Werdet wie die Kinder, nicht wie die KI

Publiziert am 26. Dezember 2025 von Matthias Zehnder

Auf der Strasse begegnen mir manchmal diese Instagram-Gesichter: übermässig vergrösserte Lippen, scharf modellierte Wangenknochen, ein klar definiertes Kinn, übervolle Wangen. Auf dem Handybildschirm mag das gut aussehen, weil die Handykamera mit einem Weitwinkel-Objektiv filmt und das Gesicht verzerrt. In der Realität wirkt es nur lächerlich. So verzerrt, wie diese Gesichter aussehen, klingen mittlerweile viele Texte auf LinkedIn und auch so mancher Zeitungstext: voller grossspuriger Floskeln, voller gewichtiger Kürzestsätze ohne viel Inhalt – aber mit vielen Gedankenstrichen. Das ist der ChatGPT-Stil. Verrückt ist dabei, dass das kein zuverlässiges Zeichen mehr dafür ist, dass hier die KI am Werk war. Mittlerweile haben sich Menschen den KI-Stil zu eigen gemacht: Sie schreiben auch ohne KI wie die KI. Das Instagram-Gesicht und die KI-Sprache sind zwei Beispiele dafür, wie wir uns der Technik anpassen, statt umgekehrt auf unserer Menschlichkeit zu beharren. Mein Aufruf zum Jahresende lautet deshalb: Werdet wie die Kinder, nicht wie die KI.

Stellen Sie sich eine Wohnung vor mit gemusterten Vintage-Tapeten, Holzmöbeln und getrockneten Blumen in Porzellanvasen. Es dominieren Salbeigrün, Sandbeige und ein gedämpftes Blau. Die Wohnung strahlt funktionale Gemütlichkeit aus, eine Mischung aus rustikalem Charme und modernem Design. Die Sitzmöbel sind ergonomisch, die Betten komfortabel. Smarte Aufbewahrungssysteme sorgen für Ordnung. Das WLAN ist schnell, im Wohnzimmer steht ein Smart-TV. Wer wohnt hier?

 

Niemand: Es sind Kennzeichen einer Airbnb-Ästhetik. Typisch sind etwa weisse Wände, Monstera-Pflanzen mit geschlitzten Blättern und Rattan-Stühle. Die Airbnb-Ästhetik hat Wohnungen weltweit angeglichen: Menschen richten ihre Räume nach dem ein, was auf Plattformen gut performt. Der amerikanische Designer Danni Kaplan schreibt, bei Kurzzeitvermietungen gehe es nicht nur darum, einen Platz zum Schlafen zu bieten, sondern auch darum, Erlebnisse zu schaffen. Er berät deshalb seine Kunden, wie sie ihr Airbnb mit «Instagram-tauglicher Ästhetik und funktionalem Design aufwerten können, von dem Ihre Gäste schwärmen werden».

Wichtig ist, dass es dem Algorithmus gefällt.

Danni Kaplan sagt freimütig, auf was es ankommt: «Der erste Eindruck ist entscheidend», schreibt er und rät: «Investieren Sie in auffällige Einrichtungsgegenstände: Ein farbenfrohes Sofa, eine auffällige Tapete oder ein überdimensionales Kunstwerk können zum Markenzeichen Ihres Raums werden.» Das Design einer Wohnung müsse eine Geschichte erzählen: «Gäste fühlen sich zu Airbnbs mit Persönlichkeit und einem Gefühl für den Ort hingezogen.» Am Meer könne etwa eine Surfbrett-Dekoration, in den Bergen ein rustikales Holzelement eine «tiefere Verbindung zu Reisenden» schaffen. Er warnt aber: «Übertreiben Sie es nicht – Ausgewogenheit ist wichtig.» Die Gäste wünschten sich eine heimelige Atmosphäre, keinen überladenen Raum. «Entscheiden Sie sich für ausgewählte Akzente, die den Standort und das Thema widerspiegeln, ohne zu überwältigen.»

