicht lange stören.
BIEDERMANN Guten Morgen!
POLIZIST Guten Morgen!
EISENRING Morgen …
SCHMITZ Morgen …
Schmitz und Eisenring verneigen sich.
POLIZIST Es handelt sich um einen Unfall –
BIEDERMANN Um Gottes willen!
POLIZIST Ein alter Mann, dessen Frau behauptet, er habe bei Ihnen gearbeitet – als Erfinder! – hat sich heute nacht unter den Gashahn gelegt.
Er sieht in seinem Notizbüchlein nach.
POLIZIST Knechtling, Johann, wohnhaft Roßgasse 11.
Er steckt das Büchlein ein.
Haben Sie einen solchen gekannt?
BIEDERMANN Ich –
POLIZIST Vielleicht ist’s Ihnen lieber, Herr Biedermann, wenn wir unter vier Augen –BIEDERMANN Ja.
POLIZIST Geht ja die Angestellten nichts an!
BIEDERMANN Nein –
Er bleibt in der Tür stehen.
Wenn mich jemand sucht, meine Herren, ich bin bei der Polizei. Verstanden? Ich komme sofort.
Schmitz und Eisenring nicken.
POLIZIST Herr Biedermann –
BIEDERMANN Gehen wir!
POLIZIST Was haben Sie denn in diesen Fässern da?
BIEDERMANN – ich?
POLIZIST Wenn man fragen darf.
BIEDERMANN … Haarwasser …
— 110
Biedermann droht mit der Polizei, da steht sie schon vor der Tür. Der Polizist kommt aber nicht wegen der Brandstifter, sondern meldet den Tod von Knechtling, an dem Biedermann mindestens mitschuldig ist. Als der Polizist nach dem Inhalt der Fässer fragt, hätte Biedermann die Möglichkeit, gegen die Brandstifter vorzugehen. Aber seine Schuld macht ihn verletzbar. Er will nicht, dass die Polizei genauer hinschaut. Und er müsste sich von allem distanzieren, was er bisher gesagt hat. Er wählt den einfacheren Weg, nimmt die Brandstifter in Schutz und gibt das Benzin als Haarwasser aus. Damit macht er sich vor der Polizei zum Komplizen.
Interessant daran ist, dass die Brandstifter nicht einmal den Versuch machen, das zu vertuschen, was sie tun. Brandstifter Eisenring erklärt auf dem Dachboden die Taktik:
[[EISENRING Scherz ist die drittbeste Tarnung. Die zweitbeste: Sentimentalität. Was unser Sepp so erzählt: Kindheit bei Köhlern im Wald, Waisenhaus, Zirkus und so. Aber die beste und sicherste Tarnung (finde ich) ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit. Komischerweise. Die glaubt niemand.|119]]
Das ist der Punkt: Die Brandstifter leugnen nichts. Sie geben alles zu und sprechen jeden Vorwurf selbst aus. Sie machen es damit Biedermann viel schwieriger, ihnen etwas vorzuwerfen. Selbst als sie Fässer voller Benzin und Zündschnüre ins Haus schaffen, leugnen sie das nicht. Das ist die wichtigste Lektion, die ich aus dem Stück ziehe: Brandstifter, die Zündhölzer und Brandbeschleuniger offen in der Hand tragen, lassen sich mit Enthüllungen nicht bekämpfen, weil es gar nichts mehr zu enthüllen gibt. Berichterstattung über Tatsachen bleibt wichtig, aber sie ist kein Mittel gegen einen Extremismus, der sich nicht verhüllt.
Am Ende entlarven sie Biedermann als sentimentalen, selbstverliebten Mann, der noch im Angesicht des Feuers den Brandstiftern seine Solidarität versichert.
BIEDERMANN Unter uns, meine Herren: Genug ist genug: Meine Frau ist herzkrank. Scherzen wir nicht länger über Brandstifterei.
SCHMITZ Wir scherzen ja nicht, Herr Biedermann.
EISENRING Wir sind Brandstifter.
BIEDERMANN Meine Herren, jetzt ganz im Ernst –
SCHMITZ Ganz im Ernst.
EISENRING Ganz im Ernst.
SCHMITZ Warum glauben Sie uns nicht?
EISENRING Ihr Haus, Herr Biedermann, liegt sehr günstig, das müssen Sie einsehen: fünf solche Brandherde rings um die Gasometer, die leider bewacht sind, und dazu ein richtiger Föhn –
BIEDERMANN Das ist nicht wahr.
SCHMITZ Herr Biedermann! Wenn Sie uns schon für Brandstifter halten, warum nicht offen darüber reden?
Biedermann blickt wie ein geschlagener Hund.
BIEDERMANN Ich halte Sie ja nicht für Brandstifter, meine Herren, das ist nicht wahr, Sie tun mir Unrecht, ich halte Sie nicht für – Brandstifter …
EISENRING Hand aufs Herz!
