Kinder ans Klima

Publiziert am 25. Januar 2019 von Matthias Zehnder

Das Medienereignis der Woche war der Besuch der Schwedischen Schülerin Greta Thunberg am WEF in Davos. Für viele Schweizer Schülerinnen und Schüler ist Greta Thunberg Inspiration und Ansporn zugleich. Sie wollen deshalb wie Greta weiter für das Klima streiken und wieder auf die Strasse gehen. Rechtsbürgerliche Politiker und Zeitungen vermuten, dass all die Jugendlichen bloss von linken Lehrern instrumentalisiert werden. Die hatten wohl noch nie mit Jugendlichen zu tun. Dazu kommt: Wer, wenn nicht die Jugendlichen, hätte das Recht, ja die Pflicht, uns daran zu erinnern, wie es um den Planeten Erde steht – schliesslich geht es um ihre Zukunft.

Am 2. Februar wollen in der Schweiz wieder Tausende Schülerinnen und Schüler auf die Strasse gehen und für eine nachhaltigere Klimapolitik demonstrieren. Der 2. Februar ist ein Samstag. Für einmal schwänzen die Schüler also nicht zum Demonstrieren. Bisher haben sie nach dem Vorbild der Schwedischen Schülerin Greta Thunberg jeweils Freitags die Schule bestreikt und demonstriert. In Basel lautete ein Slogan: «Natur statt Matur».

Greta Thunberg ist ein Phänomen: Als sie acht Jahre alt war, hat sie sich zum ersten Mal mit dem Klimawandel beschäftigt und damit begonnen, zu Hause Energie zu sparen. Sie recherchierte weiter über den Klimawandel und stellte fest, dass die Menschen das eine sagen, aber etwas völlig anderes machen. Als sie elf Jahre alt war, wurde sie deshalb depressiv und hörte auf zu sprechen und zu essen. Sie wurde Veganerin, weigerte sich fortan, zu fliegen und begann auch, ihre Familie auf ein klimafreundliches Verhalten umzupolen. Angeregt durch die Schülerstreiks und -demos nach dem Parkland-Massaker in den USA setzte sie sich vor das schwedische Parlament, um gegen die Klimapolitik zu protestieren.[1]

Familie umgekrempelt

Im Dezember reiste Thunberg zusammen mit ihrem Vater im Elektroauto an die UNO-Klimakonferenz in Katowice. Den versammelten Politikern und Wirtschaftsgrössen sagte sie da, sie seien nicht reif genug, der Welt die Wahrheit zu sagen.[2] Die «Süddeutsche Zeitung» bezeichnete sie deshalb als «Galionsfigur der Klimabewegung».[3] Zum Zeitpunkt der Rede war Greta 15 Jahre alt. Sie sprach ruhig, ja unbewegt, wie wenn sie vor ihrer Klasse ein Referat über den Klimawandel halten würde.

Bei Greta ist das Asperger-Syndrom diagnostiziert worden. Ihre Gesichtszüge wirken deshalb oft etwas starr, manchmal fast unheimlich. Rechtsbürgerliche Politiker und Medien werfen ihr vor, sie sei lediglich ein Kind, das von ihren Eltern instrumentalisiert worden sei. Ihr Vater sagt, es sei eher umgekehrt. Greta habe die Familie umgekrempelt, sie dazu gebracht, umweltfreundlicher zu leben.

Schwatzen nach dem Mund von Lehrern und Eltern

Greta und ihr Streik, ihre konsequente Haltung und ihre klaren, einfachen Worte sind inspirierend. Vor allem für Jugendliche. In der Schweiz haben viele Schülerinnen und Schüler ihre Botschaft aufgegriffen und ebenfalls gestreikt und für eine nachhaltigere Klimapolitik demonstriert. 20’000 waren es am letzten Freitag in der ganzen Schweiz. Doch auch in der Schweiz kritisieren rechtsbürgerliche Politiker und Medien die Jugendlichen. Auch hier heisst es, sie würden von linken Lehrern indoktriniert. Die «BaZ» schrieb, dass die Jungen nach dem Mund ihrer «Atomkraft? Nein danke»-Eltern schwatzen.[4]

Wie die Leserkommentare zeigen, stimmen viele Leser mit der Sicht der «BaZ» überein. Die meisten Lehrer sind sehr links. Die meisten Jugendlichen lassen sich sehr einfach indoktrinieren. schreibt eine Frau. Motto: Lehrer arbeiten beim Staat, also müssen sie links sein. Ein anderer schreibt, nach der Demo würden die Jugendlichen mit dem Smartphone den nächsten modischen Fetzen bei Zalando bestellen. Das habe ich auch in meinem Bekanntenkreis gehört: Es sei doch nicht glaubwürdig, wenn die Jugendlichen einerseits für das Klima demonstrierten und andererseits bei Zalando einkaufen. Und dann ist auch immer wieder zu lesen, dass die Jugendlichen nicht wüssten, welche Konsequenzen ihre Forderungen hätten: Die Jungen haben auch keine Ahnung, was die propagierten Ideen für katastrophale Folgen für den Wohlstand hätten, schreibt ein Leser auf baz.ch

Kinder an die Macht

Wie wenn sich Jugendliche so einfach instrumentalisieren liessen. Wie wenn Jugendliche im Alter von 17, 18, 19 Jahren nicht selbst denken könnten. Es ist vielleicht sogar umgekehrt: Gerade in dem Alter sind Menschen noch in der Lage, klar zu denken. Noch ist ihr Denken nicht korrumpiert von Rücksichtnahme und Verpflichtungen, Anstandsregeln und Ängsten vor Statusverlust. Es ist kein Zufall, dass nur Kinder und Narren die Wahrheit sagen: Nur Kinder und Narren kümmern sich nicht um den Preis, den man dafür bezahlen muss, wenn man die Wahrheit sagt.

