KI-Denkfehler 24: KI ist die Zukunft

Publiziert am 30. Dezember 2025 von Matthias Zehnder

Darauf wetten gerade viele. Mit Milliardeninvestitionen und Tausenden von Entlassungen. Doch selbst wenn der KI die Zukunft gehört, hat sie selbst keine Ahnung davon. Denn die KI ist in erster Linie die statistische Aufarbeitung der Vergangenheit. Sie sieht die Welt nur im Rückspiegel. Ohne Daten, keine Resultate. Das bedeutet auch: Wirklich Neues ist von der KI nicht zu erwarten. Vor allem aber hat die KI kein Ziel, keine Vision und keinen Willen. Zum Glück nicht. Das bedeutet: Sie kann Muster der Vergangenheit brillant rekombinieren. Aber die Zukunft gestalten kann sie nicht, weil sie selbst keine Ziele anstreben kann. Dafür braucht es Menschen: Menschen mit Träumen, Wünschen und neuen Ideen.

1. Aspekt: Die KI will nichts. (Zum Glück!)

«Den Menschen macht sein Wille gross und klein.» Das sagte Friedrich Schiller und er war selbst das beste Beispiel dafür, was ein Lebenswille bewirken kann. Für uns Sterbliche gilt deshalb: Des Menschen Wille ist sein Himmelreich. Zumindest ist er, findet Schopenhauer, ein unersättlicher Drang, der das ganze Universum antreibt. Menschen verändern die Welt und gestalten damit die Zukunft, weil sie unzufrieden sind, weil sie von etwas Neuem träumen oder weil sie etwas dringend brauchen. Kurz: Weil sie etwas wollen.

Ganz anders die KI: Sie hat keine Bedürfnisse. Sie optimiert das, was wir ihr vorgeben. Ihr selber fehlt (zum Glück) der innere Antrieb: Sie will nichts erreichen, nichts verändern, nichts verbessern. Sie ist allenfalls auf Umsatz programmiert, ein Wille aber ist ihr fremd. Ohne Wille, keine Zukunft: Wer nichts erreichen will, schafft auch nichts. Ohne einen Menschen, der die KI gezielt einsetzt, tut sich deshalb auch im leistungsfähigsten Rechenzentrum nichts.

2. Aspekt: Die KI sieht die Welt im Rückspiegel.

KI basiert auf Daten. Es sind unvorstellbar grosse Datenmengen, aber alle Daten stammen, logisch, aus der Vergangenheit. Das bedeutet auch: Die KI sieht die Welt immer im Rückspiegel.  Ausgerechnet jene schwarzen Schwäne und Disruptionen, die uns heute so zu schaffen machen, sind in einem Rückspiegel nicht erkennbar – da sind alle Schwäne weiss.

Die KI kann diese Daten aus der Vergangenheit immer wieder neu zusammensetzen. Manchmal wirkt das überraschend kreativ. Es bleibt aber Arbeiten im Rückspiegel. Nur Menschen können wirklich vorausschauen und sich fragen: Was wäre, wenn …? Sich Ziele suchen und dorthin vordringen, wo noch nie ein Mensch gewesen ist!

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3. Aspekt: Ohne Absicht keine Zukunft.

Eine Hochrechnung genügt nicht, um neue Welten zu entdecken. Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins wären nie zum Mond aufgebrochen, hätten sie nur Zahlen konsultiert. Und ohne den unbedingten Willen, die Crew von Apollo 13 unversehrt zur Erde zurückzubringen, wären Jim Lovell, Jack Swigert und Fred Haise nie wieder glücklich gelandet.

Zukunft entsteht durch Entscheidung, zum Beispiel, indem ein Präsident fordert, dass ein Amerikaner auf dem Mond landen und sicher zur Erde zurückkehren wird, noch bevor das Jahrzehnt zu Ende gegangen ist. Die KI kann Szenarien durchspielen, Wahrscheinlichkeiten berechnen und Optionen aufzeigen. Aber eine Zukunft wählen, sie wollen und anstreben kann sie nicht.

Fazit:

KI ist kein Zukunftsgestalter, sondern ein Werkzeug für Zukunftsgestalter. Sie liefert Material, Muster, Möglichkeiten. Aber die Richtung müssen wir vorgeben. Die Zukunft gehört nicht den Rechnern, sondern den Sehnsüchtigen, den Träumern und denen, die eine Entscheidung fällen.


Praxistipps

Tipp 1: Such zuerst deinen Mond.
Bevor du die KI startest, frag dich: Was will ich eigentlich erreichen? Die KI kann dir keine Ziele geben. Sie kann nur helfen, sie zu erreichen. Wer ohne Ziel promptet, bekommt bestenfalls eine hübsche Extrapolation der Vergangenheit. Nimm dir also Zeit für die Frage: Wohin soll die Reise gehen?

Tipp 2: Die KI ist die Rakete, nicht der Astronaut.
Nutze die KI als Reisemittel. Sie kann Szenarien durchrechnen, Varianten liefern, deine Ideen neu kombinieren, aber die Richtung bestimmst du. Bleib am Steuer. Prüfe jeden Output: Bringt mich das meinem Ziel näher? Oder biege ich damit in eine völlig andere Umlaufbahn ab?

Tipp 3: Trau dem Rückspiegel nicht blind.
Die KI zeigt dir, was bisher funktioniert hat. Das kann nützlich sein, ist aber nicht hilfreich, wenn du etwas wirklich Neues schaffen willst. Frag dich bei jedem Vorschlag: Will ich das? Genügt mir das? Oder hat die KI nur die Vergangenheit hochgerechnet? Vergiss nie: Deinen schwarzen Schwan wirst du nicht im Rückspiegel entdecken.


30.12.2025, Matthias Zehnder mz@matthiaszehnder.ch

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