Ein Handschlag, Boulevardmedien und Boulevardpolitik

Der Anlass war eine Bagatelle: Zwei Teenager in Therwil haben sich geweigert, ihrer Lehrerin die Hand zu geben. Wären die beiden zwei eingeborene Leimentaler, Buddhisten, Hinduisten oder Zeugen Jehowas gewesen, hätte es ein Gespräch mit den Eltern gegeben und einen Samstag mit dem Abwart gesetzt. Aber die beiden Buben sind Muslime. Und also setzte eine mediale Hexenjagd ein.

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Am Sonntag fing es an: Die Zeitung «Schweiz am Sonntag» brachte die Geschichte vom verweigerten Händedruck in Therwil als dreispaltigen Aufmacher auf der Titelseite. Der «bz» war die Geschichte am Montag ein vierspaltiger Leitartikel auf der Frontseite wert. Bei der «BaZ» wars am Montag ein Einspalter auf der Titelseite und ein Vierspalter im Blatt. Am Montag Abend schaltete sich Bundesrätin Simonetta Sommaruga über die Sendung «10vor10» in die Debatte ein: «Dass ein Kind der Lehrperson die Hand nicht gibt, das geht nicht», sagte Sommaruga zu «10vor10». Der Handschlag sei Teil unserer Kultur, gehöre zum Alltag in unserem Land.

Danach brachen alle Dämme. «BaZ» und «bz» haben dem Thema seither zusammen netto rund zwölf (!) Zeitungsseiten gewidmet. Die «bz» hat das Thema diese Woche zwei Mal vierspaltig und einmal sogar fünfspaltig auf der Titelseite gebracht. Die BaZ war auf der Titelseite zurückhaltender – aber nur auf der Titelseite. Natürlich haben auch «20 Minuten» und «Blick» mitgemischt. Letzterer veröffentlichte sogar Bilder vom Facebook-Profil eines der Schüler. Titel: Dieser Muslim­Teenie diktiert dem Rektor die Regeln. In einem anderen Artikel titelte der «Blick» Auf bestem Weg zum Extremisten und fragte: Sind die Handschlag­Verweigerer aus Therwil BL Anhänger des IS? Auch die Schule bekam im «Blick» ihr Fett weg: So redet sich der Rektor raus titelte die Zeitung.

Die Handschlag-Affäre beinhaltet wie im Schulbuch alle Elemente, die es braucht, damit Journalisten und Politiker den gesamten gesunden Menschenverstand über Bord werfen:

  • Das SRF hat mit der «Arena»-Sendung vom letzten Freitag einen nationalen Empörungsboden gelegt.
  • Die Akteure (die beiden muslimischen Buben aus Therwil) lassen sich im gegenwärtigen, politischen Kontext problemlos zu Bad Boys stilisieren.
  • Der Händedruck lässt sich wunderbar «vertiefen» mit Hintergrundseiten über Begrüssungsrituale (eine Seite in der «BaZ» am Mittwoch) oder Schulpolitik (eine Doppelseite in der «bz» am Dienstag).
  • Es gibt jede Menge Fortsetzungen, von Experten sind besorgt (SRF am Mittwoch) über Eltern sind besorgt («BaZ» vom Donnerstag) bis zu Politiker fordern Konsequenzen («bz» vom Donnerstag).
  • Und oben drauf gibt es heute Abend eine «Arena»-Sendung auf SRF zum Thema.

Das funktioniert so lehrbuchmässig, weil der Auslöser der Affäre alle Kriterien erfüllt, die ein solcher Auslöser im Lehrbuch erfüllen muss: Ein verweigerter Handschlag ist symbolträchtig, das Empörungspotenzial ist gross, es gibt nationalen, ja internationalen Kontext, der sich (IS!) nach Belieben emotionalisieren und dramatisieren lässt. Dazu kommt: Die Schule ist involviert (und damit eine Stellvertreterin für den Staat und die Gesellschaft), es geht um das Verhältnis von Männern und Frauen, von Jugendlichen und Autorität, von muslimischen Einwanderern und Schweizer Gepflogenheiten. Und das beste daran: Ein Handschlag ist so simpel, dass jeder versteht, um was es geht.

