#Sommerklassiker 3: Conrad Ferdinand Meyer und die Macht

Publiziert am 17. Juli 2026 von Matthias Zehnder

Klassiker in der Literatur sind wie Bilder in einem Museum: einbalsamierte Kunst, überhöht und deshalb still gelegt. Klassiker ärgern niemanden mehr. Schade eigentlich. Als kleine Sommerserie habe ich mir dieses Jahr deshalb vorgenommen, sechs Klassiker mit frischem Blick zu lesen. Heute nehme ich mir Conrad Ferdinand Meyer vor. Sein Roman über den Bündner Freiheitskämpfer Jürg Jenatsch hat mir schon immer gefallen. Wenn man den Staub von der Geschichte bläst und die Bündner Romantik beiseite lässt, dreht sich der Roman aber um eine unbequeme Frage: Heiligt der Zweck die Mittel? Meyer stellt die Frage doppelt: Politisch in Bezug auf die Befreiung von Graubünden und moralisch in Bezug auf den Tyrannenmord. Spannend am Roman ist, dass Jenatsch eine ambivalente Figur ist: Er ist Befreier und Tyrann zugleich. Er bleibt seinem Vaterland treu, verrät aber seine Freunde, seine Werte, die Religion und seine Liebe. In der dritten Folge meiner Sommerserie werfe ich deshalb einen frischen Blick auf «Jürg Jenatsch» von Conrad Ferdinand Meyer. Als interaktive Ergänzung habe ich dazu das «Sommerklassiker: Quiz» kreiert. Da können Sie Ihr eigenes Wissen über alle meine Sommerklassiker testen.

Auch wenn Sie den Roman von Conrad Ferdinand Meyer nicht kennen, erinnern Sie sich vielleicht aus dem Geschichtsunterricht an Jürg Jenatsch: Er ist so etwas wie der Bündner Wilhelm Tell. Der historische Jürg (oder Jörg) Jenatsch kommt 1596 im Bündnerischen Lohn zur Welt und wächst in Silvaplana auf. Er studiert 1612 bis 1616 in Zürich und Basel Theologie. Zur Orientierung: Das ist knapp 100 Jahre nach der Reformation, Jenatsch ist also evangelisch-reformiert. Das wird noch entscheidend sein. 1617 wird er Pfarrer in Scharans. 1618 wechselt er nach Berbenno im Veltlin. Damit beginnen die Probleme. Das Veltlin, das heute zu Italien gehört, war damals katholisch, wurde aber von den protestantisch dominierten Drei Bünden, also von Herren im heutigen Graubünden regiert. Die versuchten, die Reformation im Veltlin voranzutreiben.

In der Nacht vom 18. auf den 19. Juli 1620 kam es zum Aufstand: Katholische Rebellen ermordeten im Tal Hunderte von Protestanten. Wer am Leben blieb, ergriff die Flucht. Das Ereignis löste die Bündner Wirren aus. Das Veltlin war ein strategisch wichtiges Tal: Es sicherte die Verbindung zwischen den habsburgischen Besitztümern in Österreich und Mailand. Jetzt wurde es zum internationalen Schlachtfeld. Im Zentrum der Wirren stand der streitbare Bünder Pfarrer Jürg Jenatsch.

Conrad Ferdinand Meyer lässt seinen Roman 1620, kurz vor diesem Gewaltausbruch im Veltlin, auf dem Julierpass beginnen, der Verbindung zum Engadin, die schon in römischer Zeit einer der wichtigsten Alpenübergänge war.

Die Mittagssonne stand über der kahlen, von Felshäuptern umragten Höhe des Julierpasses im Lande Bünden. Die Steinwände brannten und schimmerten unter den stechenden senkrechten Strahlen. Zuweilen, wenn eine geballte Wetterwolke emporquoll und vorüberzog, schienen die Bergmauern näher heranzutreten und, die Landschaft verengend, schroff und unheimlich zusammenzurücken. Die wenigen zwischen den Felszacken herniederhangenden Schneeflecke und Gletscherzungen leuchteten bald grell auf, bald wichen sie zurück in grünliches Dunkel. Es drückte eine schwüle Stille, nur das niedrige Geflatter der Steinlerche regte sich zwischen den nackten Blöcken und von Zeit zu Zeit durchdrang der scharfe Pfiff eines Murmeltieres die Einöde.
— C.F. Meyer: Jürg Jenatsch

