Warum die «Basler Zeitung» und Facebook uns schaden

Viele Basler jubeln: Christoph Blocher und Markus Somm sind mit ihrer rechtsbürgerlichen «BaZ» gescheitert und haben ihre Zeitung an Tamedia verkauft. Auch wenn Blocher und Somm ihre politischen Ziele nicht erreicht haben – Jubel ist nicht angebracht: Sie haben tiefe Spuren hinterlassen. Der Misserfolg der «BaZ» in der Region Basel hat nämlich dieselbe Konsequenz wie der Erfolg von Facebook in der ganzen Schweiz: Es ist Öffentlichkeit vernichtet worden. Das schadet uns; der ganzen Gesellschaft, insbesondere aber der Demokratie. Warum wir starke Medien brauchen, die in der Lage sind, Öffentlichkeit herzustellen.

Markus Somm zieht zwar immer noch eine positive Bilanz über seine Arbeit in der «Basler Zeitung» und sagt gegenüber Radio SRF, die «BaZ» sei publizistisch ein sehr gutes Produkt geworden, und auch wirtschaftlich recht erfolgreich.[1] Wie Alt-Bundesrat Christoph Blocher behauptet er auch, «Tages-Anzeiger», «Blick» oder «NZZ» hätten in den letzten Jahren allesamt mehr Leser verloren als die «BaZ». Das ist nachweislich falsch. Markus Knöpfli hat nachgewiesen, dass die «BaZ» weitaus am meisten Leser verloren hat.[2] Seit der Übernahme der Zeitung durch Blocher/Somm sind es über 75’000 Leser. Heute weist die Zeitung zum ersten Mal weniger als 100’000 Leserinnen und Leser aus. Lesermarkt-Spezialist Ueli Custer doppelt in Bezug auf die verkaufte Auflage nach: Die «BaZ» habe seit 2007 mit über 50% tatsächlich mehr verloren als alle anderen Tageszeitungen in der Schweiz.[3]

Ganz ohne politische Polemik lässt sich gestützt auf diese Zahlen feststellen: Die «BaZ» war unter Blocher und Somm kein Erfolg. Auf Dauer kann man eine Zeitung nun mal nicht gegen die Stadt machen, in der sie erscheint. An der Medienkonferenz erklärte Blocher, Basel sei eben eine eigene Region, sie will auch nicht recht schweizerisch sein.[4] Auch Rolf Bollmann beklagt sich über Basel. In einem Interview mit «Vice» sagte er diese Woche: Mit der Basler Mentalität konnte ich mich nie anfreunden. Ich habe mich nie willkommen gefühlt.[5]

Der Zürcher Pendler, der Basel nicht verstand

Auch Markus Somm wurde mit Basel nie warm. Er blieb ein Zürcher Pendler, der die Stadt letztlich nicht verstand. Anders lassen sich seine Kommentare nicht erklären, in denen er Basel als zweitklassige Stadt bezeichnete, in der der indiskrete Charme des Untergangs herrsche.[6] Eine Mischung von Biedermeier und Vernachlässigung prägt laut Somm die ganze Stadt, besonders deren Politik, besonders deren rot-grün beherrschte Regierung. Wer der Stadt, die seiner Zeitung ihren Namen gibt, dermassen ablehnend gegenübersteht, muss sich nicht wundern, wenn die Stadt seiner Zeitung gegenüber dieselbe Haltung einnimmt.

Die Erkenntnis von Blocher, Bollmann und Somm, dass Basel anders tickt als die übrige Schweiz, kommt reichlich spät. Zu spät für die Region Basel. Denn der grosse Leserverlust der «Basler Zeitung» ist nicht nur ein Schaden für die «BaZ» selbst, es ist vor allem auch ein Schaden für die Region Basel – und deshalb alles andere als ein Grund zur Schadenfreude. Das Schrumpfen der Tageszeitungen führt nämlich dazu, dass es in Basel so etwas wie eine Öffentlichkeit heute kaum mehr gibt. Es gibt nur noch immer kleinere Teilöffentlichkeiten. Wenn vor, sagen wir, 20 Jahren etwas in der lokalen Zeitung stand, dann konnte man mit Fug und Recht behaupten, dass es die ganze Stadt erfuhr und zwar ganz egal, ob es sich dabei um eine Skandalgeschichte, den Bericht über eine brillante Theateraufführung oder um eine Todesanzeige handelte. In den letzten Monaten war nur noch die «BaZ» selbst Stadtgespräch. Ihre Inhalte wurde nicht mehr breit wahrgenommen.