Gebt den Kindern das Kommando / sie berechnen nicht / was sie tun singt Herbert Grönemeyer.[5] Genau das macht für viele Politiker und Wirtschaftsführer Kinder und Jugendliche so gefährlich: Sie denken nicht berechnend. Sie lassen sich nicht kaufen, nicht einbeziehen und rumkriegen. Sie bleiben stur dabei: Ihr Erwachsenen habt die Welt ruiniert. Herbert Grönemeyer singt deshalb: Die Welt gehört in Kinderhände / dem Trübsinn ein Ende / wir werden in Grund und Boden gelacht / Kinder an die Macht.

Scheinheilige Bedenken

Und dann das Gesülze um die Bedenken. Die Jugendlichen könnten die wirtschaftlichen Folgen ihrer Forderungen nicht abschätzen. Es ist das alte Lied: Wirtschaft vor Umwelt. Man könnte umgekehrt der Politik vorwerfen, dass bei vielen Politikern das Denken aussetzt, wenn es um Arbeitsplätze geht. Um die Arbeitsplätze in der Landwirtschaft zu erhalten, wird in der Schweiz sogar der Anbau von Tabak weiter subventioniert – was für ein Hohn![6]

Dazu kommt: Wenn etwas derzeit die Wirtschaft umpflügt, dann ist es die Digitalisierung. Bedenken, welche katastrophalen Folgen für den Wohlstand der Arbeitnehmer die Automatisierung hat, sind selten zu hören. Die Wirtschaft argumentiert, dass die Digitalisierung auch grosse Chancen biete und dass man innovativ sein müsse, um konkurrenzfähig zu bleiben. Dasselbe Argument liesse sich auf Cleantech anwenden – gerade in der Schweiz, einem Land, das bekanntlich weder Ölquellen, noch Kohleflöze besitzt und nicht auf eine Autoindustrie Rücksicht nehmen muss.

Wer, wenn nicht die Jugend

Wenn da jemand jemanden instrumentalisiert, dann sind es die Medien, welche Menschen wie Greta Thunberg instrumentalisieren. Als Greta in Zürich ankommt, rennen 50 (erwachsene) Journalisten auf sie zu, umringen sie, recken ihre Fotoapparate, strecken ihr Mikrofone entgegen.[7] «20 Minuten» begleitet Greta in den Zug nach Davos und berichtet stolz: So ist Greta, wenn die Kameras weg sind.[8] Der «Blick» weiss sogar, dass sie bei -15 Grad auf der Schatzalp im Zelt übernachtet hat.[9] Seit Greta am WEF ist, umringt und umdrängt eine Meute von Journalisten die relativ kleine Schwedin. Kein Zweifel: Die einzige Erwachsene im Raum ist Greta.

Auch heute Freitag hat Greta in Davos ihren Freitags-Sitzstreik durchgeführt: «Skolstrejk för Klimatet». Schweizer Schülerinnen und Schüler haben es ihr nachgemacht. Gut so. Wer, wenn nicht Jugendliche hätte das Recht, ja die Pflicht, dagegen zu protestieren, was wir Erwachsenen mit dem Planeten angestellt haben. Schliesslich geht es um ihre Zukunft. Natürlich ist der Protest nicht bis ins letzte Detail durchdacht. Das sind Proteste nie. Wir Erwachsenen sollten die Jugendlichen trotzdem ernst nehmen. Natürlich verstossen die Jugendlichen gegen die Schuldordnung – und natürlich werten Schulleitungen und Erziehungsdepartemente den Streik als unentschuldigte Absenz. Die Protestaktion verkäme zum Schulausflug, wenn sie von Lehrern und Erziehungsdirektor abgesegnet würde. Schade ist bloss, dass die Medien sich lange mehr mit dem Absenzenwesen beschäftigten als mit dem Inhalt der Proteste.

Vollends lächerlich ist es, wenn Erwachsene den Kindern vorhalten, sie sollten erst mal selbst umweltfreundlich leben, bevor sie gegen die Klimapolitik protestieren. Wer auf Zalando shoppe, habe kein Recht, für eine bessere Klimapolitik zu protestieren. Müssten unsere Politiker solch harten Massstäben genügen, wäre das Bundeshaus rasch verwaist.