Natürlich ist das, was geschehen ist, völlig irrelevant. Es hat keinerlei Konsequenzen, es ist niemand zu Schaden gekommen. Schaden hat erst die massive Medienkampagne angerichtet. Der verweigerte Handschlag ist ein Symbolproblem. Die Berichterstattung darüber ist Symbolberichterstattung und die Politiker werden daraus Symbolpolitik machen. So, wie das bei der Minarettinitiative der Fall war und wie es bei der Burka-Verbotsinitiative der Fall sein wird. Kurz: Boulevardmedien führen zu Boulevardpolitik.

Boulevard meint hier, dass sich Medien und Politiker nicht um die wirklichen Probleme kümmern, sondern um Scheinprobleme. Das erinnert mich an eine Geschichte von Paul Watzlawick, an die Geschichte vom Mann, der mitten in der Nacht unter einer Strassenlaterne nach seinem Schlüssel sucht. Ein vorbeikommender Polizist fragt ihn, was er da mache. Als der Polizist hört, dass der Mann seinen Schlüssel sucht, beginnt er, ihm zu helfen. Nach einer Weile fragt der Polizist den Mann: «Sind Sie sicher, dass Sie den Schlüssel hier verloren haben?» «Nein» antwortet der Mann, «verloren habe ich den Schlüssel da hinten» und zeigt dabei mit dem Finger ins Dunkle. «Warum suchen wir dann hier?», fragt der Polizist. Darauf antwortet der Mann: «Weil es dort hinten kein Licht gibt.»

Medien und Politiker beschäftigen sich nicht mit dem Handschlag-Problem, weil es wichtig ist, sondern weil es verständlich ist und Empörungspotenzial hat. Es bringt Aufmerksamkeit. Und Journalisten und Politiker umflattern das Licht der Aufmerksamkeit wie Mücken eine Strassenlampe. Deshalb suchen sie die Probleme da, wo es Licht hat und nicht da, wo sie sich stellen.

Ein normaler Redaktor entgegnet darauf schulterzuckend: Wir bringen das, was die Leute lesen wollen. Der Handschlag von Therwil hatte sensationelle Klickzahlen, da mussten wir nachlegen. Das ist etwa so, wie wenn ein Dealer vor Gericht sagen würde: Ich weiss nicht, warum Sie sich aufregen, Euer Ehren, meine Kunden wollten das Heroin, da hab ich halt geliefert. In der Politik tönt es genau gleich. Zum Beispiel nach der Minarettinitiative: Die Tatsache, dass die Initiative angenommen wurde, beweist, dass eine Mehrheit der Schweizer Minarette als Problem betrachten. Das ist bigotte Boulevardpolitik.

Und jetzt? Der Schaden ist angerichtet. Wenn die beiden Jungs nicht aus religiösen Gründen gehandelt haben, dann hatten sie die beste Woche ihres Lebens. Stellen Sie sich das mal vor: Sie geben ihrer Lehrerin die Hand nicht und der Bundesrat reagiert darauf. High Five! Wenn die beiden Jungs aus religiösen Gründen gehandelt haben, also aus innerer Überzeugung, dann hat sich ihr Problem jetzt zur Krise verschärft.

Heute Abend fragt die «Arena» auf SRF: Ist das die Spitze des Eisberges eines Integrationsproblems oder nur ein Einzelfall? Und: Hat Religion überhaupt etwas an den Schulen verloren? Natürlich ist der verweigerte Handschlag von Therwil ein Einzelfall. Es ist ein Problem zwischen der Lehrerin und ihren Schülern und soll auch in diesem Rahmen gelöst werden. Natürlich hat Religion etwas an den Schulen verloren. Genauso, wie Vegetarismus und Anorexie, Hormone und Blutdruck, Gefühl und Ratio. Es sind alles Aspekte des Menschen, die er nicht an der Schulgarderobe abgeben kann. Ziel der Schule im Sinn der Aufklärung ist aber, dass sich der Mensch nicht von einem einzelnen Aspekt entmündigen lässt, sei es nun die Religion oder ein Hormon. Ziel der Schule sollte es sein, den Menschen den Weg aus der Unmündigkeit zu zeigen. Dazu gehört aber auch, dass Schüler ab und zu einen Fehler machen, übers Ziel hinausschiessen, den Kopf anschlagen. Das muss die Schule aushalten – auch wenn es muslimische Schüler sind.

