Die Angst vor dem Tod ist Grund zur Freude

Publiziert am 4. April 2026 von Matthias Zehnder

Obwohl wir ständig mit Schlagzeilen bedröhnt werden, die von Tod und Untergang handeln, haben wir das Sterben weitgehend aus unserem Alltag verdrängt. Kaum jemand stirbt noch zu Hause. Dafür gibt es Kliniken, Pflegeheime, Sterbehospize. Und wenn das Kirchenjahr, wie in der Karwoche, das Sterben zum Thema macht, empfinden das die meisten Menschen als Zumutung und flüchten sich in den Osterstau.

Ich gebe zu, mir geht es ähnlich. Bloss flüchte ich mich nicht in den Süden, sondern in ein Buch. Diese Woche hat mich allerdings genau das mit dem Sterben konfrontiert. Ich habe «Ghost Stories» von Siri Hustvedt gelesen. Sie erzählt darin von ihrem Leben mit Paul Auster, von seinem Sterben und seinem Tod. Das Buch besteht aus Tagebuchnotizen, Briefen, erzählten Erinnerungen und Reflexionen. Es ist traurig, Siri zuzuhören, wie sie um ihren Mann trauert. Gleichzeitig ist es ungemein tröstlich, in unserer düsteren Zeit von einer so erfüllten Liebe zu lesen. Auch wenn Siri uns ihre Liebesgeschichte von ihrem Ende her erzählt, bleibt  es doch eine wunderbare, lichtvolle Liebesgeschichte.

Beim Lesen habe ich begriffen, wie wichtig es ist, dass wir uns mit Sterben und Tod beschäftigen. Auch und gerade wenn wir Angst davor haben. Ich glaube: Wer die Angst vor dem Tod verliert, hat das Leben schon verloren. Das Sterben von Paul Auster ist so traurig, weil die Liebe zwischen Paul und Siri so gross war. Oder ist.

Der Verlust ist so gross, weil das Glück davor so gross war. Wer sich vor dem Tod fürchtet, hat vielleicht einfach viel zu verlieren. Das bedeutet: Die Angst vor dem künftigen Tod ist die Kehrseite des Glücks in der Gegenwart – und deshalb eigentlich Grund zur Freude.

Ich habe mich deshalb diese Woche eingehender mit Sterben und Tod beschäftigt. Ich möchte Ihnen dazu keine fertigen Antworten geben. Das gibt es nicht. Ich biete Ihnen stattdessen Antworten von fünf Philosophen zu zwölf Fragen rund um Sterben und Tod an. Wählen Sie jeweils jene Antwort, die am ehesten Ihrer Haltung entspricht. Ich sage Ihnen am Ende, welcher Philosoph Ihnen am nächsten liegt und gebe Ihnen weiterführende Lektürehinweise.

Philosophischer Kompass: Sterben und Tod

Nachdenken über Sterben und Tod wird Ihnen die Angst davor nicht nehmen. Aber vielleicht hilft es, zu verstehen, dass diese Angst nichts Schlechtes ist. Sie ist ein Zeichen dafür, wie wertvoll das Leben ist. Wer das Leben feiern will, sollte sich deshalb, wenigstens ab und zu, mit dem Tod beschäftigen. Mein kleiner philosophischer Kompass möge Ihnen dabei helfen.

Basel, 04.04.2026, Matthias Zehnder mz@matthiaszehnder.ch

Bleiben Sie auf dem Laufenden:

Hier den Wochenkommentar abonnieren.

  • Hinweis auf den neuen Wochenkommentar
  • Ein aktueller Sachbuchtipp
  • Ein Roman-Tipp
  • Das neue Fragebogeninterview

Nur dank Ihrer Unterstützung ist der Wochenkommentar möglich. Herzlichen Dank dafür!


Quellen:

Bild: Der Engel mit dem Kreuz auf dem Ponte Sant’Angelo in Rom wurde von Ercole Ferrata geschaffen, einem engen Mitarbeiter von Gian Lorenzo Bernini. (Foto:mz)

Unterstützen Sie unabhängiges Denken – mit einem einmaligen oder monatlichen Beitrag.

Ein Kommentar zu "Die Angst vor dem Tod ist Grund zur Freude"

  1. Rund um diese Themen hat Dr. Gabriel Looser viel Wissen mit Substanz. Auch ich habe ihm früher mal bei einem Vortrag (welche er jetzt nicht mehr gibt = Alter) besucht, was mir viel gegeben hat und war sehr beeindruckt.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.