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Der Papageno-Effekt: «Wirf einen Schatten» von Elena Fischer

Publiziert am 15. Oktober 2026 von Matthias Zehnder

Als Goethe 1774 «Die Leiden des jungen Werthers» veröffentlichte, sollen sich junge Männer nach dem Vorbild seines Helden das Leben genommen haben. Ob das stimmt, ist umstritten. Die Medienforschung spricht seither vom Werther-Effekt: Berichte über Suizide können Nachahmer finden. Weniger bekannt ist das Gegenstück. Es heisst Papageno-Effekt, nach dem Vogelfänger aus Mozarts «Zauberflöte». Papageno will sich aus Liebeskummer erhängen, da erscheinen gerade noch rechtzeitig die drei Knaben und singen: «Halt ein! O Papageno, und sei klug; man lebt nur einmal, dies sei dir genug!» Die Knaben erinnern Papageno an sein Glockenspiel. Er läutet, und Papagena kommt zu ihm. Solche Geschichten von Menschen, die eine Krise überstehen, können Leben retten. Der Roman von Elena Fischer ist eine solche Papageno-Geschichte. Joseph will sich am Heiligabend 1963 aus Kummer das Leben nehmen, doch gerade noch rechtzeitig läutet eine Glocke. Bei Joseph ist es die Türglocke. Warum mir die Lektüre des Romans trotz dieses einigermassen düsteren Beginns viel Freude gemacht hat, sage ich Ihnen in meinem 327. Buchtipp.

Joseph ist Bauer. Sein kleiner Hof liegt abgelegen über einem Dorf in den Bergen, so abgelegen, dass man sich schon dafür entscheiden muss, ihn zu besuchen. Im August hat ihn seine Frau Lis verlassen, mitten in der Heuernte. Sie hat den kleinen Sohn Samuel mitgenommen und ist zu ihrer Mutter in die Stadt gezogen. Seither ist es still im Haus:

Joseph trank seinen Kaffee in kleinen Schlucken, heiß, stark, schwarz und ohne Zucker, als wäre er eine Strafe Gottes.
Er wusste, dass es das letzte Mal war.
Vor ihm lag ein Tag voller letzter Male.
Der Tag vertrieb kaum die Dunkelheit der Nacht, ein silbriges Licht fiel durch das Fenster in die Stube. Es war der Morgen vor Heiligabend, doch im Haus war davon nichts zu sehen. Im Haus würde es keine Jahreszeiten mehr geben. Keine Weidenkätzchenzweige behängt mit Ostereiern, keine Wiesenblumen in Glasvasen, keine Kastanienmännchen auf dem Tisch, und jetzt: keine Papiersterne im Fenster, keinen Christbaum im Wohnzimmer.
Es war geisterhaft still.
Seine Frau und sein Sohn hatten alle Geräusche mitgenommen.
Joseph sah zu den beiden Stühlen, die am Tisch standen. Er dachte: Ich sollte sie auf den Dachboden räumen.
Aus dem Sehen wurde ein Schauen, aus dem Schauen ein Starren. Und dann – nichts. Dieser
Zustand, wie er es nannte, hatte begonnen kurz nachdem Lis gegangen war.
(Seite 7)

Es ist der 24. Dezember 1963, der Morgen vor Heiligabend. Joseph schreibt eine Liste mit vier Punkten: Stühle, Tiere, Kirche, Abschied. Das hat er noch zu tun. Als Erstes trägt er den Stuhl seiner Frau und den Hochstuhl seines Sohnes auf den Dachboden.

Er wollte wieder nach unten gehen, blieb dann aber vor dem Regal stehen, das neben der Tür stand.
Da lag das Gewehr, eine Mauser 98.
Joseph konnte den Blick nicht abwenden, sein Herz begann rascher zu klopfen, er spürte die Schläge bis in die Fingerspitzen. Das Gewehr war die Antwort auf die Frage nach dem Wie. Er berührte den staubigen Lauf, vorsichtig, als wäre das Metall lebendig. Er nahm das Gewehr in die eine Hand, mit der anderen griff er nach einem Päckchen Munition und steckte es in die Hosentasche.
In der Stube legte er beides auf den Tisch. Der Lauf zeigte genau auf Jesus. Seit Generationen litt er hier am Kreuz. Der Herr konnte einem jederzeit diejenigen nehmen, die man liebte. Es war der Gang der Dinge, dass Unheil über die Familie kam. Es war eine Menge davon über sie gekommen. Am Ende war nur er übriggeblieben.
Aber das mit Lis war etwas anderes.
Lis war freiwillig gegangen.
Oder?

