21 Lektionen für das 21. Jahrhundert

In seinem ersten Buch «Eine kurze Geschichte der Menschheit» befasste sich Yuval Noah Harari mit der Entwicklungsgeschichte des Menschen und fragte danach, wie ein unbedeutender Affe zum Herrscher über den Planeten Erde werden konnte. Sein zweites Buch «Homo Deus» war eine Geschichte der Zukunft: Er dachte darin darüber nach, was es bedeutet, wenn sich Menschen mit Hilfe von Informations- und Biotechnologie optimieren und verbessern und inwiefern sie irgendwann zu Göttern werden könnten.

In seinem neuen Buch widmet sich Harari der Gegenwart: Es geht ihm um die Fragen die uns hier und jetzt beschäftigen. Noch vor wenigen Jahren sah es so aus, als hätte der Liberalismus den Faschismus und den Kommunismus ein für alle mal besiegt. Die Welt schien sich darauf geeinigt zu haben, dass demokratische Politik, das Gewähren von Menschenrechten und die freie Marktwirtschaft die drei wichtigsten Ziele seien. Doch der Liberalismus ist massiv unter Druck gekommen. Nationalismus und autoritäre Politik scheinen wieder die Oberhand zu gewinnen. Und das ausgerechnet jetzt, da die doppelte Revolution in der Informationstechnologie und in der Biotechnologie die Menschheit laut Harari vor die grössten Herausforderungen stellt, mit denen unsere Spezies je konfrontiert war. In «Homo Deus» hat Harari diskutiert, was diese Verschmelzung von Infotech und Biotech langfristig für die Entwicklung des Menschen als Spezies bedeuten könnte. In diesem Buch widmet er sich den unmittelbaren gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Folgen davon.

Harari skizziert dabei in neun Kapiteln zunächst die Herausforderungen, vor denen wir stehen: die technologische Herausforderung, die insbesondere durch die Robotisierung und die künstliche Intelligenz entsteht, und die politische Herausforderung, die darin besteht, dass die Verschmelzung von Informationstechnologie und Biotechnologie die zentralen Werte der Moderne bedroht: Freiheit und Gleichheit. Jede Lösung der technologischen Herausforderung verlangt globale Zusammenarbeit. Doch Nationalismus, Religion und Kultur spalten die Menschheit in feindliche Lager und machen es schwer, auf globaler Ebene zu kooperieren. Im zweiten Teil des Buches untersucht Harari in zwölf Kapiteln ein breites Spektrum potenzieller Antworten auf Probleme, von der überschätzten Bedrohung durch den Terror bis zur unterschätzten Gefahr technologischer Disruption. Harari fragt nach der postfaktischen Welt und danach, ob der Mensch die Welt, die er geschaffen hat, überhaupt noch zu verstehen in der Lage ist.

Man muss mit den Antworten, die Harari gibt, nicht immer einverstanden sein – das Buch ist allein dadurch schon wertvoll, dass Harari die wesentlichen Fragen stellt und so erläutert, dass sie gut verstanden werden. Er stützt sich dabei geradezu wohltuend immer wieder auf Studien, Forschungsresultate und Fakten. Anders als die beiden Vorgängerbücher, die als durchgängige Erzählungen gebaut waren, ist dieses Buch in 21 Lektionen gegliedert, die man auch einzeln lesen kann. Aber Achtung: Harari versteht es, einen mit seinen Fragen hineinzuziehen ins Nachdenken über die Zukunft des Menschen – und die Gegenwart. Seinem Buch muss man deshalb das höchste Kompliment machen, das ein Buch sich verdienen kann: es ist geistig ungemein anregend.

Yuval Noah Harari: 21 Lektionen für das 21. Jahrhundert. C.H. Beck Verlag, 459 Seiten, 36.90 Franken; ISBN 978-3-406-72778-8

Erhältlich ist das Buch hier: https://www.biderundtanner.ch/detail/ISBN-9783406727788

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Buchtipp zum Wochenkommentar vom 26. Oktober 2018: Warum wir eine andere Armee brauchen

Eine Übersicht über sämtliche Buchtipps samt Link auf den zugehörigen Wochenkommentar finden Sie hier:

https://www.matthiaszehnder.ch/category/buchtipp/

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