Daniel Hitzig: «Was nicht ‹trendet›, findet immer weniger statt.»
Das 375. Fragebogeninterview, heute mit Daniel Hitzig, Präsident des Stiftungsrats des Schweizer Presserats. Er sagt, die Digitalisierung habe «vieles, aber nicht alles auf den Kopf gestellt»: Guter Journalismus bleibe guter Journalismus. «Das gilt auch für schlechten.» Trotz Printkrise sei das Medienangebot in der Schweiz nicht kleiner geworden. «Dagegen ist es heute viel stärker nachfragegesteuert als früher. Was nicht ‹trendet›, findet nicht, immer weniger bzw. kaum mehr statt.» Vielerorts gebe es «more of the same»: «Ausserordentliches, Originelles gibt es vor allem noch in Nischen zu entdecken.» Die gedruckte Tageszeitung gebe es wohl nicht mehr lange: «Wenn alle, die mit Print gross geworden sind, weggestorben sind, wird es sich nicht mehr rechnen, Tageszeitungen zu drucken. Dieser Zeitpunkt wird in einer zunehmend durchökonomisierten Welt eher früher als später kommen.» Die Medien will er nicht der KI überlassen: «Journalismus mit überraschenden Zugängen und Fragestellungen wird immer auf Menschen und den Kontakt zu ihnen angewiesen sein. Journalismus, der nur noch rezykliert, was das Web bzw. die KI hergeben, das halte ich für einen Widerspruch in sich.»
Welches Medium darf bei Dir zum Frühstück nie fehlen?
«Heute Morgen» von Radio SRF und die NZZ.
Wie hältst Du es mit Facebook und Instagram, X, Bluesky, Threads und Mastodon, LinkedIn, YouTube und TikTok?
Bei LinkedIn schaue ich regelmässig vorbei, bei X immer seltener, der Rest findet ohne mich statt. YouTube brauche ich nur, um gezielt etwas zu suchen.
Wie hat sich Dein medialer Alltag seit Deinem Berufseinstieg verändert?
Die Digitalisierung hat vieles, aber nicht alles auf den Kopf gestellt. Guter Journalismus bleibt guter Journalismus. Das gilt auch für schlechten.
Heute zählen auch Newsletter zu meinen Informationsquellen, etwa «The Conversation» («Academic rigour, journalistic flair») und ich verfolge Medien bzw. Plattformen, die es nur online gibt: Von «Infosperber» und «Journal21» über die «Republik» und «Tsüri» bis zum «Guardian». Regelmässig lese ich Beiträge bei Substack oder Blogs Einzelner (Sennhausers Filmblog).
Übers Ganze gesehen bleiben die Informationssendungen von Radio SRF meine wichtigste Informationsquelle. Ohne arte würde ich deutlich weniger fernsehen. Die SRF-Tagesschau (oder 1930 auf RTS ) schaue ich damals wie heute, weil ich wissen will, wie eine relative Mehrheit von Menschen hierzulande Land informiert werden.
Wenn Du an die Medien in der Schweiz denkst – war früher alles besser oder schlechter?
Das halte ich für eine unsinnige Entweder-Oder-Frage. Daumen rauf oder Daumen runter? Null oder eins? Zum Glück ist die Welt nicht so, sie besteht nach wie vor aus vielen Grautönen! Und Farbtupfern, selbstverständlich.
Die Medienlandschaft in der Schweiz war vor allem eine ganz andere, was primär der Digitalisierung geschuldet ist. Gefühlt ist das Medienangebot trotz Printkrise nicht kleiner geworden, im Gegenteil. Dagegen ist es heute viel stärker nachfragegesteuert als früher. Was nicht «trendet», findet nicht, immer weniger bzw. kaum mehr statt. Vielerorts gibt es more of the same. Ausserordentliches, Originelles gibt es vor allem noch in Nischen zu entdecken.
Haben geschriebene Worte noch Zukunft?
Selbstverständlich.
Was soll man heute unbedingt lesen?
Ausgewählte Bücher, die einem von Leuten, auf deren Meinung man etwas gibt, empfohlen worden sind.
Kannst Du schlechte Bücher weglegen oder musst Du Bücher zu Ende lesen?
Die meisten, die viel lesen, haben wohl gelernt, schlechte Bücher wegzulegen. Ausser man will seine Zeit vergeuden.