(Seite 10)

Joseph mag nicht mehr. Er gibt den Tieren die dreifache Ration Futter und geht ein letztes Mal zur Kirche. Dann geht er noch einmal durchs Haus. Er hört der Treppe zu, wie sie knarzt und betrachtet die Zeichnungen von Samuel im Kinderzimmer.

Als Joseph das Schlafzimmer betrat, war er so weit. Er blickte auf die grüne Wand, auf das Bett. So viele schlaflose Nächte. Er sah aus dem Fenster. Der grasbewachsene Hang fiel sanft zum Wald hin ab. Hier war er zur Welt gekommen. Es gab keinen Grund, das Leben auszuhalten, bloß weil es einmal begonnen hatte und das ohne sein Zutun. Der Abend würde sich in die Nacht verwandeln und dann in den nächsten Tag und dann wieder und wieder. Auch ohne ihn. Er verabschiedete sich vom Schlafzimmer, schloss die Tür und ging zum letzten Mal die Treppe hinunter in die Stube.
Das Gewehr lag auf dem Tisch, es hatte auf ihn gewartet. Es war, als begegnete er einem Freund.
Er dachte: Ein Schuss, und es ist endlich vorbei.
Er dachte: Am Ende ist das Ende der einzige Ausweg.
Er dachte: Es ist für alle besser so.
Joseph nahm ein neues Blatt Papier, riss es in zwei Teile.
Auf den ersten schrieb er:
Heinrich, kümmere dich gut um meine Tiere. Und auf den zweiten: *Herr, bitte lass mich heimkehren.*
Den ersten Teil schob er in die Mitte des Tischs, den zweiten steckte er zu der Liste in seine Hosentasche. Dann öffnete er weit das Fenster, damit seine Seele hinausfand. Er setzte sich, nahm das Gewehr und stellte es zwischen seine Beine. Er schloss die Augen.
(Seite 23)

Da klingelt es an der Tür. Joseph fährt zusammen und lauscht. Reglos sitzt er in der Stube. Es klingelt noch einmal, er hat sich nicht getäuscht. Wer klingelt am Weihnachtsabend?

Vor der Tür steht eine junge Frau, die Joseph noch nie zuvor gesehen hat. Sie trägt einen zerschlissenen Mantel und einen Herrenhut, der ihr viel zu gross ist. Darunter schaut dunkelblondes, strähniges Haar hervor. In der Hand hält sie einen Beutel aus Stoff. «Hallo», sagt das Mädchen oder die Frau. «Ich suche …» Joseph weicht vor ihr zurück. Sie hat Schatten um die Augen, ihre Wangen sind rot, die Stirn ist bleich. «Hätten Sie vielleicht …», aber bevor sie den Satz beenden, bevor Joseph sie wegschicken kann, bricht sie zusammen. Er kann sie gerade noch auffangen.

Joseph trägt sie ins Haus, versorgt ihre wunden Füsse mit der Ringelblumensalbe seiner Grossmutter und kocht ihr mitten in der Nacht eine Hühnersuppe. Einen Arzt will sie nicht, ihren Namen verrät sie nicht. Nur so viel: «Sie können Birdie zu mir sagen.» Erst Tage später entdeckt Joseph in der Zeitung eine Vermisstenanzeige. Birdie heisst in Wirklichkeit Hilda, ist 20 Jahre alt und die Tochter eines Pfarrers. Sie ist von zu Hause weggelaufen, weil sie schwanger ist von einem Mann, einen anderen Mann heiraten soll, aber beide nicht liebt. Birdie liebt eine Frau. Das alles geht in einem Pfarrhaus in den 60er-Jahren natürlich gar nicht. Also hat Birdie heimlich abgetrieben und ist ausgerissen. Der Schwangerschaftsabbruch hat nicht richtig funktioniert, jetzt droht ein lebensgefährlicher Infekt. Also holt Joseph die Hebamme ins Haus, und während des Eingriffs hält Birdie seine Hand:

Die Hebamme drehte sich zu ihm, blickte zwischen ihm und Birdie hin und her. «Rein oder raus?»
«Ich wollte gerade gehen.»
Da streckte Birdie die Hand nach ihm aus. In der Reaktion der Hebamme spiegelte sich seine eigene Überraschung.
«Sind Sie sicher?», fragte sie.
Birdie nickte.
«Gut, wie Sie meinen.»
Die Hebamme schob den Stuhl ans Kopfende. Joseph setzte sich, den Blick starr auf Birdies Hand gerichtet, die jetzt seine umklammerte.
Birdie zitterte am ganzen Körper, abgesehen davon bewegte sie sich nicht. Sie schrie auch nicht, doch ihre Hand tanzte, angetrieben vom Schmerz. Wurde er schlimmer, drückte sie seine Hand fester, wurde er schier unaushaltbar, wand sie sich heraus und quetschte sein Handgelenk, ebbte der Schmerz ab, lag ihre Hand erschöpft in seiner.
Haut an Haut, eine sachte Berührung.
Wann hatte er zuletzt jemandes Hand gehalten?
Wann hatte zuletzt jemand seine Hand gehalten?
Mit dem Daumen strich er sanft über Birdies Handrücken, eine monotone, vorhersehbare Bewegung, wieder und wieder. Sie ließ es geschehen.

(Seite 62)

Joseph kümmert sich um Birdie wie um ein verletztes Tier. Ihr Leiden macht es ihm möglich, sich auf etwas ausserhalb seiner selbst zu konzentrieren. Als es Birdie etwas besser geht, fordert sie ihn heraus. Sie ist neugierig, frech und kompromisslos. Als er ihre Suppe lobt und annimmt, sie koche gerne, weil sie eine Frau ist, faucht sie ihn an, weil sie das als Zumutung empfindet.

Die zweite Frau in Josephs Leben ist Ada, die ältere Schwester von Lis. Sie schreibt für eine Frauenzeitschrift über Diäten und Haushaltstricks und langweilt sich dabei fürchterlich. Eigentlich möchte sie einen Roman schreiben. Zu Weihnachten schickt sie Joseph einen Gedichtband von Hilde Domin, «Nur eine Rose als Stütze». Darin ein Zettel: «Lesen kann die Nacht in uns vertreiben.» Joseph hat noch nie Gedichte gelesen. Bald verbringt er seine schlaflosen Nächte mit Hilde Domin. Und er gesteht sich ein, dass er Ada seit Jahren liebt. Allerdings hat er ihr nie etwas davon gesagt. Im Gegenteil: Er hat ihre Nähe eher gemieden.

Die dritte Frau in Josephs Leben ist Ehefrau Lis. Elena Fischer erzählt die Ehe der beiden in Rückblenden, und zwar rückwärts: vom Abschied im August 1963, als Lis mit Sohn Samuel plötzlich das Haus (und Joseph) verlässt, bis zur ersten Begegnung im Krankenhaus, in dem Lis damals als Krankenschwester arbeitet und Joseph nach einem Unfall pflegt. Es ist, wie wenn man in Rückwärts-Zeitlupe die Kollision zweier Eisenbahnzüge verfolgen müsste. Lis und Joseph sind zu schnell eine Familie geworden, sie haben zu schnell alle Unterschiede vernachlässigt. Lis ist eigentlich eine Städterin, sie langweilt sich auf dem Hof fürchterlich, die Frauen im Dorf behandeln sie als Fremde. Dazu kommt früh in der Beziehung das Baby. Es schreit nächtelang, Joseph weiss nicht, wie er damit umgehen soll und flüchtet sich zu seinen Kühen. Er will auf keinen Fall ein Vater sein wie sein eigener Vater, der aus dem Ersten Weltkrieg zurückkam und nur noch schwieg. Aber er weiss nicht, wie das geht, wie man ein liebevoller Vater ist. Dazu kommt eine alte, vermeintliche Schuld: Als Joseph 14 Jahre alt war, ertrank sein kleiner Bruder Johann bei einem Wettschwimmen im See hinter dem Wald. Kurz darauf nahm sich die Mutter das Leben.