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Der Lohn für die Mühe: Viele Sterne in den Reviews und eine gute Performance auf der Plattform. Die Anleitungen machen klar: Wichtig ist, dass die Wohnung dem Algorithmus gefällt. Dem Algorithmus von Airbnb. Die Airbnb-Ästhetik ist damit ein gutes Beispiel für die Konvergenz des Menschen zur Maschine hin: unsere Gesichter, unsere Sprache, unsere Wohnungen gleichen sich dem an, was der Algorithmus, die KI und damit die Maschine gut findet.

TikTok-Gesten, Podcast-Ton, YouTube-Stil

TikTok hat einen erkennbaren Gestenstil hervorgebracht: diese übertriebenen Reaktionen, das synchrone Kopfnicken, die choreografierten Handbewegungen. Menschen lernen nicht voneinander, sondern vom Algorithmus, der bestimmte Bewegungsmuster belohnt.  Der «Podcast-Bro»-Ton ist inzwischen so uniform, dass man die Sprecher kaum mehr voneinander unterscheiden kann. Und zwar nicht nur in den Podcasts, sondern auch im Pub und im Freundeskreis. Ähnlich der aufgesetzte Enthusiasmus von YouTube-Intros: Zu laut, zu superlativ, zu selbstbewusst. Und längst nicht mehr nur auf  YouTube zu hören: Die Plattform formt die Art, wie die Menschen sprechen.

Das Muster: Überall dort, wo ein algorithmisches System zählbar Feedback gibt, passen sich die Menschen dem System an. Beim Feedback kann es sich um Likes, Herzchen und Sterne handeln, oder schlicht um harte Zahlen: Views, Klicks, Reichweite. Auf jeder Plattform bilden sich Muster für erfolgreiche Inhalte. Die Menschen merken schnell, was die Algorithmen belohnen, und passen ihre Inhalte daran an.

Algorithmen formen die Musik

Spotify zum Beispiel belohnt Songs, die in den ersten Sekunden packen und kurz sind. Hip-Hop-Songs werden sich deshalb immer ähnlicher. Studien zeigen, dass die Musik auf der Streamingplattform homogener und generischer geworden ist. Nun ist es nicht neu, dass die Technik einen Einfluss auf den Inhalt hat. Der Massstab für Musikstücke war lange die Schallplatte: Die Technik hat begrenzt, wie lange ein Lied sein darf und wie viele Stücke ein Album enthält. Der Einfluss des Algorithmus geht weit darüber hinaus: Er belohnt eine bestimmte Musik-Ästhetik.

So, wie Instagram ein bestimmte Bildästhetik belohnt. Es sind Bilder, die auf einem kleinen Handybildschirm gut funktionieren. Die Farben sind klar, das Motiv gestochen scharf, meist nach simplen Gestaltungsregeln wie dem goldenen Schnitt komponiert. Oft zieht sich eine Farbe über mehrere Bilder hinweg. Vor allem müssen die Bilder im Briefmarkenformat schnell lesbar sein und zwar auch für Menschen mit der Aufmerksamkeitsspanne eines erkälteten Goldfischs.

Ästhetik der Algorithmen in der Realität

Der Algorithmus von Instagram belohnt diese Bilder. Die logische Folge: Wer auf Instagram performen will, richtet sich nach dem Algorithmus. Doch dabei bleibt es nicht: So, wie die Sprechweise von YouTubern sich über die Videos hinaus auf die Realität ausbreitet, macht sich die Instagram-Ästhetik in unserer Realität breit. Auf Fotos und Bildern, aber auch in Hotels und Museen. Sie richten sich so ein, dass sie möglichst instagrammable sind: Visuell ansprechend, fotogen, aber auch etwas simpel und knallig.