Nein, Vorwürfe an die protestierenden Jugendlichen und Klima-Aktivistin Greta Thunberg sind fehl am Platz. Wenn die Jugendlichen eine bessere Zukunft für die Umwelt fordern, halten sie uns den Spiegel vor. Wir Erwachsenen haben den Planeten versaut. Also sollten wir auch den Mut haben, vor die  Jugendlichen hinzustehen und zu sagen: Ihr habt recht. Lasst uns gemeinsam nach einer Lösung suchen. Das wird nicht einfach – aber ohne eine Lösung würde es noch viel schwieriger. Wie Greta heute am WEF in Davos sagte: «Ich will, dass ihr handelt, als wenn euer Haus brennt, denn das tut es.»[10]

Basel, 25. Januar 2019, Matthias Zehnder mz@matthiaszehnder.ch

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Quellen

[1] Vgl. «FaZ», 16.12.2018: https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/un-klimakonferenz-schuelerin-kaempft-gegen-den-klimawandel-15944486.html

[2] Vgl. Video der Rede auf Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=VbDnPj0G0wY

[3] «Süddeutsche», 2.12.2018: https://www.sueddeutsche.de/panorama/interview-es-muesste-hoechste-prioritaet-haben-1.4235645

[4] «BaZ», 21.01.2019: https://bazonline.ch/basel/stadt/generation-komfort/story/26883836

[5] Vgl. Herbert Grönemeyer: «Kinder an die Macht; https://www.songtexte.com/songtext/herbert-gronemeyer/kinder-an-die-macht-4bdcf762.html

[6] Vgl. https://www.matthiaszehnder.ch/wochenkommentar/achtung-der-erhalt-von-arbeitsplaetzen-kann-ihrer-gesundheit-schaden/

[7] Vgl. «TagesAnzeiger» vom 24.12.2018: https://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/standard/Greta-ist-da/story/23391962

[8] «20 Minuten», 23.01.2019; https://www.20min.ch/ausland/news/story/Im-Zug-mit-Greta-Thunberg-27086110

[9] «Blick», 25.01.2019; https://www.blick.ch/news/schweiz/basel/klima-demo-in-basel-schweizer-schueler-wollen-mit-greta-streiken-id15135578.html

[10] Vgl. «Tages-Anzeiger», 25.1.2019, https://www.tagesanzeiger.ch/news/standard/jetzt-spricht-greta-thunberg-am-wef/story/16869308

13 Kommentare zu "Kinder ans Klima"

  1. * Fussnote 1: Es muss weiss Gott viel gemacht werden fürs Klima, wenn wir es retten wollen, dies Vorweg!
    Die Jugend streikt fürs Klima. Doch da fällt etwas auf: Gerne würde ich auch Plakate mit Aufschriften wie: „Nicht mehr fliegen – Zug nehmen“ lesen. Auch „Dicke Jacke zuhause anstatt 25 Grad im Wohnzimmer“ oder „4 Hosen reichen im Jahr – anstelle 24 Hosen“ usw. Kurz: Anstatt ausschliesslich von Politik, Wirtschaft fordern und fordern; von allen anderen fordern und fordern-Parolen zu skandieren, sich enorm selbst am Klimaschutz beteiligen, auch wenn es einschneidet, sehr einschneidet sogar!
    Klimarettung heisst auch Verzicht. Es geht nicht ohne! Natürlich auf moderne Technologien setzen (Windreedli, Sonne, Solar und 1000de neue Batterie-Tesla-Autos….) Aber ohne ein bisschen sehr viel „Weniger“ für uns alle kriegen wir das nicht hin! Auch wenn es einschränkt, beschränkt, einschneidet, sehr von allem sogar! Wer ist bereit auch Verzicht?
    * Fussnote 2: Entlarvendes kommt zu Tage bei den Streiks, den Jugendlichen, unserer Gesellschaft. Auszug eines Leserbriefes aus der BaZ vom 22. 1. 2019:
    (…) Vor zehn Jahren Tonnen von Pampers gebraucht. Unmengen von Plastikspielzeug im Kinderzimmer. Seither auf der Suche nach der nächsten Elektro-Steckdose. Der gebrauchte Elektroschrott (Tablets, Computer, Handys, Elektrofahrzeuge) wird am offenen Feuer in Afrika „recycliert“. Heute, Demo für mehr Klimaschutz, morgen als Backpaper in allen entlegenen Gebieten der Erde unterwegs, um Selfies zu verschicken. Keine junge Generation vorher hatte einen grösseren Ressourcenverbrauch. (…) (16 – 25 jährige fliegen am meisten. Quelle: TeleZüri).
    * Fussnote 3: Auch die NZZ beschäftigte sich am 19.1.2019 unter dem Titel: „Hop, Hop – Klimawandel Stop“ mit dem (Basler-)Klima(-Streik)! Auch hier, Widersprüchliches ist herauszulesen, es passt alles einfach nicht zusammen:
    Klima-Ikone Greta Thunberg kommt ans WEF in Davos. Mit dem Zug. 65 Std. hin und zurück. Wer lautstark nach null Treibhausgasemissionen schreit, der macht sich unglaubwürdig, wenn er um die Welt jettet, wie dies ihre Eltern (Opernsängerin und Schauspieler) früher (auch mit ihr als Kind) in ausschweifendem Masse taten! Klimastreiker und Vielflieger – das passt nicht! Letzteres wissen auch die Basler Schüler. Trotzdem müssen sich viele von ihnen eingestehen, dass sie zu oft in ein Flugzeug steigen. Zwischen 2000 und 2017 hat die Zahl der Flugpassagiere in der Schweiz um 60% zugenommen. Das ist die Zeit, in der die jungen Klimaschützer aufgewachsen sind. Es ist anzunehmen, dass ihre Generation tatsächlich am meisten fliegt. Im Schnitt fliegt jeder Schweizer – laut Zahlen aus dem Jahr 2015 – rund 9000 Kilometer jährlich. So auch viele Schülerinnen und Schüler, die jetzt Transparente hochhalten wie: „Ihr klaut uns unsere Zukunft“.
    Livia Benedict und ihre Mitstreiterinnen haben die Frage nach dem eigenen ökologischen Fussabdruck schon viel zu oft gehört (…) Es geht bei den Streiks nicht primär ums Individuum, die Schüler wollen die Politik zum Handeln zwingen! „Klar ist es für jeden Einzelnen gemütlicher, in die Ferien zu fliegen als den Zug zu nehmen“ sagt sie (=die Klimaschützerin!!! Unglaublich!!!). „Genau deswegen muss sich die Politik einschalten und Abgaben auf Flugreisen verlangen“.
    * Fussnote 4: Während dieser Woche wurde bei uns, wie in allen Gemeinden des Baselbiets, wieder eine Papiersammlung durchgeführt. Ein grosses LKW-Ungetüm rollt von Haus zu Haus, in jede Sackgasse und schmales Gässchen zur Papierabholung.
    Früher (bis vor wenigen Jahren) taten das Jugendliche. Teils vom Verein organisiert, teils während der Schule zogen sie mit Handkarren oder Veloanhänger von Haus zu Haus und luden die Bündel auf, um sie dann später im grossen Container auf dem Dorfplatz oder dem Schulhausplatz wieder zu entleeren. Gerade die Jungs konnten so ihre (überschüssigen) Kräfte sinnvoll kanalisieren und erst noch bei den Mädchen mit ihren Mukis Eindruck erwecken. Dies alles mit Null-Emission.
    Heute kommt mit viel Getöse und Lärm ein LKW-Monstrum, vor jedem der Häuser stosst er schwarze Dieselrauchfahnen aus seinem LKW-Deckelauspuff. Mütter springen zur Seite. Senioren beginnen zu Husten.
    Wo sind denn heute bei der Papiersammlung die kräftigen Jugendlichen? Halt – die sind am Skandieren, Demonstrieren, Schreien und Streiken (für ein besseres Klima.)
    Auch hier, Widersprüchliches ist herauszulesen, es passt alles einfach nicht zusammen.