Wo erfährst Du Dinge, von denen Du nicht gewusst hast, dass sie Dich interessieren?
Auf den vielen Kanälen, bei denen ich reinschaue bzw. reinhöre. Siehe oben. Seit einigen Jahren sind Podcasts dazugekommen.
Wie lange gibt es noch gedruckte Tageszeitungen?
Solange es genug Menschen gibt, die bereit sind für das haptische Erlebnis einer gedruckten Zeitung zu bezahlen. Wenn alle, die mit Print gross geworden sind, weggestorben sind, wird es sich nicht mehr rechnen, Tageszeitungen zu drucken. Dieser Zeitpunkt wird in einer zunehmend durchökonomisierten Welt eher früher als später kommen.
Schön, dass es dann weiterhin noch gedruckte Wochenzeitungen wie die «WoZ» oder «Die Zeit» geben wird.
Sind Fake News eine Gefahr – oder eine Chance für die Medien?
Für Medien, die sich keine funktionierenden Kontrollen mehr leisten wollen oder können, sind Fake News eine Gefahr. Für seriöse Medien sind sie eine Chance. Menschen mögen es nicht, angelogen zu werden.
Fake News halte ich vor allem in offenen, demokratisch verfassten Gesellschaften für eine Gefahr. Sie sind ein Störfaktor, der erschreckend schnell an Boden gewonnen hat. Dementsprechend sollten wir schnell einen effektiven regulatorischen Umgang damit finden.
Wie hältst Du es mit linearem (live) Radio und Fernsehen?
Linear und live dabei zu sein, ist für mich nur noch beim Sport, bei Abstimmungen oder Wahlen oder Live-Ereignissen im engeren Sinn zwingend.
Hörst Du Podcasts? Hast Du einen Lieblingspodcast?
Ja, gerne und oft. Eine Auswahl: «Wie war das nochmal?», «Alles gesagt» (beide von der «Zeit»), «Eine Stunde History» (Deutschlandfunk), «Geschichten aus der Geschichte», «SRF Wissen: Geschichte», «Sternstunde Philosophie» (SRF).
Was bedeutet es für die Medien (und die Gesellschaft), dass laut fög 56 % der 16- bis 29-Jährigen zu den News-Deprivierten gehören?
Ich halte das für eine bedenkliche Entwicklung, der unter anderem mit der Vermittlung von Medienkompetenz in Lehrplänen Rechnung getragen werden sollte. Bei der Bereitstellung von Inhalten, welche gezielt jüngere Zielgruppen interessieren, haben die meisten Medien deutlich Luft nach oben.
Tamedia-VR-Präsident Pietro Supino geht davon aus, dass in zehn Jahren zwischen einem Viertel und einem Drittel der Artikel im «Tages-Anzeiger» von Robotern geschrieben werden. Lässt sich Journalismus automatisieren?
Ja, für den Wetterbericht, die Zusammenfassung von Sportereignissen und das Börsengeschehen. Diese Inhalte sollten aber keinen Viertel oder Drittel einer Zeitung ausmachen. Journalismus mit überraschenden Zugängen und Fragestellungen wird immer auf Menschen und den Kontakt zu ihnen angewiesen sein. Journalismus, der nur noch rezykliert, was das Web bzw. die KI hergeben, das halte ich für einen Widerspruch in sich.
Führt die Digitalisierung zum Tod der Medien oder im Gegenteil zur Befreiung des Journalismus?
Ich denke, weder das eine noch das andere trifft zu. Die Digitalisierung zu bekämpfen oder zu verteufeln, bringt so wenig, wie das Heil in ihr zu sehen. Wie sollten uns vor allem und intensiv damit auseinandersetzen, wo die Chancen und wo die Risiken der Digitalisierung liegen. Nicht nur im Journalismus.
Brauchen wir in der Schweiz eine Medienförderung?
Davon bin ich überzeugt. Ohne mir Illusionen darüber zu machen, dass die Aushandlung der Frage, wie genau diese Medienförderung aussehen soll, ein mühsamer politischer Prozess ist.
Schreibst Du manchmal noch von Hand?
Nur um eine Einkaufs- und To-do-Listen zu schreiben.
Ist (oder war) Donald Trump gut oder schlecht für die Medien?
Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten gut, denn Trump sells. Glücklicherweise nutzt sich der Effekt des «fassungslos-und-gebannt-auf-Trump-schauen» zusehends ab. Bei mir auf jeden Fall. The harder they come, the harder they fall. Hoffe ich zumindest.