Joseph ist also in mehrerer Hinsicht belastet: als Vater, als Mann, als Bauer. Lis versteht das nicht, auch weil Joseph nicht darüber spricht, sondern den Fehler seines Vaters wiederholt und schweigt. Also trennt sich Lis von Joseph und zieht mit Sohn Samuel in die Stadt. Die Krise bricht auf, als sie Joseph mit Samuel besucht und Samuel im Wald verschwindet. Joseph sucht ihn bis in die Nacht und findet ihn ausgerechnet am See, in dem sein Bruder ertrunken ist:

Und dann hatte er ihn gefunden, ausgerechnet am See.
Wieder hatte der Tod dort die Arme nach einem Kind ausgestreckt.
Doch dieses Mal war Joseph schneller gewesen.
Was hatte Samuel gesagt?
Da war ein Junge. Er wollte, dass ich mit ihm spiele. Joseph bekam eine Gänsehaut, ein Schauder wanderte seinen Rücken hinunter. Erinnerung und Traum flossen ineinander wie zwei Farben. Etwas Neues war im Entstehen, doch noch war es nicht greifbar. Hatte Samuel wirklich jemanden gesehen? War seine Fantasie mit ihm durchgegangen? Oder hatte er Angst, ausgeschimpft zu werden, und hatte deshalb einen Grund vorgebracht, eine Ausrede, warum er in den Wald gelaufen war? Joseph ließ seinen Blick auf dem schlafenden Samuel ruhen. Seine Augäpfel zuckten unter den Lidern wild hin und her. Er träumte.
Joseph sah sich selbst, wie er Samuel nach Hause trug, eng an seinem Körper, dann, wie Lis auf ihn zukam. Sie betraten das Haus. Das Haus wurde zum Puppenhaus, an einer Seite offen, nichts verbarg den Blick auf das, was in den Räumen vor sich ging. Er war mit Lis und Samuel in der Stube, sah Leute kommen und gehen. Da tauchte Adas Gesicht vor ihm auf, ihre Augen glänzten feucht. Hatte er ihr überhaupt guten Tag gesagt? Joseph konnte sich nicht daran erinnern. Alles, was nichts mit Samuel zu tun gehabt hatte, war so klein, so unbedeutend geworden.
(Seite 221)

Vor lauter Sorge um Samuel vergisst Joseph Ada. Kein Wunder, dass sie sich zurückzieht. Noch einmal steht Joseph am Abgrund. Diesmal klingelt niemand an der Tür. Es sind die Verse von Hilde Domin, die ihn zurückholen.

Seine Finger fanden den Abzug.
«… die Kerze wird hell vom freien Atem des Tags, du bläst sie lächelnd aus, wenn du in die Sonne trittst», flüsterte es auf einmal.
Joseph hielt inne.
Wessen Stimme war das? Was waren das für Worte?
Sein Blick fiel auf den Gedichtband, den Ada ihm geschenkt hatte. Er lag auf dem Sessel neben dem Bett. Und da sah Joseph sich selbst, wie er nachts las, hörte sich geliehene Worte murmeln. Er legte das Gewehr über seine Beine. Und ein Gedanke schob sich an allen anderen vorbei: Es war seine Entscheidung, er musste das nicht tun.
Mit zitternden Händen öffnete er das Patronenlager und nahm die Munition heraus.
Dann fing er an zu weinen.