Hier, auf der Passhöhe, tritt ein städtisch gekleideter Wanderer auf. Es ist der Zürcher Amtschreiber Heinrich Waser. Er wird beim Zeichnen der römischen Säulen gestört: Am See lagert eine Reisegesellschaft mit drei Pferden. Es ist Pompejus Planta, sein Diener Lucas und seine Tochter Lucrezia. Waser und Planta kommen ins Gespräch und rekapitulieren dabei die jüngsten Auseinandersetzungen im Bündnerland. Pompejus Planta führt die katholische, spanienfreundliche Partei an. Er steht also auf der Seit von Spanien und Österreich respektive Habsburg. Jürg Jenatsch kämpft als Pfarrer leidenschaftlich gegen die katholischen Mächte und für die Freiheit der Bündner.

Der erste Teil des Buchs ist aus der Perspektive von Heinrich Waser erzählt. Das ermöglicht es Meyer, uns in die komplizierten politischen Bündner Wirren einzuführen. Waser und Jenatsch kennen sich aus der gemeinsamen Studienzeit in Zürich. Er wandert über den Julier, weil er seinen Studienfreund im Veltlin besuchen will. Ausgerechnet auf dem Weg zu Jenatsch begegnet er dessen Todfeind Pompeius Planta. Dennoch sagt Waser: «Erlaubt, dass ich als Neutraler mein Urteil über die verwickelten Bündnerdinge einigermassen zurückhalte.» Dieser Rolle bleibt er treu. Und natürlich verrät er Planta nicht, dass er auf dem Weg zu Jenatsch ist. Dessen Tochter Lucretia durchschaut aber die Pläne von Waser. Das merkt er aber erst, als sich die Reisegruppe verabschiedet hat.

Waser verbeugte sich und schaute eine Weile nachdenklich dem über die Hochebene davontrabenden Reisezuge nach. Dann bückte er sich nach seinem aufgeblättert am Wege liegenden Taschenbuche und warf, bevor er es schloß, noch einen Blick auf seine Zeichnung. Was war das? Mitten zwischen die zwei flüchtig entworfenen Säulen hatte eine kindlich ungeübte Hand große Buchstaben hineingeschrieben. Deutlich stand es zu lesen: Giorgio, guardati.
— C.F. Meyer: Jürg Jenatsch

Diese Stelle hat mich immer fasziniert. «Giorgio, guardati», schreibt Lucretia ins Skizzenbuch von Heinrich Waser, «Jürg, hüte dich». Sie weiss, dass Jenatsch in akuter Lebensgefahr schwebt, weil die Katholiken sich im Veltlin bald blutig gegen die reformierten Bündner Herren erheben werden. Lucretia und Jürg sind aber zusammen aufgewachsen, es verbindet sie eine tiefe Freundschaft, vielleicht ist es sogar Liebe. Trotz der politischen und konfessionellen Feindschaft zwischen ihren Familien nutzt Lucretia deshalb die Gelegenheit, um Jenatsch durch das Skizzenbuch von Heinrich Waser heimlich eine Warnung zukommen zu lassen. Es ist ein kleiner Romeo-und-Julia-Moment in der Geschichte.

Anders als bei Shakespeare überwindet diese Liebe den Konflikt zwischen den Familien nicht. Wenig später massakrieren die Spanier im Veltlin Hunderte von Protestanten. Jenatsch muss fliehen. Er hängt den Talar an den Nagel und greift zum Schwert. In einer Sturmnacht dringt er mit Verschwörern ins Schloss Rietberg ein und ermordet vor den Augen von Tochter Lucretia Pompejus Planta kaltblütig mit einer Axt.