Wem glaubst Du?
Meinem eigenen Urteil bzw. meinem Misstrauen diesem Urteil gegenüber.
Dein letztes Wort?
Bleiben Sie zuversichtlich!
Für mich hat das etwas Alternativloses.
Daniel Hitzig
Daniel Hitzig hat an der Universität Zürich Geschichte und Publizistik studiert (aber nicht abgeschlossen) und danach das MaZ absolviert. Er war Redaktor und Moderator auf DRS3 («Sounds!») und DRS1 («Persönlich», «Doppelpunkt») sowie Produzent beim Schweizer Fernsehen, hat als IKRK-Delegierter in Jerusalem, Gaza und Bagdad gearbeitet, Filme produziert, am MaZ unterrichtet und den Medienfonds «real21 – die Welt verstehen» mitinitiiert. Seit 2025 ist er Präsident der Stiftung «Schweizer Presserat».
Basel, 04.03.2026, Matthias Zehnder mz@matthiaszehnder.ch
Bild: Daniel Rihs
Seit Ende 2018 sind über 350 Fragebogeninterviews erschienen – eine alphabetische Liste mit allen Namen und Interviews gibt es hier: https://www.matthiaszehnder.ch/aktuell/menschenmedien-die-uebersicht/
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10 Kommentare zu "Daniel Hitzig: «Was nicht ‹trendet›, findet immer weniger statt.»"
Während normale Medien sich und die trendig interessierte Öffentlichkeit unter anderem mit den eigentlich längst altbackenen «Epstein Files» sowie mit neu nicht erklärten und sowohl seltsam, als auch extrem unmenschlich geführten sogenannten Kriegen beschäftigen, scheint zugleich still und heimlich die «Algokratie» mit der Konvergenz von KI, Robotik und Biotechnologie – unter anderem beispielsweise mit Nano-Bots, Humanoiden und autonomen Drohnenschwärmen – rapide voranzuschreiten. Darüber bin ich nicht nur an sich sehr erschrocken, sondern auch, weil all das und noch viel mehr wahrhaftig Relevantes – obwohl es grenzenlos und weltweit stattzufinden scheint – weder bei Journalisten noch bei Politikern zu „trenden“ vermag: vielleicht nach dem Motto „Was wir nicht wissen sollen, wollen wir nicht wissen“?
Tja, Herr U. Keller hat recht. Das was wirklich brennt (die «Algokratie» mit der Konvergenz von KI, Robotik und Biotechnologie – Nano-Bots, Humanoiden und autonomen Drohnenschwärmen) lese ich nirgends. Und wenn dann bei den alternativen Medien (tw. „Schwurbler/Schwurbelnde“ genannt). Wieso nehmen es die etablierten Medien nicht auf? Ah – das ist der „Trend“. Ein schöner Trend – lieber Brot und Spiele, Epstein und der böse Trump (der darin einfach nichts Böses machte) ist die Nebenschauplatz-Ablenkung. Einer Demokratie unwürdig, aber könne die machen. Wenn ich nicht auch noch bezahlen dafür muss (was ich nicht tue). Doch beim öffentlich-rechtlichen-Rundfunk, welcher europaweit auf den Prüfständen steht (ORF, England usw), und welchen ich als grosse Fälscherwerkstatt empfind (vergl. bewusste KI-Manipulationen beim ZDF), bin ich GEZWUNGEN zu zahlen. Das passt mir nicht. Wird sich am Week-End in der CH daran was ändern? Wird die Halbierungs-Initative (200 Fr pro Haushalt) mit einem JA angenommen? Ist dem Volk Zuviel ist zuviel? Die SRG hat ein ja Budget von 1,560 Milliarden (das meiste aus immer mehr Haushalten, da Bevölkerungszunahme + 150‘000 Firmen, der allergröste Teil KMU’s, welche doppelt Privat + in Firma zahlen – obwohl Dachdecker und Strassenbauer während der Arbeit nicht TV schauen), d.h. 3 Millionen täglich verbrauchen, ob jemand zuschaut oder nicht. Bei einem Nein müssen weiterhin noch 80‘000 KMU’s + Firmen Zwangs-Gebühren zahlen. Über 500‘000 Fr. erhält der SRG-Boss. Über 400‘000 Fr die Programmdirektoren (davon gibt es mehrere). 