    * Fussnote 5: Abschliessend Auszüge (…) des grandiosen Berichts von Serkan Albrecht aus der BaZ vom 21. 1. 2019, der wirklich zum Denken anregt. Wer hier nicht zu denken und zu hinterfragen beginnt, ja für den ist Klimaschutz wirklich nur ein Modetrend wie die trendige Handtasche, die zum Zeitgeist passen soll….
    Dezemberabend. Zum ersten Mal schneit es richtig in Basel. Eine feine Schicht Pulver sammelt sich auf den Dächern der ehemaligen Klosterkirche. Drinnen gibt es eine Abschiedsparty. Die Künstler mit ihren Ateliers müssen ausziehen, weil das Gebäude umgebaut wird. Im Eingangsbereich wird geraucht. Vor der Tür zum Saal, aus dem schon dröhnende Elektromusik und das Lachen von jungen Menschen nach draussen dringt, steht eine Türsteherin. Eine junge Frau, vielleicht knapp 20 Jahre alt.
    «Bevor ihr hineindürft, muss ich euch auf die Regeln aufmerksam machen. Es ist nicht erlaubt, Leute wegen ihres Geschlecht, ihrer sexuellen, religiösen und politischen Ausrichtung und ihrer Herkunft zu diskriminieren. Auch Trans- und Homophobie ist nicht erlaubt. Habt ihr verstanden? Gut. Viel Spass.» Sie öffnet die Tür, und eigentlich will ich erwidern: «Als wäre es überall in der Stadt erlaubt, wahllos Menschen zu diskriminieren.» Ich schweige. Ich bin mit Freunden hier.
    Der Abend zieht sich relativ harmlos hin, bis mich ein blondes Mädchen bei einer Rauchpause anspricht. «Du arbeitest doch bei der BaZ? Was machst du hier?», fragt sie mich erbost. «Trinken», antworte ich lapidar. Ihr Gesicht kommt mir bekannt vor, aber ich finde keinen Namen dazu. «Hier hast du nichts zu suchen. Wir wollen dich hier nicht.» Weshalb nicht? «Wegen deiner politischen Ausrichtung.» Ich sage ihr, dass sie mich in Ruhe lassen soll. Ich sei nicht beruflich unterwegs. Sie läuft in die Mitte der Eingangshalle und verkündet jedem, der es hören will, dass ich bei der Basler Zeitung arbeite.
    Dutzende Augen auf mich gerichtet. Hasserfüllte Gesichter. Ein junger Mann, gut einen Kopf kleiner als ich, springt mit drohendem Blick herbei. Meine Freunde bemerken den Rummel. Einer stellt sich zwischen mich und den wütenden Linken. «Der soll von hier verschwinden!» Der Kollege versucht zu beschwichtigen: «Lasst ihn in Ruhe. Er ist privat hier. Ich bin ja auch nicht einverstanden mit dem, was er schreibt.» Ich nehme ihm den letzten Satz nicht übel. Er muss das sagen.
    So viel zum Zustand der jüngeren Gesellschaft in Basel. Über tausend Schülerinnen und Schüler marschierten am Freitag durch die Strassen, um gegen die Klimaerwärmung zu protestieren. Trotz Warnung des Erziehungsdirektors, dass man für dieses Gebaren unentschuldigte Absenzen aussprechen werde – den Jugendlichen ist es egal. Zu stark ist das Bedürfnis, etwas tun zu müssen – für ihre Zukunft in einer Welt, die sonst vor die Hunde gehen würde.
    Ich ging selbst auf die Strasse. Um gegen die US-Truppen im Irak und Afghanistan zu protestieren. Gegen Israel und für Palästina. Der Irakkrieg politisierte meine Generation – und viele meiner Bekannten denken und leben heute noch so wie vor zehn Jahren. Weil sie sich keine Gedanken gemacht haben. Nie darüber nachgedacht haben, dass das meiste, was wir über den Nahost-Konflikt zu wissen dachten, nur antiamerikanische Propaganda war. Dass die USA dort gegen einen wahnsinnigen Massenmörder vorgingen – es war uns egal.
    Saddam Hussein war ein kleineres Übel als George W. Bush. Mir war damals auch nicht bewusst – und es wäre mir auch egal gewesen –, dass ich mich mit Menschen solidarisierte, deren politische Priorität die Vernichtung der Juden im Nahen Osten ist.Angekommen an einer Kreuzung marschierten einige Mitschüler nach links, und wir gingen ohne zu hinterfragen wie Lemminge hinterher, ohne zu schauen, was denn der mittlere oder der rechte Pfad für uns zu bieten haben könnte. Der linke Pfad war einfach schön. Geschmückt mit Moral, Humanismus, Liebe, Toleranz und gepflastert mit den roten Steinen des «besseren», alternativen Lebensstils.