Ein kleiner Nachtrag: Der «Blick» hat mit dem Basler Journalisten Peter Ziegler gesprochen, der Mitglied der König-Faysal-Stiftung ist und die betroffene Familie gut kennt. Laut Ziegler haben die Jungs den Händedruck nicht aus religiösen Gründen verweigert, sondern aus Protest: «Die Ursache war ein Streit auf einer Schulreise», sagt Peter Ziegler (69) gegenüber «Blick». Auf der Klassenfahrt sei es zwischen den Buben und einer Lehrerin und einem Lehrer zum Streit gekommen: «Es ging um den Islam. Der Lehrer hat die Burschen massiv angegriffen und ist ausfällig geworden.» Auch der Prophet Mohammed soll mit unflätigen Worten bedacht worden sein. «Daraufhin haben die Brüder gesagt, dass sie beiden Lehrpersonen nicht mehr die Hand schütteln wollen», sagt Ziegler. Es sei nie um alle weiblichen Pädagogen gegangen, sondern nur um die beiden Lehrer.

Wie gesagt: ein Einzelfall.

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12 Kommentare zu Ein Handschlag, Boulevardmedien und Boulevardpolitik

  1. Luka Takoa sagt:

    Lieber Matthias Zehnter
    Ich schätze Ihre Kolumnen sehr und habe sie immer in der BZ und jetzt als Newsletter genossen.
    Nun mögen Sie ja Recht haben betreffend Boulevard-Journalismus und -Politik. Mit Ihrem Fazit „ein Einzelfall“ kann ich mich jedoch mit bestem Wille gar nicht anfreunden. Auch mit der Aussage zwischen den Zeilen, dass die Lehrer ja wegen ihrer kritischen Haltung zum Islam selbst Schuld an der „Abstrafung“ seien, bekunde ich einige Mühe. Für mich ist dies das gleiche Argument wie jenes, dass die Frauen im Minirock ja selbst Schuld seien an ihrer Vergewaltigung (Sie könnten ihren Körper ja verdecken …). Warum ignorieren Sie die Tatsache, dass andernorts Karikaturisten, Blocker und Filmemacher, die den Propheten „beleidigen“, auf offener Strasse von Salafisten ermordet und damit Kritiker mundtot gemacht werden? (http://edition.cnn.com/2016/04/07/asia/secular-bangladeshi-writer-murdered/index.html)
    Wir können doch nicht die weltweite Bewegung des totalitären Islamismus unerwähnt lassen, der von Pakistan über Iran und Saudi Arabien bis nach Nigeria seine gesellschaftlichen Regeln durch Säuberungen der beherrschten Gebiete mit der Scharia, mit Auspeitschenden von Andersdenkenden, öffentlichen Hinrichtungen von Atheisten, Steinigungen von Frauen, Zerstörung von Kulturgütern und Terroranschlägen politisch durchsetzt und durchsetzen will (https://www.amnesty.ch/de/themen/todesstrafe/dok/2016/dramatische-zunahme-der-weltweiten-hinrichtungen).
    Wir können doch nicht unerwähnt lassen, dass der Vater dieser beiden Jungs Imam und Prediger in einer von Saudiarabischen Kräften finanzierten Moschee ist (http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/verweigerter-handschlag-mit-saudischer-praegung/story/29303608).
    Und wir können doch nicht unerwähnt lassen, dass der fanatische Islamismus ein vollständig anderes Menschen-Rechts-Bild hat als jenes, welches aus der Aufklärung stammt und für uns und die Vereinigten Nationen zur Leitlinie geworden ist. In der islamistischen Erklärung der Menschenrechte von 1990 wird nicht das Individuum vor dem Staat, sondern der Gottesstaat vor Atheisten, Homosexuellen und aufmüpfigen Frauen „geschützt“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Kairoer_Erklärung_der_Menschenrechte_im_Islam). Eine Verharmlosung all dieser Tatsachen steht Ihnen schlecht an.
    Ich jedenfalls stelle mich auf die Seite der fortschrittlichen Moslems (http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/diverses/wir-duerfen-unter-keinen-umstaenden-den-politischen-islam-verharmlosen/story/28254255) und falle den unzähligen Opfern des politischen Islams nicht in den Rücken.
    Mit freundschaftlichen Grüssen Luka Takoa (www.facebook.com/Luka.Takoa)