Als Leser akzeptieren wir diesen Mord als Befreiungstat: Jenatsch wird zum Bündner Freiheitshelden, er ermordet den Tyrannen und wir solidarisieren uns als Leser mit dem kämpferischen Pfarrer. Die meisten Heldengeschichten enden an dieser Stelle. Conrad Ferdinand Meyer erzählt aber weiter. Den zweiten Teil der Geschichte erleben wir aus der Perspektive von Lucretia Planta. Sie lebt im Exil. Sie ist hin- und hergerissen zwischen Rachegefühlen und der Liebe zu Jenatsch. Der streitbare Pfarrer ist mittlerweile ein erfahrener Kämpfer: Er hat sich im Dreissigjährigen Krieg als fähiger Offizier einen Namen gemacht und steht nun im Dienst von Frankreich unter dem Kommando von Herzog Henri de Rohan. Der Herzog hat die Protestanten unterstützt und Graubünden von der österreichisch-spanischen Besatzung befreit. Rohan und Jenatsch vertrauen sich. Doch die Politik macht nicht mit: Frankreich denkt nicht daran, Graubünden die volle Unabhängigkeit und die Herrschaft über das Veltlin zurückzugeben. Frankreich nutzt das Land lediglich als strategisches Pfand.

Im dritten Buch kommt es deshalb zur Katastrophe. Als Jenatsch klar wird, dass Frankreich seine Heimat nur benützt, vollzieht er einen radikalen Kurswechsel: den sogenannten «Ketzerhandel». Um sein Ziel eines freien Graubünden zu erreichen, ist ihm jedes Mittel recht. Er bricht den Treueeid gegenüber dem Herzog Rohan, verhandelt heimlich mit Österreich und konvertiert dafür sogar zum Katholizismus. Tatsächlich gelingt es ihm, die Franzosen aus dem Land zu treiben. Jenatsch ist auf dem Höhepunkt seiner Macht und regiert Graubünden fast wie ein Diktator. Doch er hat seine Seele verkauft und alle moralischen Grenzen überschritten.

Das Drama erfüllt sich während eines Maskenballs im Januar 1639 in Chur. Jenatsch feiert seinen Triumph, als eine maskierte Gestalt das Fest betritt. Es ist Lucretia Planta, begleitet von Jenatschs politischen Feinden. Es kommt zum Kampf, mittendrin: Lucretia.

Da schmetterte ein Axtschlag neben ihr nieder. Sie erblickte ihren treuen Lucas, ohne Maske und barhaupt, der von hinten vordringend, ein altes Beil zum zweiten Male auf Rudolfs bleiches Haupt fallen ließ und ihn anschrie: «Weg, Schurke! Das ist nicht deines Amtes.» Dann warf er den Sterbenden auf die Seite, drückte Lucretia weg und stand mit erhobener Axt vor Jenatsch. Der Starke, der schon aus vielen Wunden blutete, schlug mit wuchtiger Faust seinen Leuchter blindlings auf das graue Haupt. Lautlos sank der alte Knecht auf Lucretias Füße. Sie neigte sich zu ihm nieder und er gab ihr mit brechendem Blicke das blutige Beil in die Hand. Es war die Axt, die einst den Herrn Pompejus erschlagen hatte. In Verzweiflung richtete sie sich auf, sah Jürg schwanken, von gedungenen Mördern umstellt, von meuchlerischen Waffen umzuckt und verwundet, rings und rettungslos umstellt. Jetzt, in traumhaftem Entschlusse, hob sie mit beiden Händen die ihr vererbte Waffe und traf mit ganzer Kraft das teure Haupt. Jürgs Arme sanken, er blickte die hoch vor ihm Stehende mit voller Liebe an, ein düsterer Triumph flog über seine Züge, dann stürzte er schwer zusammen.
— C.F. Meyer: Jürg Jenatsch

Wahrlich eine dramatische Angelegenheit. Vor allem aber zeigt uns Conrad Ferdinand Meyer, was aus dem wackeren Helden aus dem ersten Teil geworden ist: ein abgezockter Politiker, der für seine Ziele alle Werte über Bord wirft und bedenkenlos Freunde und Verbündete verrät. Im ersten Teil haben wir uns noch mit Jenatsch identifiziert. Danach weckt der ruchlose Machtmensch Jenatsch immer mehr Unbehagen in uns. Es ist die Folge davon, dass wir einen Mörder als Helden akzeptiert haben.

