KI-Denkfehler 23: KI ist mein Assistent

Publiziert am 23. Dezember 2025 von Matthias Zehnder

Schönes Bild, aber falsch. Ein Assistent ist eine Person, die einer anderen Person bei ihrer Arbeit hilft und sie dabei unterstützt. Das ist in zweifacher Hinsicht falsch: Weder ist die KI eine Person, noch ist es ihr Ziel, dir zu helfen. KI ist kein Assistent, sondern eher ein supereifriger, aber maschineller Diener. Die KI widerspricht nicht, hinterfragt nicht und denkt nicht mit. Die KI tut, was du sagst. Im Guten wie im Schlechten. Genau das macht sie so nützlich. Gefährlich wird es, wenn du vergisst, dass du am Steuer sitzt. Denn keine KI übernimmt Verantwortung für das, was sie tut.

1. Aspekt: Wir unterschieben der KI Absichten

Wir alle neigen dazu, unsere Umwelt zu vermenschlichen, vom frechen Hauskater bis zum knuffeligen Fiat. Apple hat sich diesen Effekt früh zu eigen gemacht und das Mac-OS mit einem lächelnden Gesicht versehen. Seit der Computer Antwort gibt, ist der Effekt der Vermenschlichung noch viel stärker geworden. Und das nicht erst, seit es die KI gibt: Schon Eliza, das erste Chatprogramm der Welt von 1966, führte zu «intimen» Beziehungen. Obwohl es sich nur um ein simples Skript handelte, waren die Eliza-Benutzer überzeugt, dass sie endlich ein verständiges Gegenüber gefunden hatten. Seither heisst diese Vermenschlichung des Computers Eliza-Effekt.

Der Effekt ist bei der KI besonders stark. Die KI scheint uns zu verstehen, sie hat unendlich viel Geduld und lobt auch noch ständig unsere Eingaben. Wir unterstellen der KI deshalb Menschlichkeit und Absichten, obwohl im Hintergrund nur Parameter ticken.

2. Aspekt: Ein Assistent hat einen Willen, KI hat einen Auftrag

Menschliche Assistenten wollen. Sie wollen arbeiten, wollen nützlich sein, wollen sich anstrengen. Oder sie wollen sich amüsieren, wollen dir ein Schnippchen oder sich in die Büsche schlagen. Kommt drauf an. Immerhin: Da ist jemand zu Hause, den wir mit Lob oder Schimpfen ansprechen und motivieren können.

Eine KI hat keinen Willen, sondern einen Auftrag: Umsatz und Ertrag der KI-Firma verbessern. Dafür ist sie dir zu Diensten. Oder auch nicht. Mit einer KI zu schimpfen, nützt rein gar nichts.

3. Aspekt: Wer steuert wen?

Wer die KI als Assistenten bezeichnet, glaubt daran, dass die KI für ihn arbeitet. Dafür sind Assistenten schliesslich da. Sie sollen entlasten, proaktiv zur Lösung von Problemen beitragen und für Effizienz in den Abläufen sorgen.

Die KI fügt sich nur in diese Assistenzaufgaben, wenn du ihr präzise Anweisungen gibst und sie prüfst und korrigierst. Das kann mitunter ganz schön anstrengend sein, weil es nur funktioniert, wenn man genau weiss, was man von der KI will. Wer vergisst, dass er das Steuer in der Hand halten muss, gibt Verantwortung an etwas ab, das keine tragen kann.

Fazit

Die Assistenten-Metapher ist bequem, aber irreführend. KI ist ein Werkzeug, kein Partner. Sie lässt uns vergessen, dass wir die Steuernden sind und bleiben müssen.


Praxistipp
Behandle die KI wie einen Praktikanten an seinem ersten Arbeitstag: Der ist motiviert und schnell, aber es fehlt ihm an Vorwissen, Kontext und Urteilsvermögen. Konkret heisst das für den Umgang mit der KI:

  1. Formuliere klare Aufträge mit Rahmenbedingungen (Ziel, Zielgruppe, Tonalität, Umfang).
  2. Lass die KI dir Rückfragen stellen, bevor sie loslegt.
  3. Fordere Zwischenschritte ein.
  4. Überprüf die Ergebnisse, notfalls mit einer anderen KI.
  5. Sei dir bewusst, dass du und nur du die Verantwortung dafür trägst.

23.12.2025, Matthias Zehnder mz@matthiaszehnder.ch

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Bild: ma – stock.adobe.com

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Ein Kommentar zu "KI-Denkfehler 23: KI ist mein Assistent"

  1. „Denn keine KI übernimmt Verantwortung für das, was sie tut.“ So wie es auch wahrhaftig und wirklich Mächtige nicht tun. Oder wie es bereits Theodore Roosevelt gesagt hat: „Hinter der sichtbaren Regierung sitzt auf dem Thron eine unsichtbare Regierung, die dem Volk keine Treue schuldet und keine Verantwortlichkeit anerkennt. Diese unsichtbare Regierung zu vernichten, den gottlosen Bund zwischen korruptem Geschäft und korrupter Politik zu lösen, das ist die Aufgabe des Staatsmannes.“ Davon scheint leider auch beispielsweise der Schweizer Bundesrat weit entfernt.

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