Als Merkmale für Instagrammability gelten kräftige Farben, interessante Muster und stimmungsvolles Licht, einzigartige Dekorationen, ungewöhnliche Perspektiven und «Elemente, die Emotionen wecken». Was immer das heisst. Deshalb ist der Cocktail bunt, das Dessert aufwändig dekoriert und der Kaffee trägt ein Schaumherzchen. Sorry: der Matcha Latte natürlich. In den Museen verkommen Ausstellungen zur Event-Kulisse, man kleidet sich in klare Farben und meidet Fischgräte-Muster, das kommt nicht gut im Clip.

Buzzword-Bingo in der Sprache

Ähnliche Beobachtungen mache ich in der Sprache. ChatGPT und Konsorten haben zu einem Botox-Deutsch geführt, das immer etwas aufgespritzt wirkt. Das kann auch daran liegen, dass die KI ursprünglich auf Englisch ausgerichtet ist. Es wimmelt von Wörtern wie «revolutionieren» oder «optimieren». Man könnte Buzzword-Bingo spielen. Die Texte klingen auf den ersten Blick fantastisch, sind aber voller Floskeln und bedeuten oft rein gar nichts. Sie zerfallen in kurze Absätze und die Sätze darin in Gegensätze mit Gedankenstrichen. ChatGPT würde wohl sagen: Optimiert – aber ein Echo der Daten.

Verrückt ist, dass immer mehr Menschen genau so schreiben und manchmal sogar sprechen. Es ist für mich das schmerzhafteste Beispiel dafür, wie sich der Mensch der Maschine angleicht. Statt den Algorithmen unsere Menschlichkeit zwischen die Beine zu schleudern, verwandeln wir uns alle in Automaten. Wir schreiben wie ChatGPT, sprechen wie YouTuber, kochen für Instagram und wohnen in Airbnb-optimierten Wohnungen. Yikes!

Die Römer machten Seeschlachten zu Landkämpfen

Beim Nachdenken darüber, wie die Menschen sich den Maschinen angleichen, sind mir die Römer eingefallen. Die alten Römer. Genauer: Ihre Taktik im Krieg gegen Karthago. 264 vor Christus war Karthago die starke Seemacht im Mittelmeer. Die Römer dagegen waren unerfahren auf See: Sie waren Landratten. Im Seekampf gegen Karthago hatten sie wenig zu melden. Aber an Land waren die Heere Roms unschlagbar. Also erfanden sie die Enterbrücke «Corvus» und verwandelten die Seegefechte in Landschlachten.

«Corvus» heisst Rabe. Ein Corvus war eine Holzbrücke mit einem Eisensporn am Ende, der an einen Rabenschnabel erinnerte. Wenn eine römische Galeere nahe genug an ein Karthagisches Schlachtschiff herankam, liessen die Römer die Brücke auf das Deck des feindlichen Schiffs krachen. Der Rabenschnabel bohrte sich in die Holzplanken der karthagischen Schiffe, so waren sie fest miteinander verbunden. Römische Legionäre stürmten über die Brücke und kämpften auf den Schiffen mit Schwert und Schild wie an Land.

Wir legen den Römern die Brücke selbst

Die Römer wussten, dass sie gegen die Karthager zur See keine Chance hatten. Mit der Enterbrücke waren sie in der Lage, die Seeschlachten in Landkämpfe zu verwandeln. Daran erinnert mich die Art und Weise, wie wir Menschen heute mit der KI umgehen. Nur sind wir so dumm, unsere Waffen freiwillig zu strecken: Wir legen den Römern gleich selbst eine Brücke und begeben uns freiwillig auf das Terrain der Rechner und der KI.

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Ganz neu ist das nicht: Excel beherrscht die Welt seit Jahren. Wir haben so viele Sinne, mit denen wir die Welt wahrnehmen könnten, und haben doch aufgehört, an sie zu glauben. Stattdessen überlassen wir die Wahrheit dem, was sich zählen und messen lässt. Es ist ein Kampf, den wir nur verlieren können, wie die Karthager die Landschlacht gegen die römischen Legionäre auf ihren Schiffen. Und jetzt also auch noch die Angleichung an die Algorithmen. TikTok-Gesten, Podcast-Ton, YouTube-Stil. Haben wir uns schon aufgegeben?