    • Lieber Luka Takoa

      Mit Ihren Beispielen haben Sie selbstverständlich recht. Aber darüber schreibe ich nicht. Indem Sie den verweigerten Handschlag auf dieselbe Ebene stellen wie die Menschenrechtsverletzungen in Saudi-Arabien, den Terror in Pakistan und den Religionskrieg in Syrien, lesen sie ihn symbolisch. Dagegen wehre ich mich. Ein symbolisches Problem so hoch zu hängen, ist nicht verhältnismässig, in einer Woche, in der die Panama Papers veröffentlicht wurden, Mühleberg eine Abschalt-Strategie bekannt gab, Deutschland vor Erdogan einknickt etc. Anders gesagt: Ich führe hier keine Religionsdiskussion, sondern eine Mediendiskussion und ich wehre mich gegen Symboljournalismus, dem es nur um eines geht: um Aufmerksamkeit.
      So oder so: Danke fürs aufmerksame Lesen und die Reaktion und ein wunderbares Wochenende.
      Ihr Matthias Zehnder

      • Luka Takoa sagt:

        Lieber Matthias Zehnder
        Ich stelle Handschlag-Verweigerung und Massenenthauptungen in Saudi-Arabien sicher nicht „auf dieselbe Ebene“, aber ich sage klar, dass diese beiden „Ereignisse“ Teil derselben reaktionären wahhabitischen islamistischen Strömung sind.
        Wie aus einem symbolischen Problem „plötzlich“ ein handfestes wird, zeigt uns die Entwicklung in Belgien, welche eben auch niemand je diskutieren wollte: http://www.deutschlandradiokultur.de/salafismus-in-bruessel-guenstiges-oel-gegen-radikale.2165.de.html?dram%3Aarticle_id=338014.
        Schlussendlich, wenn Sie eine Mediendiskussion führen möchten, warum gehen Sie nicht auf die Umkehrung der Schuldfrage durch Herrn Ziegler ein, wie sie überall von diesen Kreisen gemacht wird, um sich als Opfer darzustellen und Vergeltung zu rechtfertigen?
        Recht gebe ich Ihnen natürlich, dass es Dutzende von anderen Themen gibt, die auch gewürdigt werden müssen.
        Ich danke Ihnen für Ihre Offenheit und wünsche ein wunderbares Wochenende.
        Luka Takoa

  2. Ernst Feurer sagt:

    Lieber Mathias Zehnder
    Wenn ich im Ausland bin, dann passe ich mich den landesüblichen Sitten an.
    Aus Respekt und weil ich Gast bin. Selbst in der Schweiz ziehe ich die Schuhe aus, wenn
    ich eine Moschee besichtigen will. So einfach ist das.
    Mit besten Grüssen

    Ernst Feurer

    • Lieber Ernst Feurer

      Da haben Sie absolut recht. Aber würde sich der Bundesrat einschalten, wenn Sie es nicht tun? Aktion (verweigerter Handschlag im Schulzimmer) und Reaktion (in den Medien und in der Politik) stehen hier in einem krassen Missverhältnis. Das gibt mir zu denken und das ist das Thema des Kommentars. Übrigens: Wir mussten seinerzeit im Gym dem Lehrer nicht die Hand geben, sondern aufstehen. Es gab ein Lehrer, bei dem ich jeweils sitzen blieb, weil ich ihm keinen Respekt zollen wollte. Das gab Krach. Aber nicht einmal bis zum Rektor, sondern nur bis zum Klassenlehrer. Es ist ein problem zwischen Lehrern und Schülern und da soll es auch bleiben.

      Danke für den Kommentar und ein wunderbares Wochenende
      ihr Matthias Zehnder

      • Ueli Keller sagt:

        Lieber Matthias Zehnder
        Erfahrungen mit der Verweigerung von bedingungslosem Respekt habe auch ich. Zum Glück: Mit den Karrieren, die ich mir dadurch vermasselt habe, wäre ich heute töter als tot.