BIEDERMANN Nein! Nein, nein! Nein!
SCHMITZ Aber wofür halten Sie uns denn?
BIEDERMANN Für meine – Freunde …
Sie klopfen ihm auf die Schultern und lassen ihn stehen.
Wohin gehen Sie jetzt?
EISENRING ’s ist Zeit.
BIEDERMANN Ich schwöre es Ihnen, meine Herren, bei Gott!
EISENRING Bei Gott?
BIEDERMANN Ja!
Er hält die Schwurfinger langsam hoch.
SCHMITZ Er glaubt nicht an Gott, der Willi, so wenig wie Sie, Herr Biedermann – da können Sie lange schwören.
Sie gehen weiter zur Türe.
BIEDERMANN Was soll ich tun, daß Sie mir glauben?
Er vertritt ihnen den Ausgang.
EISENRING Geben Sie uns Streichhölzchen.
BIEDERMANN Was – soll ich?
EISENRING Wir haben keine mehr.
BIEDERMANN Ich soll –
EISENRING Ja, Wenn Sie uns nicht für Brandstifter halten.
BIEDERMANN Streichhölzchen?
SCHMITZ Als Zeichen des Vertrauens, meint er.
Biedermann greift in seine Tasche.
— 140
Die Brandstifter nutzen die Eitelkeit und Selbstüberschätzung von Biedermann aus, bis er sich zu ihrem Komplizen macht und nicht mehr zurückbuchstabieren kann. Biedermann hält trotz wachsender Verzweiflung an der Überzeugung fest, seine beiden Gäste seien doch keine Brandstifter, sondern seine Freunde, weil sonst sein Kartenhaus zusammenstürzen würde. Er hat sich schon viel zu tief hineingeritten, weil er sich gemein gemacht hat mit den Brandstiftern. Informationen, Wissen und damit Berichterstattung ändern nichts daran. Es braucht andere Mittel und Wege, den Biedermann aus seiner Pseudo-Solidarität herauszuholen und ihn aufzuwecken. Er hätte eine goldene Brücke gebraucht, die es ihm ermöglicht hätte, gesichtswahrend aus seinem Schlamassel herauszukommen. Moralische Vorwürfe sorgen nur dafür, dass er sich noch tiefer verstrickt in seine seltsame Beziehung mit seinen Brandstiftern.
Im Stück von Max Frisch bringt der Chor dieses Problem auf den Punkt:
Der die Verwandlungen scheut / Mehr als das Unheil, / Was kann er tun / Wider das Unheil?
— 116
Etwas verständlicher formuliert: Wer sich vor Veränderungen mehr fürchtet als vor dem Unheil, kann gegen das Unheil nichts tun. Das ist das Problem der kognitiven Dissonanz: Wenn die Welt nicht mit den Überzeugungen eines Menschen übereinstimmt, dann ändert der Mensch oft nicht seine Überzeugungen, sondern die Wahrnehmung der Welt.
Biedermann glaubt an seine eigene Überlegenheit. Dumm sind nur die anderen, ihm kann das Unheil nicht passieren, er hat den Durchblick. Es ist ein Muster, dem ich immer wieder begegne (übrigens auch bei mir selbst). In der politischen Schweiz hat dieses Denkmuster einen Namen: Die Schweiz glaubt daran, ein Sonderfall zu sein. Auf die sommerliche Rekordhitze oder die 39-Prozent-Zölle aus den USA folgt deshalb kein Aufwachen, sondern trotziges Beharren darauf, dass die Schweiz ein Sonderfall sei. Was können wir also tun, wenn die Menschen die Verwandlung mehr scheuen als das Unheil?
Wir müssen den Biedermännern also goldene Brücken bauen. Aber wie? Ich vermute, dass es darum geht, anderen zu erlauben, ihre Meinung zu ändern, ohne dass sie zugeben müssen, dass sie sich geirrt haben. Einfach ist das nicht. Zumal es noch einen zweiten Mechanismus gibt, warum Menschen plötzlich gegen ihre eigene Moral handeln. Friedrich Dürrenmatt hat ihn im «Besuch der alten Dame» auf die Bühne gebracht. Das schauen wir uns nächste Woche an.
Damit Sie sich noch etwas mehr mit Max Frisch und «Biedermann und die Brandstifter» beschäftigen können, habe ich Ihnen mein Herbstklassiker-Quiz gebaut: Testen Sie Ihr Klassiker-Wissen hier:
Die Auflösung samt Erklärung erhalten Sie am Schluss.