Eine Stadt hält die Luft an

Für eine Stadt wie Basel ist das schlecht, wenn es so etwas wie eine Öffentlichkeit, einen gemeinsamen Informationsstand, nicht mehr gibt, weil der Stadt damit die Gemeinschaft abhanden kommt. Anders gesagt: Basel kann sich heute nicht einmal mehr darüber verständigen, was denn das Problem ist – geschweige, allfällige Lösungen diskutieren. Es führt dazu, dass es in der Stadt kaum mehr gemeinsame Perspektiven gibt. Mit der Zeit wird deshalb auch die Verständigung schwierig, es kommt quasi zu babylonischen Verhältnissen. Anders gesagt: Wenn Medien der Sauerstoff der Demokratie sind, dann hat Basel in den letzten Jahren die Luft angehalten –  und das geht auf Dauer nicht gut.

Jetzt sagen Sie vielleicht: Was trauert der einer ollen Papierzeitung nach, heute nutzt man eben digitale Medien. Die Zahl der Facebook-Benutzer in Basel ist heute mit Sicherheit grösser als die Zahl der Leser aller Zeitungen zusammengenommen. Also nimmt heut halt Facebook die Rolle ein, die früher die Tageszeitung innehatte. Das stimmt – aber nur was die Zahl der Nutzer angeht. Denn Facebook funktioniert völlig anders als eine Tageszeitung, ein Radio oder ein Fernsehkanal. Zeitungen, Radio und Fernsehen sind Broadcast-Medien: Sie nehmen einen Inhalt und verbreiten diesen Inhalt an alle Empfänger. Alle Empfänger erhalten dieselbe Zeitung und sehen (und hören) dasselbe Programm – und alle, die einen Beitrag sehen, sind sich bewusst, dass alle anderen diesen Beitrag auch sehen. Auf diese Weise entsteht Öffentlichkeit.

Das wahre Facebook-Problem

Facebook funktioniert völlig anders. Jeder Benutzer sieht in seiner Chronik (wie die Facebook-Timeline auf Deutsch heisst) andere Informationen. Facebook sammelt jede Menge Daten über seine Benutzer und kennt sie manchmal besser als sie sich selbst. Diese Daten nutzt Facebook dazu, um seinen Benutzern jene Inhalte (und jene Werbung) zu zeigen, von der Facebook aufgrund der gesammelten Daten ausgehen kann, dass sie die Benutzer interessieren. Übergeordnetes Ziel ist dabei nicht unbedingt, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, wie das Facebook-Chef Mark Zuckerberg vor dem amerikanischen Kongress behauptete, sondern die Benutzer so lang wie möglich auf der Plattform zu halten und sie zu so vielen Klicks wie möglich zu bringen.

Darin ist Facebook extrem erfolgreich. 2017 war jeder sechste Erdenbürger mindestens einmal pro Tag auf Facebook anzutreffen. In der Schweiz nutzen heute 3,8 Millionen Menschen Facebook. Zwar sind immer weniger Menschen unter 30 Jahren auf Facebook aktiv, dafür nimmt die Zahl der Nutzer rasch zu, die älter sind als 30 Jahre (insbesondere jene, die älter sind als 50 Jahre).[7] Die jüngeren Benutzer weichen auf Instagram aus – was Facebook egal ist, weil auch dieses Angebot zu Facebook gehört. 3,8 Millionen Nutzer – das ist fast jeder zweite Schweizer. Facebook erhält zudem von allen Onlineangeboten am meisten Aufmerksamkeit: Jede sechste Onlineminute wird auf Facebook verbracht und jede fünfte Minute am Handy verbringen die Benutzer mit Facebook. Weil Facebook aber jedem Nutzer ein individuelles Angebot zeigt, führt Facebook nicht zu Öffentlichkeit. Jeder Facebook-Nutzer sieht seine eigene Welt, wobei er selbst im Zentrum dieser  Welt steht. Facebook ist also eine Art ptolemäisches Medium.