  3. Werter Luka Takoa,

    Sie behaupten: „Wir können doch nicht unerwähnt lassen, dass der Vater dieser beiden Jungs Imam und Prediger in einer von Saudiarabischen Kräften finanzierten Moschee ist.“ Diese Behauptung ist unwahr.

    Als deutscher Auslandskorrespondent in Basel und als Muslim besuche ich die Faysal-Moschee. Sie wird nicht von Saudi-Arabien finanziert sondern von einem Kaufmann aus Genf. Sie dient allen sunnitischen Muslimen im Dreyland am Rheinknie und steht religiös allen Glaubensrichtungen offen, nicht aber Daesh (IS) und anderen Dijadisten. Der Moscheevorsteher, Nabil Arab, ist in der Stadt und der Region geschätzt. Er besorgt mit seinem Team die rituellen Bestattungen der Muslime.

    In 13 Jahren, solange bin ich immer wieder einmal in der Moschee gewesen, gab es nie radikale Predigten oder Veranstaltungen. Schon der Versuch dazu wurde sofort unterbinden. Die Freitagspredigt wird in arabisch gehalten und danach in Deutsch wiederholt.

    Herr Takoa, ich lade Sie gerne in die Faysal-Moschee ein.

    Salam, Peter Ziegler

    • Luka Takoa sagt:

      Lieber Herr Ziegler
      Besten Dank für Ihre Einladung.
      Als Korrespondent und Moschee-Besucher wissen Sie genau, dass die Faisal-Stiftung während Jahren direkt oder indirekt durch den saudischen Staat unterstützt wurde. Danach und seither wird die Moschee von einem «anonymen Gönner» der Islamischen Weltliga finanziert. Stiftungsratspräsidenten ist Kamal Merghelani, ein Mann saudiarabischer Herkunft. Also, meine Behauptung ist nicht „unwahr“.
      Als Schreckbild brauche ich nicht den IS, Saudi Arabien reicht mir. Dieses Land ist der Inbegriff des politischen Islams, der eben seine reaktionären Ideen mit Hilfe staatlicher Macht gegen alle andern durchsetzt. Seine Ablehnung der international anerkannten Menschenrechte und der Versuch, diesen die islamischen Menschenrechte entgegenzustellen (Kairoer Konferenz 1990) ist unvereinbar mit meinen demokratischen politischen Ansichten. Wenn Sie und Nabil Arab sich klar von diesem (immerhin von 45 Vertretern islamischer Staaten unterzeichneten) Dokument distanzieren, werde ich Ihre Einladung gerne annehmen.
      Freundliche Grüsse
      Luka Takoa

  4. Ueli Keller sagt:

    Herausforderungen wie sie auf unserer Welt beispielsweise mit den Flüchtlingsströmen bestehen, lassen sich nur chancenreich meistern, wenn möglichst alle sich gemeinsam und nach je ihren besten Kräften an der Lösung von Problemen beteiligen, die dabei auftauchen können bzw. müssen. Lösungen sind nur nachhaltig, wenn davon möglichst alle profitieren können, und wenn dafür weniger anstatt noch mehr Ressourcen gebraucht werden. Wer nur die andern verpflichtet sieht, sich zu bewegen und etwas zu tun, dabei selber still stehen und sogar nur profitieren will – und dies erst noch auf Kosten von zusätzlichen Ressourcen – verhält sich enorm bis total schädlich. Nationen, Parteien, Regierungen, Religions- und andere Gruppierungen sowie auch Medien, die einen solchen entwicklungs- und lernfeindlichen Kurs fahren, gefährden unser Leben und unsere Zukunft. Dies auch und erst recht, wenn sie dabei in der Mehrheit sind.

