Curdin Vincenz: «Wie lässt sich Journalismus unter den neuen Bedingungen noch finanzieren?»
Das 385. Fragebogeninterview, heute mit Curdin Vincenz, ab September 2026 SRF-Italien-Korrespondent. Er sagt, seit seinem Berufseinstieg habe sich sein Alltag «grundlegend» verändert. «Ich habe 1993 mit Journalismus angefangen.» Agenturmeldungen seien damals noch auf Papier via Telex verschickt worden. Es gab weder Internet noch Smartphones: «Natels zum Telefonieren gab es pro Redaktion ein paar wenige. E-Mail war erst am Aufkommen. Recherchieren hiess damals vor allem telefonieren», erzählt er. «Dazu gab es Adressverzeichnisse, Bücher mit Telefonnummern von Ämtern, Verbänden, Parteien, gewählten Politiker:innen». Und, «damals der Hit, eine CD-Rom mit allen Nummern der Schweizer Festnetzanschlüsse.» Die Arbeit sei deshalb «in vielen Belangen mühsamer, aufwändiger und langsamer» gewesen. Zeitdruck habe es weniger gegeben, «aber weil alles komplizierter war und länger dauerte, kam ich zeitlich trotzdem in die Bredouille.» Und heute? Jetzt rollt die KI auf die Redaktionen zu. «Das Problem an der KI» sei «die Bestimmtheit und Absolutheit, mit der sie ihre Informationen präsentiert und formuliert, auch dann, wenn sie komplett falsch liegt.» Die KI sei keine Zweiflerin, sie habe «eigentlich immer eine Antwort, im Zweifelsfall eben lieber eine falsche als keine.» Deshalb brauche es weiterhin «zwingend Journalist:innen». Er ist überzeugt, die Digitalisierung werde die Branche weiterhin verändern. «Die zentrale Frage ist und bleibt: Wie lässt sich Journalismus unter den neuen Bedingungen noch finanzieren?»
Welches Medium darf bei Dir zum Frühstück nie fehlen?
Ich höre zuerst «Heute Morgen», gemacht von meinen SRF4-Kolleg:innen. Momentan pendle ich noch nach Bern, im Zug lese ich NZZ und «Tages-Anzeiger» (altmodisch auf Papier oder im E-Paper) und checke die News auf weiteren Portalen.
Wie hältst Du es mit Facebook und Instagram, X, Bluesky, Threads und Mastodon, LinkedIn, YouTube und TikTok?
Sporadisch aktiv mit eigenen Posts bin ich auf Instagram/Facebook und LinkedIn. Bei Instagram bleibe ich regelmässig zu lange im Endlos-Feed von Posts, Stories und Reels hängen. X nutze ich nur noch als Quelle für meine journalistische Arbeit, weil viele offizielle und institutionelle Accounts, aber auch Politisierende nach wie vor via X kommunizieren. YouTube brauche ich für gewisse Streams bei der Arbeit oder auch privat für Videos und Musik.
Wie hat sich Dein medialer Alltag seit Deinem Berufseinstieg verändert?
Grundlegend. Ich habe 1993 mit Journalismus angefangen. Agenturmeldungen kamen auf Papier via Telex, Fotos wurden auf Fotopapier in der Dunkelkammer entwickelt, ein elektronisches Archiv hatte das «Bündner Tagblatt», bei dem ich begann, auch noch nicht. Es gab weder Internet noch Smartphones. Natels zum Telefonieren gab es pro Redaktion ein paar wenige. E-Mail war erst am Aufkommen. Recherchieren hiess damals vor allem telefonieren, Unterlagen physisch beschaffen, sich per Post schicken oder faxen lassen. Dazu gab es Adressverzeichnisse, Bücher mit Telefonnummern von Ämtern, Verbänden, Parteien, gewählten Politiker:innen und Telefonbücher geordnet nach Kantonen und Gemeinden oder, damals der Hit, eine CD-Rom mit allen Nummern der Schweizer Festnetzanschlüsse. Pressemitteilungen oder Einladungen zu Medienkonferenzen erreichten uns per Fax oder Post.