Gute, frische Luft für die Demokratie

Der Misserfolg der «BaZ» und der Grosserfolg von Facebook führen deshalb zu demselben Resultat: einer rapiden Fragmentarisierung, zu einer babylonischen Gesellschaft. Das ist der Grund, warum ich Tamedia mit einer erneuerten «BaZ» alles erdenklich Gute wünsche – und warum ich es für die Schweiz als existenziell wichtig erachte, dass es einen starken, medialen Service Public gibt. Wenn die Medien weiterhin den Sauerstoff der Demokratie sein wollen, müssen sie uns allen frische Luft verschaffen. Keine Einzeldosen wie Facebook und keine Stinkbomben wie die «BaZ», sondern gute, frische Luft.

Basel, 20. April 2018, Matthias Zehnder mz@matthiaszehnder.ch

PS: Nicht vergessen – Wochenkommentar abonnieren. Kostet nichts, bringt jede Woche ein Mail mit dem Hinweis auf den neuen Kommentar und einen Buchtipp. Einfach hier klicken.

[1] Vgl. https://www.srf.ch/news/schweiz/tamedia-uebernimmt-baz-herr-somm-haben-sie-es-bei-der-baz-versiebt

[2] Vgl. http://www.horizont.net/schweiz/kommentare/Kommentar-Gut-gebruellt-Bollmann-166337

[3] Im Kommentar zum Artikel auf http://www.horizont.net/schweiz/nachrichten/Zeitungstausch-TamediaBaZ-Serge-Reymond-166409

[4] Vgl. https://www.srf.ch/news/schweiz/uebernahme-bestaetigt-tamedia-uebernimmt-die-basler-zeitung

[5] https://www.vice.com/de_ch/article/j5anwg/blocher-somm-bollmann-verkaufen-baz-an-tamedia-angst-vor-svp-dech

[6] Vgl. https://bazonline.ch/basel/in-der-stadt-des-rotgruenen-biedermeiers/story/10199616?track

[7] Zahlen vom März 2018, vgl. https://bernet.ch/blog/2018/04/03/facebook-zahlen-schweiz-erneut-weniger-u30-nutzer/

Tamedia übernimmt die BaZ. Was das für Basel bedeutet

Warum Aufmerksamkeit der BaZ (und anderen Zeitungen) nichts bringt

Dieser Beitrag wurde unter Wochenkommentar abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Kommentare zu Warum die «Basler Zeitung» und Facebook uns schaden

