So punktet der Papagei – #1: Kontext schlägt Prompt

Publiziert am 30. Juni 2026 von Matthias Zehnder

Das Internet ist voll von Geheimtipps zum Thema Prompten: Prompt-Engineering scheint eine Geheimwissenschaft zu sein. Das mag tatsächlich einmal der Fall gewesen sein: Heute ist das aber nicht mehr so. Wichtiger als die spezifische Formulierung eines Prompts ist der Kontext, der einem Sprachmodell zur Verfügung steht. Wenn sich das Sprachmodell für die Antwort nur auf das gelernte Wissen abstützt, kann die Antwort nie spezifisch sein. Ausschlaggebend für die Qualität der Antwort ist deshalb das Wissen, das ich der KI dafür zur Verfügung stelle. Die erste Folge meiner Sommerserie widme ich deshalb dem Kontext. Wenn Sie diese Tipps anwenden, punktet der «Papagei» – das Sprachmodell, das Sprache verarbeitet, ohne sie wirklich zu verstehen.

In der Sprache bezeichnet Kontext den Text um ein Wort oder einen Satz herum. In der Kommunikation kann Kontext auch die Begleitumstände, den kulturellen Hintergrund oder das Vorwissen bezeichnen. In der Informatik meint Kontext die Daten oder Zustände, die beschreiben, in welcher Umgebung ein Programm ausgeführt wird. Nehmen Sie alle drei Bedeutungsfelder zusammen, dann haben Sie etwa die Bedeutung von Kontext für die KI: Alles, was die KI wissen muss, damit die Antwort präzise und konkret ausfällt.

Die Künstliche Intelligenz arbeitet besser, wenn wir sie mit Kontext versorgen. Aber wie macht man das? Die LLMs sprechen alle Sprachen. Aber ihre Muttersprache ist Markdown: Alle Auszeichnungen und Steuersignale werden dabei inline im Text mitgegeben. Eine wichtige Rolle spielen das Raute-Zeichen (#) für Überschriften und Sterne (**) für Fettdruck. Gliedern Sie deshalb Ihren Kontext mit solchen Zeichen, etwa # für Haupttitel, ## für Zwischenüberschriften und – für Aufzählungen direkt im Prompt-Fenster. Zwar versteht die KI auch unstrukturierte Texte, wenn sie aber zuerst einen Textbrei analysieren muss, verschwendet sie ihre Energie darauf, zu erraten, was die Daten bedeuten. Wenn Sie Ihren Kontext mit Markdown-Signalen gliedern, weiss die KI sofort Bescheid.

Bei komplexen Daten ist es sinnvoll, einen Schritt weiter zu gehen und XML-Tags für die Beschreibung zu verwenden. Mit den spitzen Klammern lassen sich zum Beispiel , , und einfach kennzeichnen. Die KI hat keine Probleme, die Ebenen auseinanderzuhalten und vergisst auch keine Anweisungen.

Als Faustregel gilt: Textmaterial in der Länge von 2 bis 3 Seiten lässt sich problemlos direkt ins Chatfenster kopieren. Strukturierte Daten, lange Berichte, Interviewtranskripte oder ganze Dokumentsammlungen werden besser als Dateien beigelegt. PDFs sind zwar bequem, aber der Text-Extraktor der KI hat oft Mühe mit Tabellen, Spalten-Layouts oder die Seitenzahlen führen zu Fehlern. Ein sauberes Markdown-Dokument ist für die KI immer besser. Am einfachsten speichern Sie die Daten also als .md (Markdown) oder .txt-Dateien.

Ein letzter Hinweis: Geben Sie der KI zuerst die Daten und erst am Schluss die Aufgabe. Wenn Sie der KI viel Text zur Verarbeitung geben, liest sie die Daten von oben nach unten. Anweisungen am Ende werden stärker gewichtet. Platzieren Sie die konkrete Handlungsaufforderung deshalb immer ans Ende des Prompts, also nach dem Kontext. Auf diese Weise ist der Befehl das Letzte, was die KI verarbeitet, bevor sie zu arbeiten beginnt.

Zum Ausprobieren

Die KI ist intelligent und benötigt keine komplizierten Anweisungen mehr. Spezifische Antworten kann sie aber nur generieren, wenn sie über gute Kontextinformationen verfügt. Kontext in Form von Daten, Texten, Zahlen und Hintergrundwissen ist deshalb heute wichtiger als ein ausgefeilter Prompt.

Basel, 30. Juni 2026, Matthias Zehnder mz@matthiaszehnder.ch
Bild: mz/Claude/ChatGPT

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Quellen:

Steuern Sie selbst, statt sich treiben zu lassen. KI-Vorträge für Menschen, die ihre Zukunft selber gestalten wollen.

 

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