Kinder sind das Gegenteil von Algorithmen

Das Gegenteil eines Algorithmus, der die Welt kalt berechnend in stählerne Vorhersehbarkeit packt, ist ein unbefangenes Kind: direkt, naiv, emotional. Anders gesagt: ein purer Mensch. Mein Aufruf zum Jahresende lautet deshalb: Werden Sie wie die Kinder! Lernen Sie die Welt wieder fühlen, staunen Sie, reden Sie, wie Ihr Herz schlägt, auch wenn es manchmal stolpert. Setzen Sie die Segel und lassen Sie sich vom Wind davontragen, weit weg von den Landebrücken der Römer, über die kalt kalkulierende Algorithmen in unsere Herzen und unsere Gehirne eindringen. Wir Menschen haben im Rechnen und Kalkulieren so wenig Chancen gegen die Maschine wie die Karthager im Landkampf gegen die Römer. Machen wir also das Gegenteil: Feiern wir das, was uns als Menschen ausmacht. Empfindung und Empathie. Zeigen Sie dem Algorithmus die kalte Schulter. Stolpern Sie. Auch schief ist schön. Verzichten Sie auf das Optimieren.

Das heisst konkret: Achten Sie auf die Spuren der Algorithmen im Alltag. Werden Sie sich der Landebrücken der Rechner bewusst. Fragen Sie nicht immer zuerst ChatGPT: Denken und schreiben Sie ohne Stützräder. Freuen Sie sich über die Falten in Ihrem Gesicht und die Fehler im Foto. Nehmen Sie Kontakt auf mit anderen Menschen. Analog, mit ihren eigenen Augen und Ohren und Händen. Und verzichten Sie auf Buzzwords. Kinder merken sofort, ob wir echt sind. Wetten?

Basel, 26.12.2025, Matthias Zehnder mz@matthiaszehnder.ch

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Quellen:

Bild: Andrea und Sandra aus Ennetmoos im Kanton Nidwalden geniessen die Weihnachsferien. . (KEYSTONE/Urs Flüeler)

Kullick, Paul Niklas; Petry, Johannes (2025): From Adorno to 50 Cent: Financialized platform capitalism, Spotify, and the culture industry in the twenty-first century, in: Finance and Society, 2025, S. 1–25, https://www.cambridge.org/core/product/identifier/S2059599925100150/type/journal_article [24.12.2025].

The Airbnb Aesthetic: Designing Spaces That Earn 5-Star Reviews, in: Everything Creative Designs | Luxury Home Staging & Interior Design, 2025, https://www.everythingcreativedesigns.com/ecd-news/2025/1/22/the-airbnb-aesthetic-designing-spaces-that-earn-5-star-reviews [24.12.2025].

Studie zu Hip-Hop und Spotify – Streaming macht Musik immer mehr zu Einheitsbrei, in: Schweizer Radio und Fernsehen (SRF), 2025, https://www.srf.ch/radio-srf-3/musik/studie-zu-hip-hop-und-spotify-streaming-macht-musik-immer-mehr-zu-einheitsbrei [24.12.2025].

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6 Kommentare zu "Werdet wie die Kinder, nicht wie die KI"