Wollte ich Radio, zum Beispiel das «Echo der Zeit», hören, musste ich zur richtigen Zeit das Radio einstellen – es gab kein Replay, nichts. Und die Tagesschau liess ich mir noch bis mindestens 2011 mit meinem entsprechend programmierten Videorekorder auf eine VHS-Kassette aufzeichnen. Die Arbeit beim Radio war bis in die Nuller-Jahre noch ohne Online-Konkurrenz. Wir waren das schnellste Medium.
Wenn Du an die Medien in der Schweiz denkst – war früher alles besser oder schlechter?
Weder noch. Die Arbeit war früher in vielen Belangen mühsamer, aufwändiger und langsamer. Zeitdruck gab es auch, es hiess einfach weniger «möglichst rasch», aber weil alles komplizierter war und länger dauerte, kam ich zeitlich trotzdem in die Bredouille.
Haben geschriebene Worte noch Zukunft?
Auf jeden Fall. Ich denke, das kann man an vielen Konstanten erkennen. Das Buch gibt es nach wie vor, textlastige Onlinemedien wie die «Republik» gewinnen sogar an Leser:innen und selbst auf allen sozialen Medien wird neben allem anderen auch geschrieben und gelesen.
Was soll man heute unbedingt lesen?
Ich bin nicht der Typ, der gerne anderen Empfehlungen macht. Ich kann nur sagen, was ich für mich wichtig finde. Ich versuche, kontroverse Themen aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und nicht nur Meinungen, Ansichten und Analysen zur Kenntnis zu nehmen, die einer bestimmten Bubble zugehörig sind. Eine Publikation, die ich fast immer mit grossem Interesse lese, die einen Mehrwert darstellt und in ihrer Art in der Schweiz einzigartig ist, ist «NZZ Geschichte». Die Lektüre bietet mir (obwohl oder weil ich selbst einen Master in Schweizer Geschichte habe) immer neue Einsichten bezogen auf unser Land.
Kannst Du schlechte Bücher weglegen oder musst Du Bücher zu Ende lesen?
Ich lese Bücher eigentlich immer zu Ende. Wenn ich sie weglege und nie mehr oder lange nicht mehr zur Hand nehme, kann es sein, dass ich sie vergesse und nicht zu Ende lese. Dann hat mich das Buch offensichtlich nicht so gefesselt. Aber bewusst weglegen tu ich ein Buch glaub wirklich nie.
Wo erfährst Du Dinge, von denen Du nicht gewusst hast, dass sie Dich interessieren?
Das passiert mir, wenn ich ein Medium nicht gezielt konsumiere. Das beste Beispiel ist wohl, wenn ich im Zug, im Auto oder bei der Hausarbeit SRF4News höre. Da wird ja oft eine Art Best-of der Sendungen und Berichte aus den verschiedensten Ressorts zu verschiedensten Themen ausgestrahlt. Da geschieht es oft, dass ich etwas höre, nachdem ich nie aktiv gesucht hätte und das ich äusserst interessant finde.
Wie lange gibt es noch gedruckte Tageszeitungen?
Ich glaube tatsächlich, dass es gedruckte Tageszeitungen nicht mehr lange geben wird. Ich denke, vielleicht noch zehn Jahre. Das gilt aber nicht für wöchentliche Publikationen und Magazine
Sind Fake News eine Gefahr – oder eine Chance für die Medien?
Sie sind eine grosse Gefahr, weil die meisten Medien zu wenig Ressourcen ins «fact-checking» investieren können oder wollen.
Wie hältst Du es mit linearem (live) Radio und Fernsehen?
Radio höre ich nach wie vor oft linear – bei langen Zug- oder Autofahrten, auch beim Spazieren oder Radfahren und beim Putzen, Kochen oder Abwaschen.
Hörst Du Podcasts? Hast Du einen Lieblingspodcast?