Basel, 02.10.2026, Matthias Zehnder mz@matthiaszehnder.ch
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2 Kommentare zu "#Herbstklassiker 1: Max Frisch und die Brandstifter"

Brandstiftung geht immer leise vor sich. Wahrscheinlich im wörtlichen Sinne, bestimmt aber im übertragenden Sinne:
„In Europa feiern extrem rechte Parteien Wahlerfolge. In den USA verbannt der Präsident unliebsame Medien aus dem Weissen Haus. Tech-Firmen «spenden» Millionen an Politiker.“
Diese Sätze klingen bei mir als „Brandsätze“ nach – und bedürfen meinem empfinden nach eine Einordnung:
„Feiern extrem Rechte Parteien Wahlerfolge“ = besser wäre: „Werden auf demokratischem Weg demokratische rechts-bürgerliche-Partien gewählt. Oft gewinnen sie die Wahlen“. Denn „Feiern“ tun sie nicht einfach so, hinter der „Feierlaune“ steht das Wählervotum. Und hinter dem Wählervotum die Missstände der etablierten Parteien. Die Chaos-Tage in France (linke Jungentliche und Studenten zünden alles an – inkl. Lehrer), die Lügen eines F. Merz (vor der Wahl: Kein Cent neue Schulden – nach der Wahl werden Billionenschulden aufgetan) und die Polit-Trickse (Billionenschuld mit altem Bundestag durchgetrickst, obwohl aktueller vom Volk gew. Bundestang schon bereit war und es nie zugelassen hätte). Keine Grundlage für Vertrauen, Zusammenhalt, Werte… Die Energie-Kriese (Teuer-Strom während er in Polen 1/2 so viel kostet), dementsprechend Deindustrialisierung und Abwanderung der Unternehmen, Teuer-Sprit, Migrations-Tanz auf der dt. Nase herum usw…. Zu „Feiern“ gibts also gar nichts. Nur zu „Hoffen“ auf Alternativen zu Merz-CDU / SPD & Co….
„In den USA „verbannt“ der Präsident unliebsame Medien“ = schon immer wurden nicht alle Medien ins Weisse Haus oder an andere wichtige Destinationen zugelassen. Der Grund: Es hat einfach keinen Platz für die vielen Medienschaffenden von allen Sendern, Zeitungen und Netz-Portalen, die z.B. ins Medienzentrum wollen, wenn der Präsident etwas zu verkünden hat. Deshalb wurde schon immer eine Auswahl getroffen. Es geht gar nicht anders. Schon der hl. Obama oder Sankt Biden taten das. Obama hatte es nicht so mit „Fox“ – und jetzt dreht sich der Spiess….
Wichtiges Detail: Bei Obama & Co war das nie ein Thema, kam nicht vor. Beim finstern Trump wird es breitgetreten, besonders in Europa – und schafft es bis in den Wochenkommentar…..
„Tech-Firmen spenden Millionen an Politiker“ – Auch hier wird wieder auf subtile Weise gegen Trump „brandgestiftet“ – Brandgefährlich ist das: Die USA sind zur Zeit im KI-Fieber. Es ist wie der Goldrausch damals. In San Francisco boomt es besonders. Einmann – Firmen entwickeln mit KI neue KI. Einige werden innert Tagen zu Millionären. Ganz San Francisco ist elektrisiert. Ein Zimmer mit ein paar Quadratmeter kostet z.Z. soviel wie eine ganze Wohnung woanders. Denn alle wollen dort sein. Dort Leben. Und Erfolg haben. Die Tech-Firmen spenden, bekommen aber auch als Gegenleistung gutes Umfeld, freies Geleit und viel Support vom Staat….
Die EU fährt das Gegenteil: Unendliche Regulierungen, bevor man überhaupt ein Büro aufmachen kann, Erlasse, Verfügungen, dazu Teuer-Strom und Flatterstrom (besonders in D schwankend aufgrund der Windenergie oft nicht zuverlässig).
Spricht da der Neid? Bei uns ist der Schlafwagen in Sachen KI definitiv abgefahren. Brandschade ist das….
Zum Schluss erfahren wir:
„Und wir alle sitzen in der warmen Stube und … ja, und was?“ – auch das ist nicht so sicher – die Gasspeicher sind leer, die Stromlücke wird zur grossen Tücke (Wärmepumpen), die Ölreserven sind infolge der EU-Saktionspolitik halbvoll (Politiker-Sprech) bzw. halbleer (Realisten-Ölhändler-Sprech)….
einzig das „ja, und was?“ kann man so belassen – denn es zeigt, das wir noch nie so schlechtes, bequemes, träges + faules Politikpersonal hatten und die wahren schlimmen „Biedermänner“ im Bundeshaus sitzen…..
«Biedermann und die Brandstifter» verstehe ich als einen sogenannten «Klassiker», weil Max Frisch damit Verhältnisse und Verhaltensweisen spiegelt, die sich immer wieder zu manifestieren vermögen … und dies solange, bis es nicht mehr geht: wie lange es damit wohl noch dauern mag?