  1. Thomas Zweidler sagt:

    „Ho, ho, ho“, so schallt es diese Woche bei Regierungsrat Wessels aus seinem Bürostubenfenster. Die verkaufte BaZ wird in Zukunft nichts mehr aufdecken, so können künftig unbemerkt Steuermillionen ins Elsass geschleust werden (BaZ-Artikel div. 2017), im Kreiskommandobüro BL (=kantonale militärische Einrichtung) kann der Kreiskommandant (militärischer Grad) seinen Fussballclubkollegen angenehme WK´s (Wiederholungskurse), welche aus Bürodienst in der Region mit Zuhause übernachten bestehen, zuschanzen, ohne dass es jemand merkt (BaZ-Artikel von vor einigen Tagen: „Mauscheleien im Kreiskommando“). Elisabeth Ackermann (Regierungspräsidentin BS) kann weiter mit Steuergeld sehr viele oder noch mehr Ghostwriter (Auftragsschreiber) einsetzen, welche ihr Reden schreiben, Pressemitteilungen verfassen usw usw…
    Der aufgedeckte Datenschutzskandal bei der Kesb in Binningen, welche hochsensible Patienten-Personendaten an Dritte rausgab (BaZ-Artikel vom Januar 2018) wird ebenso gut vertuscht werden können wie – um in Binningen zu bleiben – die unwürdigen Zustände im Binninger Alters- und Pflegeheim, welche nie ans Licht gekommen wären ohne den BaZ-Artikel von 2014. Wohin hätte sich auch die pflichtbewusste Naturheilpraktikerin wenden sollen, wenn nicht an die BaZ, wem hätte sie ihr Protokoll über alle Missstände im Heim (dem seelenlosen Glas-Beton-Bau) zeigen sollen, welche sie auch fotografisch dokumentierte?
    Der Elternaufstand gegen die unhaltbaren Zustände an der Reinacher Schule – wäre er ohne BaZ publik geworden? Von „Pädagogen“ unfaire Tests und systematisches Mobbing gegen einzelne Schüler! Gegen mehrere Lehrer und die Schulleitung der Sek Reinach wurde starke Kritik laut. Hätte dies ein „verbandeltes“ Wochenblatt des Birsecks aufgegriffen?
    Ich glaube, für diese Meldungen, gebührt der BaZ grosse Anerkennung und Respekt. Auch wenn Sie ab und zu übers Ziel herausschoss („RR Wessels parkiert sein Velo falsch“ – wobei diese Meldung bei Freigeistern keine Verbitterung auslöste, sondern amüsiertes Schmunzeln), die (Print-)Regio wird wieder farbloser und langweiliger.
    Diese BaZ-Leistungen alles pauschal als „Schaden für die Region“ und als „BaZ-Stinkbomben“ abzutun, zeugt von merkwürdigem Demokratieverständnis. In Nordkorea gibt es (Wand-) Zeitungen, welche alles abdrucken, was die Obrigkeit verlauten lässt.
    So schlimm ist es in der Schweiz noch nicht, doch ich empfinde, wenn z.B. BR Doris Leuthard etwas verlauten lässt, druckt dies die Ringier-Presse in goldigen Tönen ab: „Prinzessin Doris“, „Gold Doris“, „Königin Doris“…. traurig… aber logisch: CVP-Doris und Ringier schmiedeten zusammen eine Werbe-Allianz, bei welcher exklusiv die SRG, die Swisscom (also Doris-Staats-Betriebe) und Ringier zusammen Werbegelder absahnen, an allen anderen Mitbewerbern vorbeischleusen und profitieren. Eine Hand wäscht die andere. Dafür gute CVP-Doris-PUBLICITY garantiert. Eine miese Masche…
    Nicht anders klingt es für mich bei der BZ-Basel. Dort sitzt im „Publizistischen Beirat“ seit neustem die (knappestgewählte, seit gezählt wird) NR Elisabeth Schneider-Schneiter der CVP BL. Ich achtete mich was seither geschah: Über die Handelskammer (welcher sie vorsteht) nur noch Engelssausen-Berichte. Über die CVP-BL eine Erfolgsmeldung nach der anderen. Keine Worte mehr über Sitzverluste in den Gemeinderäten, wo weiterverloren wird. Bei der BZ verlieren jetzt nur noch die anderen Parteien, habe ich den Eindruck, womit ich im Bekanntenkreis nicht alleine bin…
    Da drängen sich die Fragen auf: Was macht eine Parteipolitikerin überhaupt in einem „Publizistischen Beirat“ ausser Eigennutz und Beeinflussung? Was ist das für eine Zeitung, die so einen „Beirat“ zusammenstellt? Und zuletzt, macht es nicht den Anschein, dass dies alles gewaltig „stinkt“, um den Ausdruck des dieswöchigen Wochenkommentars „Stinkbombe“ wiederaufzunehmen….
    Überhaupt die BZ-Basel: Sie muss sich warm anziehen. Aus der BaZ wird mit viel Tamediageld aus Zürich eine gutfinanzierte und dicke linksliberale Postille. In ihr wird das selbe stehen wie in der linksliberalen BZ-Basel. Für was braucht es da überhaupt noch zwei Zeitungen? Und Leser? Wann werden die ersten BZ-Kündigungen gesprochen, wenn in beiden Blättern „Verlautbarungsjournalismus“ betrieben wird und in beiden Blättern das selbe steht?
    Wird das der Hype für die Jungen? DIE Zukunft? Zahlen die 500 Fr. fürs Jahresabo? Oder 2 x 500 Fr für beide Jahresabos?
    Ich bin sehr skeptisch. Langweilig und fade – das kann man auch Gratis und „for free“ haben. Und die „Rettet Basel“-Organisation, welche gegen die „Blocher-BaZ“ kämpfte, welche es nie war, sondern eine förderliche Forumszeitung (mit wahren Persönlichkeiten wie Roland Stark, Christine Richhard, Helmut Hubacher, Tamara Wenli, Manfred Messmer, Markus Metzl…), haben ja nun in Basel ganze Arbeit geleistet und ihr Ziel erreicht: Die selbständige BaZ zu bodigen und nun eine BaZ-Tamedia-Mantelzeitung aus Zürich zu erhalten. Bravo. Eine reife Leistung.
    Ich jedenfalls blicke zurück im Dank auf acht interessante und nie langweilige BaZ-Zeitungsjahre und geniesse noch das halbe Jahr mit Markus Somm, seinem Samstags-Leitartikel und seiner immer topmotivierten, jungen Journalisten-Boygroup vom Aeschenplatz 7.
    Grazie mille.