Der Mord am Ende des Romans ist zwar auch ein Mord an einem Diktator, schliesslich hat Jenatsch die Macht im Bündnerland usurpiert. Dennoch ist es kein politischer Tyrannenmord, sondern eine private Vendetta. Lucretia tötet ihren Jürg und vollzieht damit Blutrache.

Spannend ist dabei das Unbehagen, das Meyer in uns weckt. Jenatsch erreicht zwar sein Ziel. Er schafft es, Graubünden zu befreien. Er verkauft dafür aber seine Seele, verrät alle, die ihm lieb und teuer sind und lässt sich von der Macht korrumpieren. Den ersten Schritt auf diesem Weg, den ersten Tyrannenmord an Pompejus Planta, machen wir als Leser mit. Wir billigen die Gewalt, weil wir das Ziel nachvollziehen können. Damit hängen wir mit drin und verfolgen mit immer grösserem Unbehagen die Konsequenzen, die aus der ersten Bluttat erwachsen. Das ist es, was diesen Roman so spannend macht: Conrad Ferdinand Meyer erzählt uns keine simple Heldengeschichte, sondern führt uns die Folgen der scheinbar heldenhaften Tat vor Augen.

Was meinen Sie zu dieser dramatischen Geschichte aus dem Bündnerland: Lesen Sie «Jürg Jenatsch» auch als Mahnung vor vorschneller Heldenverehrung? Und, was mich besonders beschäftigt: Welche Folgerungen sollen wir 2026 ziehen? Welche Freiheitskämpfer verwandeln sich heute in Diktatoren? Welche Ziele heiligen heute auf ungute Weise jedes Mittel?

Damit Sie sich noch etwas mehr mit Conrad Ferdinand Meyer und seiner Welt beschäftigen können, habe ich Ihnen mein Sommerklassiker-Quiz gebaut: Testen Sie Ihr Klassiker-Wissen hier:

Die Auflösung samt Erklärung erhalten Sie am Schluss. Dazu gehört auch eine Bewertung, je nachdem, wie viele Punkte Sie schaffen: Hase, Löwe, Fuchs oder Elefant – welche Wertung schaffen Sie?

Basel, 17.07.2026, Matthias Zehnder mz@matthiaszehnder.ch

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Quellen:

Bild: Conrad Ferdinand Meyer erweist sich als gewiefter Erzähler: Er verlockt uns dazu, uns mit Jürg Jenatsch zu identifizieren und führt uns dann vor, was es bedeutet, die Moral über Bord zu werfen.. (mz/kreiert mit KI)
Meyer, Conrad Ferdinand (2014): Jürg Jenatsch, 1. Auflage, Berlin 2014.


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2 Kommentare zu "#Sommerklassiker 3: Conrad Ferdinand Meyer und die Macht"