  5. Lorenz Egeler sagt:

    Lieber Mathias Zehnder,
    ein Grossteil der breiten Empörung über die ganze Angelegenheit entsteht nicht nur aufgrund billiger Berichterstattung. Sie wurde doch im Wesentlichen durch peinliche Reaktionen der zuständigen Behörden befeuert, angefangen bei der Schulleitung, welche offenbar nicht fähig war eine gewisse Haltung zu wahren und das Problem mit pädagogischen Mitteln zu lösen. Die Reaktion der Erziehungsdirektorin, welche sich hinter einem Rechtsgutachten verstecken will, um sich selbst aus der Schusslinie zu nehmen, ist für viele Leuten schlicht empörend, unverständlich und harmlos ausgedrückt einem Exekutivamt nicht angemessen. Solches Verhalten zeigt erschreckend auf, in welchem Zustand sich Behörden in Anbetracht populistisch hochgespielter Probleme befinden. Dass schlussendlich auch eine Bundesrätin und Justizministerin sich dazu hinreissen lässt, so aus dem Bauch heraus ihrer Entrüstung freien Lauf zu lassen, ist mir Beweis für den Zustand unseres Landes, für die Nervosität der Politik im Anblick offenbar unlösbarer Probleme. Insofern ist das, was da geschieht nicht nur billige Journalistenmache, sondern Zeichen unserer Zeit. Dass die Presse daraus macht, was Geld bringt, wissen wir ja.

    Herzliche Grüsse, Lorenz Egeler

  6. Thomas Zweidler sagt:

    Ich war letzte Woche am Elisabethen-Kirche-Stadt-Gespräch, wo es um „Journalismus“ ging, anwesend. Dort talkten die 3 Chefredaktoren (Christian Degen von der Tageswoche, David Sieber von der BZ Basel und Markus Somm von der BaZ) in der heiligen Halle der Kirche „was ist guter Jornalismus, was bringen wir, was interessiert, Dichtung und Wahrheit usw usw…“
    Natürlich wurde zufällig auch über den Fall Therwil und die Medien gesprochen.
    Zwei Sachen, ersteres von den Chefredaktoren unisono: Es gäbe immer andere Themen, über die man auch berichten könnte – Sie, Herr Zehnder, führten z.B. Mühleberg-Abschaltung, Panama-Papers auf…. Die drei anwesenden Chefredaktoren liessen dieses Argument nicht zu, dies mit den „anderen Themen“ sei ein absolutes Killerargument, das nicht ziehe…
    Und Zweitens eine Gedankenanregung aus dem Publikum: „Wehret den Anfängen, irrelevant ist dies nicht, die Wiedereinführung von getrennten Klassen zwischen Buben und Mädchen könnten, wenn sich der Weg so weiterentwickelt, die Folgen sein“ sowie (etwas stammtischig – aber wahr) wendete ein Besucher ein, „ob dann die Familie auch so Handberührungsängste habe, wenn ihnen monatlich auf den Gemeindebüro von der Angestellten die Sozialhilfe überreicht werde, oder ob sie ihr Sozialhilfegeld dann wegen Berührung ausschlägen…“
    Interessante Gedanken, ich finde, der Abend hat sich gelohnt. Schade, das Sie nicht anwesend waren – jeder konnte dort noch etwas lernen.
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  7. Georges Tschopp sagt:

    Lieber Herr Zehnder
    Ich komme zwar spät, möchte mir aber trotzdem noch für den erhellenden Kommentar bedanken.
    Mir kam die ganz Geschichte von Anfang an etwas „gspässig“ vor. Nehmen wir mal an, die Jungs hätten den Handschlag aus religiösen Gründen verweigert. Da wäre für mich die richtige Reaktion der Lehrerin gewesen, mit den beiden unter „6 Augen“ eine Lösung zu suchen. Die könnte darin bestehen, dass die Teenager beim Eintreten „Guten Morgen Frau XY“ sagen. Und damit hat’s sich. Die Zeiten, in der ein Schüler dem Lehrer jeden Morgen „demütig“ die Hand zu schütteln hat, war bei uns (in einer kleinen Landgemeinde) schon vor mehr als 50 Jahren vorbei.
    Nehmen wir an, dass dabei auch noch das Bild der „minderwertigen Frau“ im Spiel war. Dieses Bild wäre bei den Knaben durch einen erzwungenen Handschlag sicher nicht besser geworden.
    Falls da aber wirklich noch eine weitere Geschichte dahinter stecken sollte, macht ich hinter die pädagogischen Talente der involvierten Lehrpersonen ein noch grösseres Fragezeichen.

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