  2. Ueli Custer sagt:

    Bei der von mir erwähnten Zahl handelt es sich um die Auflage und nicht um die Leser. Nur die Auflage kann seit 2007 lückenlos verfolgt werden. Bei der Leserschaftsforschung wurde zwischen Herbst 2012 und Herbst 2013 die Systematik verändert sodass die Zahlen vorher und nachher nicht vergleichbar sind.

  3. Ueli Keller sagt:

    Zeitungen, Radio und Fernsehen sind – so wie es dieser Beitrag schön und zutreffend beschreibt – der Sauerstoff der Demokratie und schaffen eine Öffentlichkeit. Wozu die digitalen Medien kaum dienen können beziehungsweise genutzt werden. Deshalb nenne ich sie asoziale Medien. Sie passen zu einer Gesellschaft und zu einer Wirtschaft, die nach dem System der kollektiv organisierten Verantwortungslosigkeit funktioniert. Wo alle für sich tun können, was sie wollen. Und wo alles gut ist, solange es dafür Geld gibt. Solange die Mehrheit der Bevölkerung gierig auf dem Schlaraffenland-Kurs der faulen und schlauen Affen bleiben kann, werden Zeitungen höchstens der Unterhaltung dienen und Aufklärung nicht gefragt sein.

  4. Lorenz Egeler sagt:

    Ich weiss nicht, wie viele Basler wirklich jubeln, aber eine gewisse Erleichterung ist spürbar, auch wenn das neue Blatt aus Zürich kommt.
    Die Analyse, die ehemaligen BaZ-Leser seien zu Facebook abgewandert, kann ich nicht nachvollziehen. Handelt es sich bei der Zunahme von Facebook-Teilnehmern nicht viel mehr um Leute, welche keine Tageszeitung lesen, sich allenfalls mit 20 Minuten zufrieden geben. Die ehemaligen BaZ-Leser wanderten vermutlich mehrheitlich zur BZ ab und waren auch davon nicht gerade begeistert. Andere forderten von der NZZ einen Balser Bund, den sie nicht erhielten und natürlich konnte auch eine TagesWoche das Loch nicht stopfen .
    Sollte die BaZ wirklich wieder zu einer ernst zu nehmenden Informationsquelle für die Stadt werden, ein Forum mit politischer Breite, und sollten in der Lokalredaktion wieder Basler für Basler schreiben, ist nicht alles verloren. Diejenigen Leser, welche eine seriöse Information wünschen, werden zurückfinden zur BaZ. Gewiss, das braucht Zeit, denn Vertrauen ist schnell verspielt und nur langsam zurückgewonnen.
    Ich denke, man sollte nun nicht gleich wieder jammern, sondern dem neuen Blatt eine gute Basis wünschen, die Änderungen als Chance sehen und sich für einmal am frischen Grün des Frühlings freuen.

    • Lieber Herr Egeler, Sie haben natürlich recht, BaZ-Leser sind nicht zu Facebook abgewandert, das habe ich vielleicht zu wenig deutlich formuliert. Die Leser, welche die BaZ verloren hat, sind quasi versickert: einige zur bz, einige zur NZZ, einige zum Tagi und viele haben Bezahlzeitungen den Rücken gekehrt. Ganz abgesehen davon (und das gilt auch für jede andere Stadt) höre ich immer wieder das Argument, dass wir heute halt keine Zeitungen mehr brauchen, weil wir andere Massenmedien haben, schliesslich nutze die halbe Schweizer Bevölkerung Facebook. Diese Analyse, dass Facebook ein Massenmedium sei, weil viele Menschen es benutzen, diese Analyse ist falsch, weil all die Menschen je ein eigenes Facebook sehen, Facebook also nicht für Öffentlichkeit sorgen kann. In Basel kumulieren sich die beiden öffentlichkeitsvernichtenden Effekte, also die Abwanderung von der BaZ und die (davon losgelöst überall stattfindende) Hinwendung zu sozialen Medien wie Facebook. Das ist fatal.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.