    1. Antwort:
      Wenn man so in die Regierungen schaut, in die Deutsche, die Französische, meint man „Kinder“ sind am Werk. Im Negativen. Kindsköpfe. Täubeln. Streiten. Sprechen nicht miteinander. Mobben. Und kreischen im Plenarsaal.
      Deshalb: Wo sind die seriösen, gereiften Menschen welche ein Land leiten und begleiten können. Wo sind die Kohl’s welche vorausschauend und mit gerader Linie führen, die Schröder’s welche mit gelungener Arbeitsmarktreform den Abwärtstrend kehrten und wo die Walter Scheel’s, welche zuerst ans eigene Land denken (und dann an all die andern)?
      Die Kinder im Zehnder’schen Sinne sind voller Posivität. Gesund. Sportlich. Hellwach. Vital. Stabil in Seele und Muskeln…. Das war einmal.
      U. Keller sieht es genau richtig:
      Hütet uns vor den heutigen Kindern, welche zu kampf- und kriegstauglichen „Menschen“ erzogen werden. WERDEN MÜSSEN. Auch wir wollten unseren Sohn ehrenwert erziehen. Schickten ihn sogar in eine alternative Schule. Doch mit den hehren Absichten kamen WIR nicht weit. So ab der 3. Klasse stellte sich heraus: ER aber auch nicht. Nur zu gut höre ich auf dem Spielplatz eine (alternative) Mutter zu ihrem Zögling kreischen: „Wehr dich, schlag zu, weiter, stärker, mehr“. Nach dem ersten Schaudern verstand ich ihre Haltung: Sie wollte nicht das der eigene Nachwuchs unterliegt, unter die Räder kam. Im jetzt nicht und nicht im späteren Leben. Was Hänschen auf der Hüpfburg nicht lehrt – lehrt Hans in der Geschäftsleitung (Fernziel) wohl auch nicht mehr – dachte die Alternative….
      Natürlich tönte es dann am „Haltungs“-Elternabend, am „Peace“-Elternabend und am „Ehrenkodex“-Elternabend ganz anders. Erst nach traurigen Mobbing-Wochen mussten und wollten wir einsehen: „Lass die Fäuste sprechen, die Ellenbogen“ – gibs ihm und „Hau rein“ (gängige Verabschiedung der Jetzt-Zeit in D bei Talahons und Jugend) und wir als Eltern können zum Überflug-Erfolg des Sohnemanns beitragen: Überhöhe dein Kind beim Lehrer/in mit Geschenken. Wie alle andern. Honigtöpfe, Kräutersets, Bio-Badesalze wechselten bei jeder Lehrerbegegnung die Besitzer. Ständig. Und von allen. Dachach besserte es: ER wurde nicht mehr gemobbt, RESPEKT durch weisse oder schwarze (ist mir entfallen) KAMPFkunst – Gürtel, bei dem es alle Eltern nur ums Kämpfen (Verteidigen, Hauen, Schlagen) ging und kaum/nie um die „Kunst“…
      Tempi-passati…. Gottseidank. Denn diese Realität war schrecklich. (Das in dieser alternativen Welt noch grössere Zuwendungen an die Leitung wie meine Garten-Radieschen flossen, erfuhr ich gottlob erst später: Ganze Ferien wurden den Lernpersonen gesponsert, ganze Garnituren an Schulbänken und Schultischen, ganze Orchester wurden Ausgestattet – erfuhr ich erst kürzlich – mein Herz dankte es….)
      So gesehen sind ja unsere Gesellschaftlichen Führer schon wie Kinder. Kinder der heutigen Zeit. Und müssen es gar nicht mehr werden.
      Die Schulen sind jetzt, 15 Jahre später, noch mehr zu Kampfzonen geworden, denn „Kinder können grausam sein“ (Liedtext). Zu Todeszonen. Das Phänomen „Absenzen“ (Fernbleiben von den Schulen) nicht wegen Faulheit, sondern aus purer Angst, Existenzangst, Überlebensangt (total verständlich) nimmt zu. Wird mit grossen Fragezeichen in den Medien herumgeschleift wo Eltie- „Experten“ mit Blockfötengesichtern ratlos dreinschauen….