    Die Geschichte wiederholt sich. Ich fühle mich beim Anblick dieser Jugendlichen an meine Teenager-Zeit erinnert. Nicht hinterfragen. Wenn sich alle über Bundesrat Blocher lustig machen, muss ich das auch. Sonst falle ich auf. Wenn alle sagen, in zehn Jahren würden unsere Polkappen schmelzen und wir alle elendiglich ersaufen, dann schmelzen die Polkappen auch in zehn Jahren – und das will niemand.
    Wenn eine junge Grünen-Grossrätin zur Demo aufruft und Bilder von Eisbergen auf Facebook stellt, die sich angeblich in zehn Jahren komplett aufgelöst haben, dann fühlen sich die Jugendlichen bestätigt in ihrer Meinung. Bestätigt, das Richtige zu tun. Dass die Bilder, die sie geteilt hat, gar nicht zehn Jahre auseinanderliegen und von völlig unterschiedlichen Orten auf dieser Welt stammen – das wird nicht hinterfragt. Zu schön ist die Einfachheit der Botschaft.
    Die Klimaerwärmung findet statt, das bestreitet niemand, der bei klarem Verstand ist. Nur die Ursachen und die jeweiligen Massnahmen gilt es zu hinterfragen. Die USA haben Menschenrechtsverbrechen begangen. Verurteilungswürdig. Aber es gilt, die Relationen zu wahren. Die Hintergründe zu kennen. Wieder funktioniert nur die Einfachheit der Botschaft. (…)
    Es ist eine teils plumpe Propaganda, die auf unsere Jungen einwirkt, und es ist trotzdem verständlich, und es ist leicht, dass sie sich von ihr mitreissen lassen – denn sie ist konformistisch. Es ist schwieriger, in einem urbanen und vor allem kleinen Milieu wie Basel mit 16 oder 18 Jahren die Position zu vertreten, dass unsere Welt nicht wegen Dieselautos zugrundegehen wird. Einfach ist, sich für das einzusetzen, was bereits Freunde, Familien und Lehrer für richtig halten.
    Hier wieder die Parallele zu meinen Jugendjahren: Berichte von Bushs Lüge zu den angeblichen Massenvernichtungswaffen und den Foltergefängnissen Abu Ghraib und Guantánamo bestärkten uns nur noch mehr im Hass auf die USA. Dass das irakische Regime über Jahrzehnte hinweg Hunderttausende Menschen tötete und Kriegsverbrechen sowie Verbrechen gegen die Menschlichkeit ausübte, wurde ausgeblendet. Krieg ist schlecht, Frieden ist gut und Death to America. Kiffen war eine Lebenseinstellung. Die SVP zu hassen ebenso. Meine Ex-Freundin kam aus einem ähnlichen Milieu. Meine Mutter wählte in meiner Jugend noch konsequent links. Orangen aus Israel waren zu Hause tabu. (…)
    Ich begann alles zu hinterfragen. Noch nicht öffentlich, nur für mich alleine.
    (…) Das sollten auch die Jugendlichen tun – selbst wenn es schwierig ist. Früher war es üblich, sich gegen die Ideologie des Elternhaus zu stellen. Heute schwatzen die Jungen nach dem Mund ihrer «Atomkraft? Nein danke»-Eltern. Dass die Herstellung von Solarpanels und E-Autos massiv umweltschädlich ist, wird verschwiegen – von ihrem Umfeld, gewissen Medien und in ihren Komfortzonen auf Social Media. (…)
    Was tun? Man darf die Schülerinnen und Schüler nicht bestrafen. Ihre Absenzen gehören entschuldigt. Aber die massive Anzahl der teilnehmenden Demonstranten sollte ein Zeichen sein. Nicht (nur) für den Klimaschutz. Sondern sie sollte auch ein Weckruf für die Gesellschaft sein, dass die Jungen im Umgang mit Informationen, politischer Propaganda und Fake News – nicht nur von rechts – sensibilisiert werden müssen. Das Lemming-Verhalten von letztem Freitag ist vielsagend.
    Ein Schulunterricht, der aktuelle Konflikte auf der Welt, gesellschaftliche Themen wie Political Correctness oder eben die Klimaerwärmung sachlich-neutral thematisiert und auf einer klasseninternen Debattenkultur basiert, muss stattfinden. (…)
    FAZIT:
    WER WIRKLICH DAS KLIMA RETTEN WILL, DEM BLEIBT NICHTS ANDERES ÜBRIG, ALS SICH AUCH SELBST EINZUSCHRÄNKEN. RADIKALE ABKEHR VON UNSEREN LUXUSMAROTTEN. UND VON DENEN HAT JEDER IN EUROPA ANDERE, UND VON DENEN HAT JEDER IN EUROPA VIELE. Und nicht alle Klima-Hoffnung (wie viele Technik-Nerds es ausschliesslich meinen) einfach und billig den neuen Technologien (ab-)schieben. DENN ALLES ANDERE SIND PHRASEN-, BEQUEMLICHKEITS- UND MODE-KLIMARETTER. Und dies gilt für weltweit; ob Alt oder Jung!!!

