Mensch 4.0

Noch nie waren die Menschen so mächtig (oder so selbstbestimmt, um das Wort der Stunde zu wählen): Noch nie standen den Menschen so viel Wissen und so viele Möglichkeiten mit dem sprichwörtlichen Fingertipp zur Verfügung. Kein Zweifel: In früheren Zeiten waren nur die Götter so mächtig. Alexandra Borchardt schreibt deshalb: Steve Jobs hat ordentlich dazu beigetragen, Gott arbeitslos zu machen.

Steuern wir also auf eine Zukunft zu, in der wir alle kleine Götter sind? Wird die Macht im Internet wirklich auf Milliarden autonomer Einzelmenschen verteilt, so, wie es sich die Internetpioniere erträumt haben? Oder sind in Tat und Wahrheit nicht wir Menschen die autonom steuernden, sondern die gesteuerten? Und steuern uns noch Menschen, oder schon Maschinen und Algorithmen? Schütteln Sie nicht den Kopf. Achten Sie mal darauf, wie sehr Ihr eigenes Handy Sie schon im Griff hat, wie zuverlässig Sie auf jeden Ton und jedes grafische Symbol reagieren. Wir leben längst in einer brave new smartphone world. In der digitalen Welt stellt sich die Frage, in wieweit der Mensch einen freien Willen hat, noch einmal ganz neu. Schliesslich ist das Handy längst zu einer Gehirnerweiterung geworden, die uns antreibt, motiviert – und uns überwacht. Es ist ein unglaublich mächtiges Werkzeug – und ein grosser Störefried geworden. Wir sind kaum mehr in der Lage, uns auf ein Gespräch zu konzentrieren. Experten wie die Psychologin Sherry Turkle warnen, dass wir drauf und dran sind, unsere Empathie zu verlieren. Die neue Technik verwandelt uns also in einen neuen Menschen. Alexandra Borchardt nennt ihn Mensch 4.0. In ihrem Buch beschäftigt sie sich damit, wie er sein könnte, dieser Mensch 4.0. Sie trägt dazu Erkenntnisse aus der Psychologie und der Gehirnforschung zusammen, zieht Philosophen, Ingenieure, Soziologen und Politikwissenschaftler zu Rate und reflektiert über Macht und den freien Willen. Sie kommt zum Schluss, dass sie kein verlässliches Bild dieses Menschen 4.0 abgeben kann. Denn noch haben wir die Zukunft und unseren künftigen Umgang mit der Technik in unseren Händen. Noch können wir selbst entscheiden, welche Zukunft wir uns mit der neuen Technik geben wollen. Alexandra Borchardts Buch hilft bei diesem Entscheid auf spannende Art und Weise.

Alexandra Borchardt: Mensch 4.0. Frei bleiben in einer digitalen Welt. Gütersloher Verlagshaus, 256 Seiten, 29.90 Franken; ISBN 978-3-579-08692-7

Erhältlich ist das Buch hier: https://www.biderundtanner.ch/detail/ISBN-9783579086927

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Buchtipp zum Wochenkommentar vom 2. November 2018: Wieviel Macht verträgt das Volk?

Eine Übersicht über sämtliche Buchtipps samt Link auf den zugehörigen Wochenkommentar finden Sie hier:

https://www.matthiaszehnder.ch/category/buchtipp/

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Ein Kommentar zu Mensch 4.0

  1. Ueli Keller sagt:

    Wir stecken mitten in einer digitalen Transformation. Sie ist vor allem ein (a)sozialer Prozess. Mit tiefgreifenden und umfassenden Auswirkungen in sozusagen allen unseren Lebensbereichen. Wie es uns immer deutlicher bewusst wird. Noch wenig ein Thema sind die Auswirkungen, die mit der Nutzung digitaler Medien auf die Denk-, Fühl- und Handlungskompetenz verbunden sein könnten: Vielleicht werden Gehirne mangels vielfältigem Training verkümmern?

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