Buchtipp

Warum die Welt einfach nicht untergeht

Publiziert am 5. April 2019 von Matthias Zehnder

Den Menschen, sagt Gregg Easterbrook, geht es gut, in den meisten Ländern geht es ihnen so gut wie noch nie. Warum zur Hölle behaupten dann unsere Politiker das Gegenteil? Als Donald Trump 2016 zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde, betrug die Arbeitslosenquote in den USA 4,6 % – so tief war sie schon lange nicht mehr. Die Gehälter der Mittelschicht und die Haushaltseinkommen stiegen. Die amerikanische Wirtschaft war seit 89 aufeinanderfolgenden Monaten gewachsen. In weniger als zehn Jahren waren unterm Strich acht Millionen neue Jobs geschaffen worden. Die US-Industrieproduktion war so hoch wie noch nie. Die Kriminalität – vor allem in der Kategorie Tötungsdelikte – war seit Langem rückläufig. Dennoch konnte Donald Trump seinen Landsleuten einreden, dass das Land vor die Hunde gehe, dass die Städte verelendeten, dass die USA weltweit nur noch den Kürzeren ziehe, ja, dass die USA an einem Tiefpunkt stünden. Ganz ähnlich präsentierte sich die Situation in England, als das Land sich einreden liess, die EU mache es kaputt und deshalb den Brexit beschloss. Was zur Hölle ist da los? Gregg Easterbrook sagt: Die Menschen wollen glauben, dass es ihnen schlecht geht. Ein Grund dürfte das Paradox des Fortschritts sein: Je besser es den Menschen geht, desto stärker sind ihre Verlustängste. Sie leiden also unter der Angst, dass es ihren Lebensstil möglicherweise bald nicht mehr geben werde.

Easterbrook sagt, vor 100 Jahren seien jene Menschen, die über die Zukunft nachdachten, von Optimismus beseelt gewesen. Die Progressiven strebten nach Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit und Freiheit von materieller Armut für alle Männer und Frauen. Dann kam Pessimismus in Mode. Zuerst verbreitete er sich in der akademischen Welt, dann auch in der breiten Öffentlichkeit. Heute herrscht die gängige Meinung vor, dass jeder halbwegs informierte Mensch das Gefühl haben sollte, die Welt sei dem Untergang geweiht.

In diesem Buch will Gregg Easterbrook zeigen, dass trotz all der Ängste, des digitalisierten Geschreis und der nervenaufreibenden Oberflächlichkeit unserer Zeit die Lebensumstände in den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union viel besser sind, als allgemein angenommen wird. Easterbrook zeigt das anhand eines Parforce-Ritts durch die wichtigsten Probleme unseres Planeten. Er erklärt, warum wir nicht verhungern werden. Warum wir (trotz zuweilen schlechten Angewohnheiten) immer länger leben. Warum die Natur sich als erstaunlich resilient erweist. Warum die Wirtschaft nicht zusammenbricht. Warum die Gewalt zurückgeht. Warum Technologie immer sicherer wird. Und schliesslich: Warum Demokratie das politische Zukunftsmodell ist und Diktatoren auf der Welt nicht überhand nehmen.

Und was ist mit der drohenden Klimakatastrophe? Ein lösbares Problem, sagt Easterbrook. Die Wirtschaft wachse längst viel schneller als ihr CO2-Ausstoss. Es sei eine Frage der Zeit, bis mit zusätzlichen Anreizen dafür gesorgt werde, dass der CO2-Ausstoss weiter zurückgehe. Als Schlüssel sieht er dabei eine klug eingerichtete CO2-Steuer, welche dafür sorgt, dass es wirtschaftlich interessant wird, rasch CO2 zu vermeiden.

Gregg Easterbrook mag hie und da etwas gar salopp über Probleme hinwegbügeln – sein Buch gibt uns den nötigen Optimismus zurück, die anstehenden Probleme anzupacken. Denn es geht uns in der Tat so gut wie noch nie in der Geschichte. Pessimismus ist deshalb nicht am Platz.

Gregg Easterbrook: Warum die Welt einfach nicht untergeht. Sieben Endzeitszenarien und wie wir sie abwenden können. Piper Verlag, 464 Seiten, 34.90 Franken; ISBN 978-3-492-05817-9

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Buchtipp zum Wochenkommentar vom 5. April 2019: Vom Umgang mit Polit-Trollen

Eine Übersicht über sämtliche Buchtipps samt Link auf den zugehörigen Wochenkommentar finden Sie hier:

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