  2. Das Nachkriegs-Wirtschaftswunder-Perpetuum-Mobilé «Immer-noch-mehr-dank-immer-noch-mehr» steht still. «Immer-noch-mehr» geht nicht mehr. Ökonomisch nicht und ökologisch nicht. Die Mehrheit will es nicht wissen. Auch und vor allem im Schlaraffenland Schweiz nicht. Alle sind mehr oder weniger aktiv oder passiv ein Teil einer Politik, der es an fachlicher Kompetenz und an menschlicher Kraft fehlt, um die Herausforderungen zu meistern, die sich einer Überfluss-Gesellschaft stellen, die ihren Zenit überschritten hat. Probleme, wie sie sich konkret beispielsweise im Zusammenhang mit dem Klimawandel, den mangelnden Ressourcen und der globalen Verschuldung stellen, werden kollektiv maximalmöglich verdrängt und aufwendig unter dem Deckel zu halten versucht. Könnte vielleicht der Schlaraffenland-Gesellschaft eine Psychoanalyse helfen: Um aus dieser Sackgasse zu kommen und nachhaltig zukunftsorientiert handlungsfähig zu werden? In etwa nach dem Motto «besser einfach leben»?

    1. Hier sind wir uns einig, das „immer noch mehr“ nicht geht! In allem! Da beziehe ich auch die Bevölkerung ein.
      Beziehen Sie in Ihren „immer noch mehr“-Stopp bitte doch auch die Bevölkerung mitein; natürlich weltweit, die alles zerstört, und wir von BL/BS machtlos sind; ABER beziehen Sie es doch bitte auch auf die Schweiz, wo letztes Jahr wieder rund 50´000 Personen mehr leben. Alle sagen: Das ist ja nicht viel…. Doch Sie wissen auch genau, dass dies klemmt. (Probleme mit Verkehr, Bahn, Erholung, aber auch Wohnen wird knapp). Verdichtungs-Lösungswort? Nein, denn Käfighaltung macht krank. Und die schon krank sind lechzen alle nach Ruhe und Luft. Verdichten macht uns alle krank. PS: Ich bin auch sehr, sehr gegen die Zersiedelung. Aber bitte bitte ehrlich: Die Grünen sagen, Verbetonierung und uferlose Zuwanderung hätten NICHTS, aber auch garnichts miteinander zu tun. Das ist einfach unehrlich und stimmt nicht, siehe div. Studien. Das macht mir die Grünen wieder unwählbar. (…und natürlich auch Guy-Morins-Airport-Liebe, Ausbauförderer und „Grüner-nicht-in-Frage-Steller“ des Flugwahnsinns!) Auch wenns Stupid rüberkommt: Alle Parteien wollen immer mehr. ALLE stellen dies nie in Frage nach einem Masshalten, einem Halt. Die einzige Partei, die manchmal auch gegen CEO´s fährt, gegen grenzenlosen Handel mit Waren und Menschen, für Eigenbrötlertum (in Gutem) ist die SVP. Schauen sie die letzten Initativen an, wer gebietet in der CH noch der Wirtschaft Einhalt? Masshalt? Und alle wettern dann wieder, die SVP sei wirtschaftsfeindlich und wohlstandsfeindlich. Kann sein – aber ist das jetzt (zu Greta-Thunbergs-Zeiten) eher verletzend oder ein Lob und Auszeichnung?! Parteilinien und Grenzen sind bei mir schon lange weg. Ich Denke frei und stimme so, wie es für mich stimmt, egal ob SVP oder (manchmal gar) SP. So verändert sich die Parteienwelt, und mit ihr die ganze unsere Welt.

