So punktet der Papagei – #2: Vorbild schlägt Beschreibung

Publiziert am 7. Juli 2026 von Matthias Zehnder

Wer der KI genau erklären will, was sie tun soll, schreibt schnell ellenlange Prompts. «Schreibe in einem sachlichen, knappen Stil, verwende aktive Verben, verzichte auf Füllwörter, vermeide den Konjunktiv und halte dich an Sätze mit maximal zwanzig Wörtern.» Das klingt präzise, das Ergebnis überzeugt aber meistens trotzdem nicht. Der Grund: Abstrakte Beschreibungen sind für ein Sprachmodell schwerer zu verarbeiten als konkrete Vorbilder. Die zweite Folge meiner Sommerserie widme ich deshalb der Bedeutung von Vorbildern. Damit der «Papagei» punktet, auch wenn er die Sprache nicht wirklich versteht.

Ein Sprachmodell ist im Kern eine Muster-Erkennungsmaschine – ein schier unendlich mächtiger Papagei. Das Modell wurde trainiert, indem es Milliarden von Texten gelesen und gelernt hat, welche Wörter und Strukturen aufeinander folgen. Es ist deshalb problemlos in der Lage, diese Muster zu ergänzen und fortzusetzen. Wenn Sie dem «Papagei» ein Beispiel zeigen, erkennt er das Muster sofort und kann Ton, Länge, Vokabular und Satzstruktur imitieren. Viel schwieriger ist es für die Papagei-KI, ein Muster aufgrund einer Beschreibung zu rekonstruieren.

Der einfachste Weg: Geben Sie der KI Vorbilder. Fügen Sie dem Prompt einen Text bei, der so klingt, wie Ihr Ergebnis klingen soll. Das kann ein früherer Artikel von Ihnen sein, ein Absatz aus einem Text, den Sie sich zum Vorbild nehmen, oder ein selbst geschriebenes Beispiel. Dann sagen Sie der KI: «Schreibe im Stil dieses Textes:» und hängen das Vorbild an. Die KI analysiert das Beispiel und übernimmt das Muster – weitere Erklärungen braucht sie nicht.

Das funktioniert auch für Formate. Wenn Sie eine bestimmte Tabellenstruktur, eine spezifische Gliederung oder ein festgelegtes E-Mail-Template brauchen, zeigen Sie ein ausgefülltes Beispiel. «Fülle diese Vorlage aus:» plus ein Beispiel mit Dummy-Daten ist präziser als jede Beschreibung.

Für wiederkehrende Aufgaben lohnt es sich, eine kleine Bibliothek von Vorbildern anzulegen. Speichern Sie die Texte, die gut funktioniert haben, als .txt- oder .md-Datei. Dann müssen Sie das Vorbild nicht neu suchen, sondern kopieren es einfach in den nächsten Prompt.

Zum Ausprobieren

Statt zu beschreiben, wie ein Text klingen soll, zeigen Sie der KI ein Beispiel. Ein konkretes Vorbild, also ein früherer Text, eine Vorlage, ein Absatz, ist für ein Sprachmodell präziser als die beste abstrakte Beschreibung. Zeigen ist effizienter als Erklären.

Basel, 7. Juli 2026, Matthias Zehnder mz@matthiaszehnder.ch
Bild: mz/Claude/ChatGPT

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Quellen:

Steuern Sie selbst, statt sich treiben zu lassen. KI-Vorträge für Menschen, die ihre Zukunft selber gestalten wollen.

 

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