Meine Lieblingsgpodcasts sind «News plus» und «Geschichte», beide von SRF. Ansonsten höre ich einige Podcasts, die sehr eng mit einer linearen Sendung verbunden sind, also «Echo der Zeit» oder auch den «ZIB2 Podcast» mit dem jeweiligen Studio-Gespräch aus der gleichnamigen österreichischen Nachrichtensendung. Zudem höre ich im Hinblick auf meinen neuen Job in Rom vermehrt italienische Podcasts (etwa von der Tageszeitung «Domani»)
Was bedeutet es für die Medien (und die Gesellschaft), dass laut fög 56 % der 16- bis 29-Jährigen zu den News-Deprivierten gehören?
Das ist sehr beunruhigend. Man wird sehen müssen, wie sich diese Zahlen entwickeln. Andererseits frage ich mich, wie solche Umfragen wohl in den 1980er-Jahren, also in meiner Jugend, herausgekommen wären. Ich weiss nicht, wieviel aus meiner Klasse in der Mittelschule in Chur mit 16 damals eine Zeitung gelesen haben. Und bestimmt verfolgten sie keine News auf dem Smartphone oder lasen sie auf dem Screen im Postauto oder Stadtbus, weil es das alles noch nicht gab.
Über 85 Prozent der Schweizer Medienschaffenden nutzen KI-Tools in ihrem Arbeitsalltag, gleichzeitig wächst das Misstrauen gegenüber KI-generierten Inhalten. Wie viel KI verträgt der Journalismus? Lässt sich Journalismus gar automatisieren?
Da kann ich nur sagen: Ich hoffe nicht. Das Problem an der KI ist – zumindest in ihren jetzigen Grenzen – die Bestimmtheit und Absolutheit, mit der sie ihre Informationen präsentiert und formuliert, auch dann, wenn sie komplett falsch liegt. Die KI ist keine Zweiflerin, sie hat eigentlich immer eine Antwort, im Zweifelsfall eben lieber eine falsche als keine. Solange das so ist, braucht es zwingend Journalist:innen.
Führt die Digitalisierung zum Tod der Medien oder im Gegenteil zur Befreiung des Journalismus?
Beide Szenarien scheinen mir zu absolut. Die Digitalisierung wird die Branche grundlegend weiter verändern. Das hat aber auch schon das Internet getan. Die zentrale Frage ist und bleibt: Wie lässt sich Journalismus unter den neuen Bedingungen noch finanzieren? Wie frei der Journalismus in Zukunft (noch) sein wird und wo, ist vor allem abhängig von den politischen Entwicklungen. Da gibt es durchaus beängstigende Tendenzen, auch in Europa.
Brauchen wir in der Schweiz eine Medienförderung?
Ich glaube: Ja. Durch die Abwanderung der Werbung zu ausländischen Tech-Giganten bricht einfach ein riesiger Teil der Einnahmen weg. Dazu kommt, dass die Mediennutzer:innen zu einem grossen Teil nicht besonders zahlungsfreudig sind. Zu verbreitet ist die Gratismentalität und zu oft und zu einfach kommt man tatsächlich auch ohne Bezahlung an die gewünschten Informationen. Eine kluge öffentliche Medienförderung könnte sicherstellen, dass es nach wie vor genügend, differenzierte und auch regionale Informationen gibt. Das ist in unserer halbdirekten Demokratie zentral.
Schreibst Du manchmal noch von Hand?
Ja, zum Beispiel Geburtstags- und Weihnachtskarten für meine Liebsten und Beileidskarten. Zudem mache ich beim Recherchieren am Telefon, im direkten Gespräch oder auch an Medienkonferenzen immer noch meistens von Hand Notizen – leider auch nach mehr als 30 Jahren zu unleserlich.
Ist (oder war) Donald Trump gut oder schlecht für die Medien?
Ich finde ihn nicht gut für die Medien. Einmal, weil er im eigenen Land gegen die Pressefreiheit agiert. Ansonsten ist er zwar immer gut für eine Schlagzeile mit seinem erratischen Verhalten, aber zu oft führt das dazu, dass zu viel über Aussagen und Ankündigungen von ihm berichtet wird, die sich im Nachhinein als irrelevant erweisen. So besetzt er seit Monaten viel Fläche in den Medien – auf Kosten von anderen Themen.
Wem glaubst Du?
Meiner Tochter und meinem Sohn.
Dein letztes Wort?
Danke.