      1. Wenn ich von einer Politik schreibe, der es an fachlicher und menschlicher Kompetenz und Konsequenz fehlt, meine ich nicht nur die Politik der SVP. Folgende drei Sätze aus der Rede von Greta Thunberg sind mir speziell unter die Haut gegangen: „Solange ihr euch nicht darauf konzentriert, was getan werden muss, sondern darauf, was politisch möglich ist, gibt es keine Hoffnung … Wir können keinen Ausweg aus dieser Krise finden, wenn wir sie nicht wie eine Krise behandeln … Und wenn Lösungen in diesem System so schwer zu finden sind, dann müssen wir vielleicht das System ändern“.

  3. Es ist der Schuldkomplex, der Klima-Schuldkomplex.

    Ich bin unschuldig, aber du bist es (der/die bei Zalando einkauft, z.B. oder irgendein anderer absurder Gegen-Vorwurf).

    Seltsam, dass es so lange gedauert hat, bis mal einer diese Thema aufarbeitete, wo doch der «Schuldkomplex» die Schwierigkeiten bei der Klima-Problemkommunikation dominiert. Alles was da skurril ist, lässt sich durch den Schuldkomplex erklären, auch das Schweigen. Warum sollen wir über Dinge sprechen, die uns ein Sch-Gefühl geben? Natürlich nicht.

    Und woher kommt der Schuldkomplex? Von diesen verfluchten Klimapredigten und dem Personal Greenwashing, das stets damit einhergeht. Mehr Vorwüfe, mehr Greenwashing, mehr Schuldinduktion, mehr Schudabwehr, stets mehr Greenwashing, usw. Es ist ein Teufelskreis. Wir können den nur durchbrechen, wenn wir die Klimapredigten ablehnen und zurückweisen. Dieser Beitrag/Artikel geht in die richtige wichtige Richtung. Vielen Dank.

    http://klimaatelier.ch/preaching-accusation-guilt-denial-ignaz-semmelweis-climate-communication/

  4. Sehr geehrter Herr Zeidler
    bis zur Fussnote 4 habe ich ihren Text gelesen.
    Dass die Schüler nicht mehr das Altpapier einsammeln haben nicht sie bestimmt. Das waren
    Erwachsene ( meistens Gemeinderäte). Also bleiben
    sie sachlich wenigstens bei diesem Punk.

  5. Herr Zehnder: Danke für Ihre Ausführungen. Ich habe den Eindruck, dass Ihre Zeilen jeweils nicht nur in ein paar wenigen Stunden gedeihen und niedergeschrieben sind. Ich mag sie lesen, weil sie mir in einer guten Länge gute Gedankenanstösse geben. Ihre Beiträge bringen mich weiter!

    Herr Zweidler: Ich bin immer wieder erstaunt, wie rasch Sie auf den Newsletter mit einem neuen Thema reagieren können! Ich würde jeweils mehr Bedenkzeit benötigen, um was Schlaues zu entgegnen. Ihre ausschweifenden langwierigen Zeilen mag ich allerdings selten bis zum Schluss lesen, weil das Leben einfach zu kurz ist und der Inhalt (auch wenn dieser grundsätzlich Fakten enthalten kann!) zumindest mich ohnehin nicht weiterbringt. Vielleicht hätten ja eigentlich auch Sie ganz interessante und konstruktive Ideen. Aber dann würde ich diese kurz und prägnant halten. Und vor allem konstruktiv und mit dem Ziel, uns weiterzubringen. Bisher war dies nie der Fall (oder vielleicht habe ich mal was übersehen).

    Herr Vogelsanger: Man muss nicht studiert haben um zu verstehen, dass der Mensch seine Lebensgrundlage zerstört und so seine Existenz gefährdet (egal ob Klima oder Mikroplastik oder Ressourcen etc) Auch ich bin kein Engel und mache vieles nicht „richtig“, aber das hält mich doch nicht davon ab zu versuchen, unseren Lebensstil zu verändern. So ganz einfach ist das isoliert ohnehin nicht. Aber deswegen gegen „Klimaprediger“ zu wettern und hetzen, bringt uns auch nicht weiter. Ich wüsste nicht, wo wir heute stünden, wenn es diese „Prediger“ nicht gäbe. Von alleine wäre z.B. die SVP wohl nicht auf die Idee gekommen, ökologisches Bauern zu fördern. Zumindest wer Kinder hat, sollte meiner Meinung nach nicht einfach aufgeben. Und wer keine Kinder hat tut gut daran zu versuchen, dass diese in einer bestmöglichen Welt leben können; und unsere Rente bezahlen.

  6. Herr Waldhauser: Bevor Sie meinen Kommentar beurteilen und verurteilen, sollten Sie sich bitte die Zeit nehmen, zu lesen, was ich schreibe, oder wenigstens den Versuch machen, zu verstehen, was ich mit klimapredigen meine — oder damit eben nicht meine. Ich gebe zu, dass mein Artikel nicht gerade kurz ist, aber ich habe leider feststellen müssen, dass dieses Problem nicht in Kürze abgehandelt werden kann, um zu überzeugen.