      Denn Security Hilfe (Berlin – Schulhöfe / Klein – Basel Schulwege) nützt nichts. Zu gross ist das Drohen, Ungewisse, Gefährliche. Das Abschalten der Brunnenanlagen wegen Ertränken der schwachen Mitschüler ist Pflästerlipolitik. Die „Mutproben“ wie „Stehle eine Ghetto-Box im Interdiscount“ …sonst…. stechen wir dich ab ….rühren mich zu Tränen, und die Ladendedetive drücken bei solchen Mafia-Erpressten Jungen oft beide Augen zu (dito Media-Markt Bahnhof Basel SBB). Die Scheren und Teppichmesser werden nur noch nach Registrierung freigegeben und liegen nicht mehr offen rum. Die Lehrer stehen hilflos da, sind keine 24/7 Schutzpatrone, eingeklemmt zwischen (Eltern-) Anwälte und Schlagmessersichtungen im Schulzimmer (nicht zum Karottenschneiden dabei)…
      In dieser Atmosphäre findet kein geordneter Unterricht mehr statt und das Lernen ist inexistent.
      Der Lehrerberuf (ohne Strafmassnahmenbefugnisse) ist aus den Fugen. Die Politik schaut weg oder setzt die Rosarote Brille aus der linkesten Schublade auf. Die Schule ein Abbild der Gesellschaft, die Gesellschaft ein Abbild der Schule.
      NEUES LERNEN, NEUE LERNSTÄTTEN TUN NOT. Ideen und Gedanken gibt es deren viele (z.B. in die Zeitschrift zeitpunkt.ch befasst sich immer wieder damit). AUCH NEUE KLASSENZUSAMMENSETZUNGEN TUN NOT. Aus psychischer, betrügerischer und sprachlicher Sicht (es bringt nichts in einer Klasse mit 98% Fremdsprachlichen Schüler den Dativ, den Goethe oder den Bichsel (was ist das) durchzunhemen.)
      Multikulti funktioniert in der harten Realität-Existenz, z.B. der „Schulanstalt“ nicht so gut wie auf dem Altpapier-Flyer der SP oder Grünen Partei weisgemacht).
      Doch eines ist gewiss: Die neuen Lernformen bräuchten das Doppelte an finanz. Mitteln, sonst haut es nicht hin. Mindestens. Sparen könnte man dann hingegen wieder mehr an den Sondersettings, welche heute schweizweit schon von der Hälfte der Schülerschaft benötigt wird (BS schlägt hier nach oben aus, sprich deutlich mehr). Zerrüttete Elternhäuser, keine Struktur mehr, kein Halt mehr, keine Bewegung mehr (die Wohntürme und Seelensilos, der Schattenwurf und die raren durchorganisierten Freiflächen nahe des Wohnort lassen das nicht mehr zu, 10 Millionen Schweiz grüsst)…
      Es stimmt vieles nicht mehr. Werdet wie die Kinder definitiv auch nicht mehr. Ist verpönt. Denn so einfach kann + will es in der Heut-Zeit doch keiner mehr haben…..

        1. Ein indianisches Sprichwort sagt, die Kinder sind Riesen wenn sie auf die Welt kommen. Nur wir Erwachsenen ruhen nicht bis wir sie endlich so klein bekommen, wie wir selber sind.
          Reinhard Mey sang 1992 schon „Du bist ein Riese, Max“ – doch was damals galt, gilt heut umsomehr: Mit Platzmangel, Lichtmangel, Luftmangel, Enge, Dichte, mit einem Schulsystem das reformiert werden sollte – nein muss – mit zweifelhafter Ernährung für Körper und Geist (Tablet, Phone, WWW, KI – usw), mit Zugriff auf Drogen jeglicher Art (die durch gesteuerte Politik immer legaler werden) und durch eine Arbeitswelt, in der der Billigere durch noch Billigere (EU-weit, weltweit) in der grossen Masse des Mittelschicht-Molochs ausgetauscht wird.
          Wenn ich heut in einen Kinderwagen blicke, denke ich in was für eine Zeit wächst du „kleiner Riese“ da wohl hinein wenn dieses Treiben allüberall so weitergeht, auch wenn du schon lange nicht mehr „Max“ heisst – und wisch mir nur selten keine Träne ab…

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