Ein paar Rechnungen für die Kritiker von Herrn Wessels

Nachdem Hans-Peter Wessels am Donnerstag von der gesamten Autolobby der Region wieder einmal auf die Kappe erhalten hat, weil er den Automobilisten «düstere Aussichten» biete und überhaupt auf autofeindlich mache, benutzen wir den Wochenkommentar, um gemeinsam etwas zu rechnen. Zunächst schauen wir uns dafür einmal die aktuellen Zahlen an (sie stammen aus dem statistischen Jahrbuch 2014). Demnach waren Ende 2013 im Kanton Basel-Stadt 70’176 Motorwagen zugelassen. Davon waren 62’327 Personenwagen (vulgo: Autos). Der Rest verteilt sich auf Lieferwagen, Lastwagen und Busse.

Eine sieben Autos hohe Mauer

Im Durchschnitt ist ein Auto heute 4,9 Meter lang. Bei etwas über 60’000 Autos in der Stadt Basel ergibt sich damit ein Platzbedarf für all die Karren von rund 300 Kilometern Länge. Die Gesamtlänge der Kantonsgrenze beträgt 43,172 Kilometer. Der Kanton Basel-Stadt könnte sich also mit den im Kanton immatrikulierten Personenwagen rundherum einmauern. Diese Basler Mauer hätte eine Höhe von sieben Autos.

Wenn wir davon ausgehen, dass ein Parkplatz im Schnitt 5 Meter lang und 2,35 Meter breit ist, dann benötigen die in Basel-Stadt eingelösten Autos fast einen Quadratkilometer Parkfläche, also etwa ein Sechstel der gesamten Verkehrsfläche von 5,85 Quadratkilometern, die in der Stadt Basel zur Verfügung steht. Ein durchschnittliches Auto ist heute 4,9 Meter lang und 1,9 Meter breit. Würde man alle Autos des Kantons Stossstange an Stossstange und Tür an Tür parkieren, würden die Wagen eine Fläche von 600’000 Quadratmetern belegen, mehr als einen halben Quadratkilometer.

Neben den Autos, die in der Stadt eingelöst sind, hat es natürlich viele Autos, die nur durchfahren. Im Durchschnitt donnern an einem Werktag rund 90’000 Autos auf der A2 über die Schwarzwaldbrücke. Werktags etwa um 16 Uhr sind also zahlenmässig sämtliche Autos des Kantons einmal über die Brücke gefahren. Wenn wir einen Blick in diese Autos werfen, stellen wir fest, dass in den meisten Wagen nur eine Person sitzt. Das ist natürlich höchst ineffizient: Nicht nur schleppt da jede dieser Autopersonen etwa eine Tonne Blech mit sich herum, die armen Automobilisten müssen auch noch auf ihre Blechtonne aufpassen wie die Häftlimacher. Während sich die Passagiere im öffentlichen Verkehr der Zeitungslektüre hingeben, Musik hören oder einfach etwas dösen können, weil sie von einem Profi gefahren werden, sind Autofahrer zum allergrössten Teil Selbstfahrer. Eingeklemmt hinterm Steuerrad, festgezurrt durch Sicherheitsgurte, schauen sie mit starrem Blick durch die Windschutzscheibe und versuchen, ihr Gefährt auf dem rechten Weg zu halten.

Google hat die Lösung

Kein Wunder, arbeiten Google, die meisten Autohersteller und vielleicht auch Apple am selbstfahrenden Auto, das den armen Autofahrern wenigstens die mühselige Arbeit des Steuerns abnimmt. Computer arbeiten viel verlässlicher als Menschen, wenn es um das Steuern einer Maschine geht, deshalb werden sie die Menschen über kurz oder lang ersetzen. Wenigstens auf dem Fahrersitz. Deshalb, und weil es den Menschen künftig zu blöd sein wird, ihre wertvolle Zeit damit zu verbringen, auf ein schwarzes Strassenband zu starren.

Wenn der Computer das Auto steuert, muss nicht unbedingt jemand drinsitzen. Der Computer kann einem das leere Auto deshalb bringen, sodass man nur noch einsteigen muss. Allerdings macht es wenig Sinn, eine so leistungsfähige Maschine den ganzen Tag warten zu lassen. Viel effizienter wäre es, wenn es in der Stadt einen grossen Pool von solchen selbstfahrenden Autos gäbe, die immer im Dienst wären. Dann müsste man ein Auto nicht mehr besitzen, man würde sich einfach das passende Modell vor die Tür bestellen, wenn man eine Fahrt braucht, und sich vom Computer ans Ziel chauffieren lassen. Das würde einen grossen Teil des Parkplatzproblems grad auch noch lösen. Die Autos wären (wie heute viele Lastwagen) gar nie parkiert, sondern einfach immer unterwegs.

Unter diesen Vorzeichen ist es natürlich kurzsichtig, dem Kanton vorzuwerfen, er behandle das Auto schlecht. Denn die Stadt ist für die Menschen da. Und die brauchen früher oder später das Auto, wie wir es heute kennen, nicht mehr: Autos sind bloss eine Übergangslösung.

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