    Oft ist es leider gar nicht möglich, die Leute zu überzeugen, die an Klimapredigten glauben. Sie glauben u. a. daran, da sie schon lange selbst klimapredigen oder auf die Predigten eingehen, indem sie sich von Schuld (und leider meist auch Pflicht) befreien, wenn sie sich einbilden, einen nachhaltigen Lebensstil zu führen.

    Ich habe nichts dagegen, wenn Sie ihren Lebenswandel anpassen, so lange Sie sich dennoch unvermindert in gesellschaftlich relevanter Weise engagieren. (Was aber viele eben genau nicht tun. Sie geben sich lieber und bequemer mit dem selbstzentrierten, wirkungslosen Ansatz zufrieden.)

    Aber, wenn Sie Ihren Lebenswandel anpassen, dann behalten Sie es doch einfach bitte für sich. Verkaufen sie es bitte nicht als Lösung. Und auch nicht als «Beitrag», denn, auch als vielbeschworenen «Beitrag» sind Ihre Lebensstil-Taten oder Ihr Verzicht total unbedeutend.

    Wenn sie den Lebensstil-Ansatz aber bewerben, aus was für Motiven auch immer, sind Sie ein Klimaprediger und verursachen all die Probleme mit, die im langen Artikel beschrieben sind, besonders gravierend sind die Leugnung und die Klimastille. (Hier ist nochmals der Link: http://klimaatelier.ch/preaching-accusation-guilt-denial-ignaz-semmelweis-climate-communication/ )

    Es gibt aber, für wer keinen gründlichen Artikel in Englisch lesen mag, einen kürzeren, der zumindest einen Teilaspekt der Probleme mit Klimapredigten erläutert: http://klimaatelier.ch/klimasuende-klimapredigt-schuldinduktion-klimaruhe-klimaleugnung

  7. Auch für den Klimaschutz – ich erlebe es ganz konkret beispielsweise im Zusammenhang mit dem Flugverkehr vom EuroAirport Basel Mulhouse – ist das Problem nicht, dass die Verantwortlichen nicht wissen, was getan werden muss, sondern dass sie es nicht tun. Oder wie es Greta Thunberg sagt: Wenn das Haus brennt, muss man handeln und löschen … nicht diskutieren.

  8. Lieber Herr Vogelsanger
     
    Ich habe „nur“ Ihren Kommentar zum Newsletter gelesen; und bewertet. Den ausführlichen Artikel habe ich noch nicht gelesen, aber mittlerweile Ihre Homepage besucht. Wenn der Eindruck nicht täuscht, stellen Sie die Problematik um den Klimawandel ganz und gar nicht in Frage. Ich werde mir gelegentlich gerne die Zeit nehmen um zu erfahren, wie Sie denn mit dem Thema umgehen würden.
    Damit Sie mich nicht falsch verstehen: Üblicherweise versuche ich im Rahmen meiner Meinungsbildung immer beide Seiten zu verstehen, aber auf belanglose Wiederholungen verzichte ich aus Zeitgründen manchmal. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass mich anders Denkende vielfach viel weiter bringen als Gleichgesinnte. Denn andere Meinungen spornen mich an, meine Sichtweisen zu überprüfen und ggf. weitere Argumente zu entwickeln. Vielleicht hätte in Ihrer Reaktion auf den Newsletter von Herr Zehnder (mir) geholfen, wenn Sie Ihr „wettern“ gegen Klimaprediger so formuliert hätten, dass Sie in der Sache zwar ähnlicher Meinung sind, aber einfach einen völlig anderen Umgang mit der Herausforderung empfehlen. Klimaprediger wegen ihren zumindest im Grundsatz gut gemeinten Gedanken zu verfluchen, finde ich auch nicht förderlich und könnte Ihrem Wunsch, Gehör für Ihre Ideen zu finden (und wer weiss, wer „Recht“ hat), eher nachteilig sein; weil Sie brüskieren. Vielleicht könnten Sie mit einer wohlgesinnten Einstellung denen gegenüber diese letztendlich auch noch für Ihre „Strategie“ gewinnen – und das wäre doch eigentlich das Ziel!

    Wie auch immer – danke für Ihr Engagement und vielleicht lesen Sie wieder mal von mir, wenn ich Ihren ausführlichen Artikel lesen und mir Gedanken darüber machen konnte!

    Freundlichen Gruss und alles Gute, Stefan Waldhauser

  9. Lieber Herr Waldhauser

    Vielen Dank für ihre positive und nützliche Antwort. Das Problem des Brüskierens ist mir sehr bewusst. Besonders deshalb habe ich spät noch ein Vorwort zum Artikel geschrieben (im sehr langen Artikel in Englisch), wo ich dieses Problem thematisiere.

    Ich hatte auch lange gezögert, das Wort Klimapredigt einzuführen (und noch länger das wahrscheinlich noch offensivere „Personal Greenwashing“). Und ich stelle fest, dass der Begriff Klimapredigt tatsächlich zu oft missverstanden wird. Ich bewundere Ihre Offenheit. Falls Sie auch direkt kommunizieren möchten, können Sie dies sehr gerne tun mit: vorname ät nachnahme punkt ch.

    Freundliche Grüsse P

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