20% mehr verdienen SRG-Angestellte als der Schweizer Durchschnitt. (40 Std. Woche = 110‘000 Fr. Durchschnittslohn.) 15% mehr verdienen Jung-Journalisten bei der SRG; Es gibt 4 Wochen Vaterschaftsurlaub. Und liegen die Schweigereltern – ich betone, die Schwiegereltern – mit Grippe im Bett, können 3 bezahlte Urlaubstage eingezogen werden. Private Verlegen können da nicht mithalten. Bis zum 49 Altersjahr gibt’s bei der SRG 5,5 Wochen Ferien, über 50 gibt’s 6,5 Wochen, über 55 gibt’s 7,5 Wochen Ferien. Logisch machten 2024 SRG-Personalkosten 850 Millionen Fr. aus – 60 Millionen mehr als 2023. Viele Gratis-Text-Bild-Seiten der SRG im Netz, welche die Verleger zu Entlassungen zwingen. 150 Social-Media-Kanäle unterhält die SRG. Im Abstimmungsbüchlein durften die Gegner der Initiative mit 3100 Buchstaben ihr Anliegen vertreten. Die Initianten (JA, 200 Fr sind genug) durften nur mit 1350 Buchstaben ihr Anliegen vertreten. Der Verband Swiss Olympic wird mit Steuergeld finanziert + benutzt dies für seine Nein-Kampagne. Das total steuerfinanzierte Theater Basel stellt Nein-Abstimmungs-Clips ins Netz. Die SRF „Rundschau“ stellt die „200 Fr sind genug“ in den Zusammenhang von „Rechtsaussen“ und „Rechtsextremisten“. SP-Frau Badran darf 3 Wochen vor den Zürcher Wahlen sehr lange in der Late-Night-Show von S. Büsser auftreten. 70% der SRG-Angestellten bezeichnen sich als „links“ (Studie Fachhochschule Winterthur 2025). Das SRG-Studio Basel Abt. Kultur, 300 Mitarbeitende, SRF2 Hörer runter um mehr als ½ – jetzt noch ca. 100‘000 Hörer (nach UKW-Abstellung) haust zur Miete in einem Gebäude von Herzog + De Meuron (Aussenarchitektur), die Büros innen liess die SRG von Star-Innenarchitekten Diner + Diner gestalten (Innenarchitektur), an bester, zentralster, teuerster Lage. Der Architektur-Gartenbereich des „SRG-Campus-Leutschenbach“ gleicht jenem eines Palastes. Die SRG behauptet, man könne nirgens auch nur einen Franken einsparen. Weil wir kleinen Familien als SRG-Melkkühe dienen und höchste Zwangs-Gebühren weltweit zahlen müssen. Doch auch mit 850 Millionen = 2,3 Millionen pro Tag (200 Fr-Initiative) kann die SRG gut + viel Programm machen… Ich habe meinen (selbstbezahlten) Champagner schon kaltgestellt. In den Teppichetagen haben sie ihren (zwangsgebührenfinanzierten) Champagner jedoch wohl auch schon kalt gestellt.
Richtungsweisender Entscheid, den wohl alle „Medien-Menschen“ hier nicht kalt lässt, gut ist bald der 8. März, dann wissen wir mehr….
Tja, was soll man dazu sagen? Ich habe schon lange den Eindruck, bei Herrn Zweidler könnte so etwas wie ein Neid-Komplex vorliegen: Alle SRG- bzw. SRF-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter (von denen die Mehrheit keine Journalisten sind) im Sonnenschein, Italien-Korrespondent Franco Battel liest sogar im Strassencafé zum Cappuccino seine Zeitungen… während die Schweizer Gebührenzahlenden vor den Kaffeeautomaten Schlange stehen müssen (Kommentar Zweidler zum Porträt Battel am 09.07.2025). Offensichtlich hat Herr Zweidler noch nie in einem Grossraumbüro gearbeitet, sonst wüsste er, dass man dort nicht einmal ein Fenster öffnen kann.
