Schlagwort-Archive: Nationalismus

Warum der Lärm um den Doppeladler-Jubel scheinheilig ist

Eigentlich könnten die Schweizerinnen und Schweizer heute feiern. Die Schweizer Nationalmannschaft steht mit einem Bein im Achtelfinal: Gegen Costa Rica genügt jetzt ein Unentschieden. Eigentlich grossartig – aber: Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri haben nach ihren Toren einen Doppeladler gezeigt. Xhaka und Shaqiri fehlt die politische Sensibilität, rügt die NZZ die beiden Spieler in einem Kommentar. Die Aargauer Zeitung / bz Basel schreibt von einer Provokation und dass die beiden Fussballer damit die Diskussionen um Identität, um Herkunft und Heimat wieder neu entflammen. Und SVP-Natiuonalrätin Natalie Rickli schreibt sogar, sie könne sich nach dem Doppeladlerzeichen nicht richtig freuen, weil die beiden Fussballer ihre Tore ja offensichtlich nicht für die Schweiz, sondern für den Kosovo geschossen hätten:

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Eine Orange als Rezept gegen Nationalismus

Das wirksamste Rezept gegen Nationalismus ist Subsidiarität. Das ist zwar etwa so, wie wenn ein Steinerschüler den Schlägern im Quartier mit Eurythmie droht – trotzdem: Es ist der richtige Weg. Allerdings nicht nur gegen unten, sondern auch gegen oben. Und das muss die Schweiz zuerst noch lernen. Denn ausgerechnet die Schweiz, die sich als Musterschülerin der Subsidiarität gibt, tut sich bei Lichte besehen ausgesprochen schwer damit. Schuld daran sind die Orangenschnitze. Aber der Reihe nach.

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Heinrich Böll

Heinrich Böll war für viele Deutsche ein Stachel im Fleisch: Er lehnte die deutsche Nachkriegsordnung ab, blieb Zeit seines Lebens sozialkritisch und hellwach – und er war 1972 der erste Literaturnobelpreisträger der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg.

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Schafft die Nationalfeiertage ab!

Wir befinden uns mitten in der Saison der Nationalfeiertage: Am 4. Juli haben die USA gefeiert, heute, am 14. Juli, feiert Frankreich, am 1. August feiert die Schweiz. In allen Ländern sieht das ähnlich aus: Fahnen schwingen, Schultern klopfen, Reden, Trinken, Feuerwerk. Die Feiern übertünchen, dass die Nationen zufällige Produkte der Geschichte sind und dass wir heute eigentlich etwas ganz Anderes feiern sollten.

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Warum Selbstbestimmung nur gemeinsam geht

In unserem Land bestimmen wir! Auf diese Formel lassen sich die Forderungen bringen, die diese Woche Donald Trump in Polen, SVP-Präsident Albert Rösti in Bern und Oskar Kämpfer, der Präsident der Baselbieter SVP, in Liestal geäussert haben. Trump, Rösti und Kämpfer geht es um die Rettung der Selbstbestimmung. Aber die ist in vielen Bereichen längst futsch: In der Wirtschaft gilt das Recht des Stärkeren. Als Mittel dagegen hilft nur, das Recht zu stärken – doch das geht nur gemeinsam.

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Geschichte ist nicht Schicksal? Dann lasst uns eingreifen!

Wäre Adolf Hitler zu verhindern gewesen? Wäre Hitler heute zu verhindern? Auf jeden Fall. Geschichte ist kein unvermeidbares Schicksal. Wir haben unsere Geschichte in der Hand. So sah es der deutsch-amerikanische Historiker Fritz Stern. Seine wichtigste These war: Es hätte auch anders herauskommen können – wenn nur jemand die Verantwortung dafür übernommen hätte. Diese Woche ist Fritz Stern neunzigjährig in New York gestorben. Seine Mahnung bleibt bestehen.

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Fetisch Volk. Über die Karriere eines Begriffs bei Somm und Blocher

Sie kennen das: Wer von Atomkraft redet, ist gegenüber AKWs kritisch eingestellt, wer von Kernkraft spricht, sieht kein Problem darin. Auf ähnliche Weise machen die Wörter Volk und Bevölkerung die Position des Sprechers sichtbar: Wer von Bevölkerung redet, meint die Menschen, die in der Schweiz leben, wer vom Volk oder gar vom Schweizervolk redet, meint mehr. Was genau, ist oft nicht ganz klar. Der Begriff Volk hat in jüngster Zeit eine erstaunliche Karriere hingelegt. Wobei: ganz so erstaunlich ist es nicht. Denn Volk ist zur Chiffre für einen verbrämten Schweizer Nationalismus geworden. Grund genug für eine Dekonstruktion des Begriffs.

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