  1. Schade. Und wieder fährt am Schluss der durchaus schönen Ausführungen wieder der Stachel aus: „Welche Freiheitskämpfer verwandeln sich heute in Diktatoren? Welche Ziele heiligen heute auf ungute Weise jedes Mittel?“ – damit ist sicher nicht die Gesinnungsdiktatur der Linken gemeint, die Antifa welche mit ihren Berufs-Vandalen und -Chaoten ganz Europa ins Desaster stürzt, und zu der die Linke beharrlich schweigt, und seien auch die Vorfälle noch so gross (Bern, Demo, Haus und Rest. anzünden). Die Lückenpresse die Massgebliches auslässt, die Worthülsen der Schönredner und Schönwetterkapitäne, die Hausbesetzer, welche ganze Quartiere in Geissel nahm (Klybeck) und sich alles erlaubte. Nicht die Diktatur gegenüber den Reichen, Hausbesitzern, KMU’s, die Gebühren und Abgaben, die Vorschriften von der Regenwasserablaufabgabe (BS) bis wohl bald zur Solarpflicht (BS). Der ideologische Hass auf Autos, auf Flugzeuge, auf Golfplätze. Diese linken Berufs-Erben vom Züriberg und „Arlese“ leben von den Dividenden ihrer Mamis und Papis, gegen die sie kämpfen. Schizophrener gehts nimmer. Noch nie einen Bleistift oder Blumenkohl verkauft schreiend im Klassenkampf nach Mangel-Hammer-und-Sichel, im Bewusstsein am Goldküstenhügel nicht zu missen brauchend. Die Wahrheit pachtend immer im Recht was (Zitat von oben) „gut und ungut“ ist………. Ja – diese Gattung wird in CH2026 gepampert und frottiert…..
    Nein – gemeint sind die 3 Ausreisser des Mainstreams. Köppel, Somm und wahrscheinlich noch Dettling (SVP). Jene, welche die Sauce anders sehen. Jene, welche ausscheren. Welche die Demokratie zur Demokratie machen, in der es eben verschiedene Meinungen geben sollte, geben muss.
    Immer wieder wird Altes mit dem Hier und Jetzt in Verbindung gebracht. Klar – so macht man dies.
    Grundfalsch empfinde ich diese Vergleiche. Denn jetzt ist jetzt und früher war früher. Oder wie der Chinese sagt: „Alles hat seine Zeit“. Ausgeprägt in Deutschland: Es kann nicht sein, dass alle jungen Generationen in diesem schönen Land gedrückt und gebrochen durchs Leben kriechen müssen, nur weil ihre Grossväter und Gross-Gross-Väter „Nazis“ waren. Mussten. Sonst Kopf ab. Den Antisemitismus auf den Schultern lastet, während die Mehrheit der Migranten Berlins daily ungehindert Judenhass und Judenmord zelebriert/demonstriert. Ungeschoren von der dt. Kapitualtions-Angst-Polizei Berlins, welches vor Müll und Sprays an jedem Haus aussieht wie ein Saustall. Schnell kann mit den ewigen historischen Vergleichen ins Gegenteil gekippt werden.
    Ebenso ungesund wie alles Eifrige. In den Hirnen, in der Sprache, zwischen zwei Buchdeckeln….
    Und eben auch im Alltag. So wie ein Rudolf Steiner heute die Welt anders sehen würde, und wohl der erste wäre, welcher mit PC und Laptop rumrannte, so wie ein Goethe heute begeisterter ICE oder Lufthansa-Benutzer wäre für seine Reisen würde wohl auch C.F. Meyer die Schweiz, seine Schweiz, überhaupt alles anders beschreiben, angehen und empfinden.
    Ob positiver oder eher ins Finstere neigend werden wir jedoch nie erfahren……
    *Hr. Zehnder – Sie sind ein moderner Mann: Nach gefühlten 33 Weisse-Alte-Männer-Historic-Figuren frage ich mich bange, wann wohl die erste Frau in der illusteren Runde vorgestellt wird. Der Begriff „Gleichberechtigung“ fällt ja sogar schon ab und an im Vatikan….

  2. Man muss schon einen Moment Luft holen, um Herrn Zweidlers Text zu verdauen. Das kann man alles denken und meinen und auch schreiben, aber wenn Herr Zweidler das tatsächlich so in einen Zusammenhang mit Matthias Zehnders Wochenkommentar bringt, dann gibt es für mich ein paar – sagen wir mal: Unstimmigkeiten. Wieso Roger Köppel, Markus Somm und Marcel Dettling „Freiheitskämpfer“ sein sollen, wieso Matthias Zehnder unterstellt wird, dass er diese drei Herren als künftige Diktatoren sieht, erschliesst sich mir nicht: Alle drei schreiben und politisieren in unserem Land uneingeschränkt und ungehindert, aber nach heutigem Stand wählen 60 Prozent der Schweizer nicht die SVP, und die rechtsextremen Portale serbeln halt am rechtsextremen Rand vor sich hin…

    Ein grosser Teil der Deutschen waren Nazis – Zweidlers Anführungszeichen zeugen von einer unglaublichen Verharmlosung und völligen Unkenntnis der Geschichte nicht nur bis 1945, sondern auch der 1950-er Jahre, in denen „alte“ Nazis noch wichtige Posten bekamen und erheblichen Einfluss ausübten. Adenauers problematische Personalpolitik ist inzwischen von den Historikern recht gut erforscht. Die AfD versucht dagegen seit Jahren, die Geschichte Nazideutschlands umzudeuten, zu verkleinern oder als lästig abzuschütteln. Vertreter dieser Partei stellen sich selbst frech als Widerstandskämpfer dar – sind das Herrn Zweidlers „Freiheitskämpfer“?

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