Ach ja, KI und Robotik und ähnliche Themen: Die sind durchaus in den etablierten Medien zu finden, ohne alternatives Geschwurbel. Es sind aber nicht die „viele[n] Gratis-Text-Bild-Seiten der SRG im Netz, welche die Verleger zu Entlassungen zwingen“, Herrn Zweidlers Wahrheitskeule hat da leider Löcher: Der Tages-Anzeiger entlässt Journalisten, weil die TX Group ihren Aktionären eine höhere Dividende spendieren will. Trotzdem finden sich sowohl in der NZZ wie auch im Tages-Anzeiger und in deutschen Tageszeitungen kritische Beiträge zu Desinformation, zu KI und vor allem zu den hinter ihr stehenden Tech-Firmen und Personen. Wem das nicht reicht, findet sehr viel mehr Material bei heise online. Bei der Abstimmung übermorgen geht es also um wesentlich mehr als um die Frage, wieviel Rappen Herr Zweidler pro Tag mehr oder weniger für die SRG bezahlen muss.
Hallo Herr Streiter, seit vielen Jahrzehnten „konsumiere“ ich täglich die Tagesschau der SRG. In den letzten Jahren allerdings vor allem, weil ich checken will, von welchen Wahrheiten unser (Staats-)Fernsehen nicht berichtet. Und dies möglicherweise deshalb nicht, weil es für die wahrhaftig Mächtigen – und das sind ja beiliebe nicht die aufwändig demokratisch gewählten Politiker von hüben und drüben – zu heikel wäre.
An Hr. Streiter: Die Quelle meines Kommentars (Ferien, Lohn, Schwiegermutter) ist die Zeitung „Standpunkt“ – sie ist die Zeitung der Wirtschaftskammer, Baselland dem Gewerbeorgan für das Gewerbe in Baselland, welches mit harten Bandagen im Berufsalltag kämpft.
Also für die Zahlenden, welche solche Grosszügikeiten finanzieren müssen und ihren Angestellten, und schon gar nicht sich selbst, nicht bieten können.
Die Nein-Argumente für die Halbierungsinitative findet man im Kulturkuchen, Musik, Theater, Filmemacher (Basler Filmemacher zu 95% von SRG abhängig) usw… Kurz von den Nehmenden. Das Gegenteil von den Zahlenden also. Das Wort Profiteuere liess ich aus.
Es geht wir immer ums Geld. Denn anscheinend ist Nehmen seliger wie Geben.
Nein, es geht nicht um Geben und Nehmen – es geht schlicht um Wegnehmen. Einfach der SRG Einnahmen wegnehmen. Bundesrat Rösti hat das ja auf dem Verordnungsweg schon vorgemacht, ohne inhaltliche Diskussion. Die Bevölkerung in „Gebende“ (Zweidler: „Zahlende“) und „Nehmende“ aufzuteilen, erscheint mir höchst problematisch: Das geht in Richtung „lebenswert“ und „lebensunwert“, das hatten wir schon einmal in Europa – das nenne ich rechtsextrem. Übrigens GEBEN auch Schauspieler und Musiker! Auf einer anderen Ebene sehr schön dargestellt im Kinderbuch „Frederick“ von Leo Lionni. Herrn Kellers „wahrhaft Mächtige“ sind ja wohl die Herren Peter Thiel und Alex Karp, das sind bekennende Antidemokraten, die überzeugt sind, dass sie nicht einmal „geben“ müssten. Oder habe ich da etwas falsch verstanden?
Wir wissen nicht, welche Mächte tatsächlich am Werk sind. Nur eines können wir – wenn wir es wollen – gewiss wissen: Es sind ganz bestimmt nicht die, deren Gesichter wir auf den Bildschirmen und in den normalen Medien sehen.
An Hr. Streiter: So schnell geht es. Man lernt von ARD und ZDF schnell beim konsumieren.
Ist etwas nicht genehm = ist es rechtsextrem
(oder man wird als „krank“ betitelt / kennen wir doch aus braunen Zeiten…)
Es gibt so etwas wie eine Medien-Datenbank, in der alle Zeitungs-Artikel der Schweiz gespeichert sind und in der man auch nach Stichworten suchen kann: Der Begriff „Rechtesextrem“ kommt 1001 x vor – der Begriff „Linksextreme“ etwa 3 x (dort wird verharmlosend oft von „Linksaktivisten“ gesprochen / von „Rechtsaktivisten“ habe ich nie gehört / 0 Treffer. So ticken unsere Medien.)
Diese Woche in einer Zeitung Basels: 3 Filmemacher zittern: Ohne SRG fallen 95% der Einnahmen weg. Diese Filmer bangen um die Existenz. Sie produzieren Schauspielfilme aus Basel. Von denen man nie etwas hört. Kommen nicht am TV. Haben aber Vollsubvention.