Curdin Vincenz
Curdin Vincenz hat an in Zürich und Bern Geschichte, Politikwissenschaft und Staatsrecht studiert. Beim «Bündner Tagblatt» und bei «Radio Grischa» ist er in den Journalismus eingestiegen. Ab 1996 hat er zunächst als freier Mitarbeiter für Radio DRS in Chur gearbeitet, ab 1998 als Nachrichtenredaktor in Bern. Ab 2001 war er Graubünden-Korrespondent, 2006 bis 2011 Moderator der Nachrichtensendungen «Info3» und «Rendez-vous», ab 2011 Zürich-Korrespondent, 2016 bis 2022 Bundeshaus-Korrespondent von Radio SRF. Seit 2022 arbeitet er als Bundeshauskorrespondent für Fernsehen SRF. Jetzt wechselt er nach Rom und arbeitet ab September 2026 als SRF-Italien-Korrespondent.
Basel, 13.05.2026, Matthias Zehnder mz@matthiaszehnder.ch
Bild: SRF
Seit Ende 2018 sind über 350 Fragebogeninterviews erschienen – eine alphabetische Liste mit allen Namen und Interviews gibt es hier: https://www.matthiaszehnder.ch/aktuell/menschenmedien-die-uebersicht/
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6 Kommentare zu "Curdin Vincenz: «Wie lässt sich Journalismus unter den neuen Bedingungen noch finanzieren?»"
Beim dieswöchigen Fragebogen fiel mir als erstes das akkurat gebüschelte drapiert hergerichtete Foto des heutigen Protagonisten auf (vom SRG-Haus-Berufshausfotografen – kann nicht anders sein) auf. Danach stach mir rote („passt“) unübersehbare SRG-Mikrophon in die Augen.
Reflexartig – ohne den Mann auf dem Bild zu kennen – ich bin nicht so SRG-affin – scrollte ich zur Frage über die Medienförderung runter. Und ei der Daus: Bei jedem SRG-Mitarbeiter (könnte schwören) wird ein JA herausgeprustet. Gerade jene Journalisten, welche schon quasi voll-über-subventioniert leben und arbeiten wollen mit ihren ewigen JA’s noch mehr. Dabei ziehen sie uns allen am meisten Verdientes, Erspartes, Erarbeitetes aus unseren Portemonnaies. Via den klassischen SRG-SRF-Medien-Zwangs-Gebühren und zudem noch via Medienförderung über Steuerlasten (bei der ich gottlob nicht weiss, wieviel Cent ich zusätzlich über diesen Kanal dieser Branche abdrücken muss). Doch diese Abhängigkeit sehe ich als den falschen Weg: Sie macht unfrei, staatsnah, staatstreu, unkritisch, abhängig, mediensprecherisch und lahm. Aufdecken, kritisieren, aufzeigen kommt kaum noch vor, aus Angst vor dem Verlust der finanz. Honigtöpfen, aus Angst vor den Politkern, aus Angst vor dem allg. Ansehen. 76% der Journalisten unserer SRG (Sozialistische Rotfunk Gesellschaft) bezeichnen sich selbst als „Links“ (welche die Medienabgaben fördern wollen) und wohl an die 100% der SRG-Mitarbeitenden sagen zur Medienförderung YES (wenigstens auf diesen Seiten)…. DAS ist Einseitigkeit pur und sagt viel aus.
Europaweit geht der Konsum der etablierten (und meist geförderten) Medien zurück, und das hat seine Gründe. DARÜBER nachzudenken fällt vielen schwerer als auf die (US-) Tech-Giganten zu zeigen, welche als „Böse“ herhalten sollen. Doch Sprachrohre der Regierenden sind nicht mehr so prickelnd, einseitig besetzte Talkrunden öde und das Nicht-Einladen von massgebenden Personen unserer Gesellschaft infolge falscher Parteizugehörigkeit der Todesstoss – so was braucht 2026 kein Mensch mehr….
