Wenn Google die Interviewfragen stellt

Google macht Medien kaputt. Das ist, leicht verkürzt, das Narrativ, das zum Geburtstag von Google erzählt wird. Doch Google inspiriert die Medien auch. Bestes Beispiel ist das Wired Autocomplete Interview, mein Medientipp in der Woche von Googles 20. Geburtstag.

Wer mit Google etwas sucht, dem hilft Google, schon bevor der Suchende die Eingabetaste gedrückt hat, indem Google Eingabevorschläge macht. Auf englisch heisst diese Funktion autocomplete – auf deutsch wird sie etwas umständlich automatische Vervollständigung genannt. Wenn man zum Beispiel Donald Trump eingibt, schlägt Google automatisch Verschwörung vor. Die Autocomplete-Funktion schlägt jene Wörter als nächstes vor, nach denen am meisten gesucht wird. Bei Donald Trump ist das im Moment offenbar Verschwörung. Das amerikanische Magazin «Wired» hat mit Hilfe der Autocomplete-Funktion eine eigene Interviewform entwickelt: Das Wired Autocomplete Interview. Dabei stellt «Wired» bekannten Schauspielern, Musikern und Politikern jene Fragen, die nach Eingabe ihrer Namen bei Google auftauchen.

Wired Autocomplete Interview mit Ryan Reynolds und Jake Gyllenhaal.

«Wired» stellt die Fragen nicht einfach, sondern drückt den Protagonisten eine weisse Tafel in die Hand. Da ist jeweils der Beginn der Frage zu sehen – etwa: Is Ryan Reynolds… Der Rest der Frage ist durch einen weissen Zettel abgedeckt. Im Laufe des «Interviews» decken die Protagonisten die Fragen auf und beantworten sie. Oft sitzen sie dabei zu zweit vor der Kamera und stellen sich die Fragen, die das Publikum bei Google sucht, gegenseitig. Ryan Reynolds etwa bestreitet das Wired Autocomplete Interview mit Jake Gyllenhaal. Eine der Fragen ist dabei natürlich, wie man «Gyllenhaal» ausspricht.

Die Reihe der Stars, die sich für «Wired» den Google-Fragen gestellt haben, ist beeindruckend. Sie reicht von Amy Schumer und Goldie Hawn über Jennifer Lawrence und Chris Pratt, Patton Oswalt und 50 Cent bis zu Al Gore. Besonders sehenswert ist, wie Jennifer Aniston und Jason Bateman aus dem Autocomplete Interview eine temperamentvolle, kleine Komödie machen. Salma Hayek und Eugenio Derbez führen ein zweisprachiges, englisch-spanisches Autocomplete-Interview. Morgan Freeman, Michael Caine und Alan Arkin beweisen nicht nur, dass man sich auch zu dritt autocomplete interviewen kann, sondern auch, dass es dafür keine Altersobergrenze gibt. Die beiden NASA-Astronauten Tim Kopra und Jeff Williams sowie European Space Agency Astronaut Tim Peake beantworten die brennendsten Fragen des Internets sogar direkt aus der International Space Station. Beste Frage: Trinken Astronauten ihren Urin? Überraschende Antwort: Im Prinzip Ja!

Die Playlist mit den «Wired» Autocomplete Interviews finden Sie hier:
https://www.youtube.com/playlist?list=PLibNZv5Zd0dwjZFCTVZ8QdKq194CkwXjo

Basel, 5. September 2018, Matthias Zehnder mz@matthiaszehnder.ch

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