Irgendwann hörts auf: Ich würde malen. Bilder. Niemand will sie, niemand braucht sie, niemand kauft sie. Doch ich bekomme 95% für mein „Schaffen“ aus Subventionen. Welch ein Affront gegenüber den Werkstätigen, Selbstständigen. Und würde mich das beglücken? Wenn man ehrlich zu sich selbst sein kann….
Der Journalist St. Millius zeigte ein Fragebogen für die Filmförderung bei SRG. Es geht kaum mehr um die Story. Dafür Fragen wie: Wieviele quere Personen spielen mit. Wieviel ausländische Personen. Wieviel behinderte Personen. Was kommen für gesellschaftsproblematische Fragen vor. Es geht aber noch weiter: Wieviel Frauen und Quere hinter der Kamera (Set-up). Wieviele ausländische Mitarbeiter hinter der Kamera. Wieviel Behinderte und und und…
Kreuzt man, so Millius, alles „richtig“ an, fliesst das Geld. Ansonsten nicht. SO geht Filmförderung NICHT finde ich und die „Nebelspalter“-Leserschaft. Unisono fragt man: Wo bleibt die Normalität… Sie ist verloren…
Hallo Herr Zweidler, bleben Sie doch bitte bei den Fakten.
Die SMD verzeichnet in den letzten 6 Monaten 8398 Treffer für rechtsextrem und 2290 Treffer für linksextrem. Grund: Berichterstattung über die Verfahren gegen die AfD in Deutschland und (ob Sie es wahrhaben wollen oder nicht) deutliche Zunahme von rechtsextremer Gewalt.
Filme: Die SRG ist an der Produktion von über 140 Schweizer Filmen, Serien und Dokumentationen pro Jahr beteiligt und investiert jährlich CHF 34 Millionen als Koproduzentin. Wir reden da von Filmen wie «Die göttliche Ordnung» oder «Die Heldin». Ohne SRG gäbe es nur ein Bruchteil der Schweizer Filme.
Die SRG «subventioniert» die Filme nicht (schon gar nicht «Vollsubvention»), es handelt sich um Koproduktionen. Kein Geld à fond perdu, sondern Produktionsmittel.
Eine Halbierung der SRG würde zu weniger Filmen, weniger Musik etc. aus der Schweiz führen. Vielleicht ist das ja Ihr Ziel: Mehr Ausland, weniger Schweiz? Anders kann ich mir Ihr Engagement für diese unpatriotische und unschweizerische Initiative nicht erklären …
Bringen wir die SRG-Debatte zum Abschluss. Die Abstimmung, welche mit einer Niederlage für die „200 Fr sind genug SRG-Medien-Gebühren“ endete, ist Anlass dazu. Ich empfinde den Deal zwischen der SRG SSR und dem Verlegerverband SCHWEIZER MEDIEN (VSM) als „schwierig“ (nicht als „schmierig“ wie Lukas Hässig vom Online-Medium „Inside Paradeplatz“). Da wurden Abkommen zwischen den priv. Medien und der SRG getroffen, also zwischen „Allen“. Es wurden den Verlegern „Zückerchen“ versprochen, wie dass die SRG ihre Online-Texte begrenzt, das SRG teilweise Hinweise zu priv. Verlegern verlinkt und gem. gegen KI-Anbieter usw. vorgegangen wird, u.v.m.
Das Resultat sahen wir: In den priv. Medien keine laute Kritik an der SRG. F. Benini stichelte zwar, aber schlussendlich setzte er sich in Kommentaren gegen die Halbierungsinitiative ein.
Das ist doch beängstigend. Meinungs-Einfalt, da Deal, anstelle Vielfalt. Mainstream-Tagi Ringier CH-Media + SRG in Einstimmigkeit. Im Liftbau würde man von Kartell sprechen (kam dort mal vor).
Ist das die Zukunft unserer Demokratie? Unserer Medien-Demokratie? Fragen die einem nicht kalt lassen (sollten)….
So oder so: Die SRG unter Fr. Wille hat gewonnen. Sollte für Fr. Wille nicht über eine kleine Lohnerhöhung nachgedacht werden? Und: Wäre die Initiative wohl mit „20 Fr. sind genug“ (anstelle der 200 Fr) angenommen worden….
In der Schweiz kann weiter so viel und mehr geglubscht werden – bis die Augen viereckig werden.