Ich wünsche C. Vincenz für seine wohl letzten Berufsjahre bis zur golden-geregelten SRG-Pension alles Gute in der sonnenverwöhnten ewigen Stadt Rom. Das Privileg eines sehr guten Schweizer Lohnes in Kombination mit günstigen ital. Lebensunterhaltkosten und Genüssen sei Ihnen gegönnt. Grüssen Sie mir Italiens Hauptstadt.
Wie sich innovative Private Medien-Mitarbeitende von Mogens bis Abends bei harter Arbeit abstrampeln müssen, zeigt uns auf seine ironisch-augenzwinkernde Art Journalist Stefan Millius vom „Nebelspalter“. Zur 175. Sendung; quasi als Jubiläums-Goodie an die treue Zuschauerschaft seiner Sendung „The daily Mill“, dem tägliche Videoformat vom „Nebelspalter“ welche Betrachtungen zwischen Realität, Satire und Realsatire rund um Politik, Medien und Gesellschaft aufzeigt.
Mit wenig Budget, mit Chef, Anwalt und Jaqueline Badran im Nacken ist jeder Tag ein Knochenjob.
Der schönste Dank: Steigende Klickzahlen, steigende You-Tube-Abo-Zahlen und steigende Beliebtheit im ganzen Land….
Über sich selbst Lachen können, dies vermisse ich bei den „Big-Playern“ schmerzlich; das ist die Kür, das ist Genuss – gewürzt mit einem gehörigen Schuss Eulenspiegelei gepaart mit Jux und Dollerei. Und alles ohne einen Cent Subvention…..
Das Gute setzt sich durch und bleibt, der Zerrspiegel Förderung kann nicht das Rezept der Zukunft sein…. Stefan Millius zeig mit deiner erfrischenden, eloquenten, überraschender Art auf, wie freie Journalisten ihre harte Tage durchleben….. Bravissimo!
Herzzerreissend, wie Thomas Zweidler wieder unter der ach so „linken“ SRG (bzw. SRF) leiden muss, vor allem unter Curdin Vincenz, dessen Berichte und Kommentare er noch nie gesehen hat! Was heisst eigentlich Medienförderung, was heisst Subvention genau? Wie sollen unsere Medien in Zukunft finanziert werden? Egal: denen bei der SRG geht es gut, alle anderen müssen den ganzen Tag lang „chrampfen“. Was stimmt hier nicht? Zur Erinnerung: die „Halbierungsinitiative“ wurde am 8. März 2026 mit 62 Prozent (Stadt Bern: 82 Prozent) verworfen. Gegenüber dem Tages-Anzeiger hat Nebelspalter-Chefredaktor Markus Somm vor kurzem eingeräumt, dass er nach gut fünf Jahren statt der angestrebten 12’000 digitalen Abonnentinnen und Abonnenten wahrscheinlich („glaube ich“) nur auf 6000 kommt (TA 07.05.2026). Herrn Zweidlers positiv gefärbte Zahlen aus der rechten bis rechtsextremen Blase tönen wie das Pfeifen im Wald… Ich bin neugierig auf Herrn Vincenz‘ Berichterstattung aus Italien: ein anspruchsvoller, interessanter Posten!
Die einen bevorzugen den Blick (Auflage halbiert), die anderen die WOZ, andere die Tamedia-Blätter (abnehmend) und andere den bürgerlichen „Nebelspalter“. Die zahlenden Abonnenten sind überall das Problem. Die Abozahlen bei Somm’s „Bern einfach“ oder Feusis „Bundeshaus-Briefing“ gehen durch die Decke und – vor allem – werden von allen massgebenden Personen aus Politik und Wirtschaft wahrgenommen.
Ich als einfaches Gemüt bevorzuge „The daily mill“ vom Nebelspalter von und mit Stefan Millius, welcher hier die Welt (und sich) aufs Korn nimmt, aber ansonsten ein sehr wacher, heller und ernstzunehmender Autor und Journalist ist.
Michele Binswanger – Grande Dame des CH-Journalismus – wird diesen Sommer zum „Nebelspalter“ stossen und dort volle Entfaltungsmöglichkeit haben und ihre volle Blüte zur Geltung bringen können. Mit D. Feusi ist zwar ein Abgang zu verzeichnen, er wird aber der „NZZ“ gut tun.