(Seite 256)

«… die Kerze wird hell vom freien Atem des Tags, du bläst sie lächelnd aus, wenn du in die Sonne trittst» Das sind Zeilen aus dem Gedicht «Die schwersten Wege» von Hilde Domin. «Die schwersten Wege», heisst es in dem Gedicht «werden alleine gegangen, / die Enttäuschung, der Verlust, / das Opfer, / sind einsam.» Genau das erlebt Joseph. Im Gedicht spricht Hilde Domin von den «verlierbaren Lebenden» und den «unverlierbaren Toten», deren Stimme man hört, «ganz nahe / bei deinem Herzen.» Das ist es, was Joseph merkt: Die Toten sind «unverlierbar», die Lebenden aber kann er verlieren. Deshalb muss er sich um die Lebenden kümmern, um Samuel, auch um Lis, um Birdie und vor allem um Ada.

Zum Geburtstag schenkt Birdie Joseph ein Foto. Es ist ein Porträt, das sie von ihm geschossen hat. Auf die Rückseite hat sie geschrieben: «Wirf einen Schatten!» Das ist der Titel des Romans. Einen Schatten wirft nur, wer im Licht steht. Joseph hat monatelang wie ein Gespenst in seinem eigenen Haus gelebt, ja sich verkrochen. Am Ende tritt er wieder ans Licht.

Wunderbar am Buch von Elena Fischer ist, dass sie eine Sprache für die Depression und das Schweigen von Joseph findet, ohne sie beim Namen zu nennen. Joseph selbst nennt es seinen «Zustand». Er hat keine Worte für Gefühle, für seine Verzweiflung nicht und schon gar nicht für seine Liebe zu Ada:

Sie war so schön. Ihre Schönheit lag in vielen kleinen Gesten, darin, wie sie einen verletzten Vogel vom Boden aufhob, wie sie beim Nachdenken, sobald sie zu einem Schluss kam, ganz leicht die Augen zusammenkniff, darin, wie sie in einem Buch las und wie die Seiten ihr beim Umblättern gehorchten. Nie leckte sie an einer Fingerspitze.
«Ja?», fragte Ada.
Unmöglich, ihr das zu sagen. Joseph suchte nach passenden Sätzen, doch er fand keine. Alles, was er ihr sagen konnte, würde hinter dem zurückzubleiben, was er fühlte. Zudem schien er sich der Lächerlichkeit preiszugeben, sobald er auch nur darüber nachdachte, seine Gefühle in Worte zu kleiden.
«Nichts», antwortete er.
Sie sah an ihm vorbei, ins Leere. Als sich ihre Blicke wieder trafen, lag ein Ausdruck von Verlegenheit in ihrem. Traurigkeit breitete sich in ihm aus, weil er «Nichts» sagte, obwohl er «Alles» meinte.

(Seite 186)

Elena Fischer schildert das auf wunderbar poetische Weise mit zarten Worten. Das Buch ist nicht nur sprchlich schön, sondern auch formal spannend konzipiert, weil es von einem Ausgangspunkt aus, dem Heiligabend 1963, zwei Zeitlinien erzählt. Die Gegenwart läuft vom Heiligabend an vorwärts, die Geschichte der Ehe läuft von da an rückwärts. Am Ende treffen sich die beiden Zeitlinien auf einem zerknitterten Zettel mit einer Telefonnummer, den Joseph seit sieben Jahren aufbewahrt. Wem die Nummer gehört, verrate ich nicht. Um was es im Buch letztlich geht, sagt Birdie so: «Man muss sich erlauben, der Mensch zu sein, der man sein will.» Das war nicht nur in den 60er-Jahren schwierig, es ist es bis heute. Obwohl das Buch von einer tiefen Depression und von Einsamkeit handelt, überwiegt am Ende die Hoffnung. Schön.

Elena Fischer: Wirf einen Schatten. Roman. . Diogenes, 304 Seiten, 34.00 Franken; ISBN 978-3-257-07390-4

Erhältlich ist das Buch hier: https://www.biderundtanner.ch/detail/ISBN-9783257073904

Eine Übersicht über alle bisher erschienenen Buchtipps finden Sie hier:

https://www.matthiaszehnder.ch/aktuell/buchtipps-uebersicht/

Basel, 15. Oktober 2026, Matthias Zehnder

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