Denkwerkzeug · Werkzeug 13
Das Gehirn arbeitet weiter, wenn man aufgehört hat, an einem Problem zu arbeiten.
Der Neurowissenschaftler Marcus Raichle hat 2001 gezeigt, dass das sogenannte Default Mode Network (DMN) — ein Netzwerk, das Tagträumen, Schweifen und Innehalten steuert — genau dann am aktivsten ist, wenn wir nichts Bestimmtes tun. Benjamin Baird und Jonathan Smallwood haben 2012 nachgewiesen, dass eine kurze Phase des gedanklichen Abschweifens die kreative Problemlösung messbar verbessert. Voraussetzung: Der Geist ist dabei leicht beschäftigt, aber nicht gefordert.
Der Zahlenspaziergang macht sich diesen Mechanismus zunutze. Du schreibst ein Problem oder einen Gedanken. Dann geht dein Geist auf Wanderschaft — begleitet von einer einfachen Aufgabe, die das Abschweifen schützt, ohne es zu stören. Danach schreibst du weiter.
«Auf einem schönen und weitschweifigen Spaziergang fallen mir tausend brauchbare nützliche Gedanken ein.» Robert Walser, Der Spaziergang (1917)
Phase 1 — Schreiben
Über was denkst du nach?
Schreib zwei Minuten. Konzentriere dich auf dein Problem und schreib, was dir dazu einfällt.
Dein Geist geht jetzt spazieren.
Gleich erscheinen Zahlen.
Bei schwarzen Zahlen — nichts tun.
Bei einer farbigen Zahl eine Pfeiltaste drücken:
Es geht automatisch in 8 Sekunden los.
Der Zahlenspaziergang ist zu Ende.
Kehr jetzt zu deinen Gedanken zurück.
Dein Ausgangsgedanke
Schreib weiter, ohne nachzudenken, wohin es geht. Lass deine Gedanken wandern.