Seien wir froh, haben wir einen lebhaften Medienkuchen, welcher eben nicht nur aus SRG-SRF besehen, die so tun (siehe Strafe-Abstimmung) als käme nur aus dieser Küche „verlässliche Information“. Welch eine Anmassung gegenüber den Privaten.
(Wie sie „die Wahrheit pachteten“ sah man ja während der Epidemie).
Die wertvollsten Perlen, diese Beobachtung mache ich seit langem, kommen eh nicht mehr von den Bezahlmedien. Die wertvollsten Perlen kommen von Individuen wie M. Zehner und seinen Seiten, was er jede Woche aufs neue beweist
UN – BEZAHL – BAR…….
Ich weiss nicht, ob Herrn Zweidler wirklich klar ist, was er da so schreibt. Wir waren vorher bei der von ihm heissgeliebten SRG (gemeint ist ja praktisch immer SRF), jetzt sind wir plötzlich bei den „Bezahlmedien“ – als ob ich für eine Weltwoche oder einen Nebelspalter am Kiosk oder im Abonnement nichts bezahlen müsste… Und dann kommt plötzlich die „verlässliche Information“ ins Spiel. Was Herr Zweidler offensichtlich nicht weiss: Die verlässlichen Informationen kommen weder von SRF noch von den „Privaten“, sondern von den Nachrichtenagenturen. Weltwoche und Nebelspalter verbreiten allerdings wenig Informationen, sondern vor allem Meinungen. Auch der Versuch einer Ehrenrettung des italienischen Herzspezialisten, der das Universitätsspital Zürich verlassen musste, durch Christoph Mörgeli in der Weltwoche enthält mehr Meinung als Fakten und fällt entsprechend dünn aus.
Wenn man den Bericht in der Süddeutschen Zeitung (16.05.2026, 19:01 Uhr) über das neueste Produkt aus dem Silicon Valley „Monitoring the Situation“ (MTS) liest, kann einem allerdings schwindlig werden: Originäre Berichterstattung oder gar eigene Scoops sieht man selten bis gar nicht, alles ist Meinung. Nachrichten machen, das bedeutet hier, direkt aus Pressemeldungen vorlesen, das Thema ist beinahe egal, dafür wechselt die Nachrichtenlage ja auch viel zu schnell. Jeden Tag ist man knapp acht Stunden am Stück auf Sendung, gesendet wird auf der eigenen Website sowie in einem Livestream auf X. Jeder Gründer, Investor oder CEO, der etwas auf sich hält, betreibt einen eigenen Podcast oder Newsletter: Das Silicon Valley baut sich ein eigenes Netzwerk alternativer Medien auf, in dem CEOs die unangefochtenen Stars sind. Ist das besser, ist das die Zukunft unserer Medien?
Die Medien im Ist-Zustand, die (herbeigeschriebene?)“Medienkrise“ u.v.m. ist Thema im Streitgespräch zwischen Roger Schawinski und Markus Somm.
Einfach mal Hr. Dr. Somm lauschen, seine Überlegungen, seine Ausführungen. Damit ist viel, damit ist alles gesagt. Listen first, then write……..
https://2021.radio1.ch/assets/podcasts/roger-gegen-markus/radio1-roger-markus-20260518-1805.mp3
Na, dann streiten wir doch ein bisschen: Hat Herr Zweidler überhaupt zugehört, was die beiden Herren diskutiert haben? Die Medienkrise wird gar nicht bestritten, die Zahlen über die geschwundenen Werbeeinnahmen sind seit Jahren bekannt, neue Geschäftsmodelle werden gefordert (Mäzene, Stiftungen?), und dann kommen plötzlich irgendwelche staatlichen Subventionen ins Spiel – der dümmste Satz, den ich kenne: „Wer zahlt, befiehlt.“ Wer staatliche Medien erleben will, kann Russia Today Deutsch, kann nach China oder Nordkorea schauen, früher war die DDR ein Musterbeispiel in unserer Muttersprache. Die Lösung der beiden Herren: es muss etwas passieren!!! Für mich ist das unverbindliches Geschwafel, damit kann ich nichts anfangen. Tut mir leid.