Berichterstattung über Medien ohne Groupie-Perspektive

Wie ich widerwillig ein neues Wort entdeckt und begonnen habe, meinen eigenen Umgang mit Sozialen Medien zu hinterfragen.

Manchmal verhaken sich Wörter im Hirn wie Kletten an den Wandersocken. Auch wenn man sich zuerst gar nicht dafür interessiert, wird man sie nicht mehr los – und beginnt, über sie nachzudenken. So gegangen ist mir das diese Woche mit dem Wort «Medienreflexionskompetenz», das ich in einem Gespräch mit dem Basler Medienwissenschaftler Roberto Simanowski aufgeschnappt habe. Blödes Wort, dachte ich zuerst. Doch dann wurde ich es nicht mehr los. Roberto macht gegenüber der Sendung «@mediasres» von Deutschlandfunk Kultur lapidar darauf aufmerksam, dass das Ziel von sozialen Netzwerken ja nicht unser Wohlbefinden, unsere Informiertheit oder unsere Bildung ist. Er sagt: «Das oberste Ziel eines börsennotierten Unternehmens wie Facebook ist nicht der zufriedene Kunde oder der emanzipierte Bürger, sondern es ist der zufriedene Aktionär.»

ref=“https://www.deutschlandfunk.de/mediasres-das-medienmagazin.2934.de.html“> Podcast @mediasres[/ca

Logisch, denkt man sich. Sind ja gewinnorientierte Firmen. Ich bin ja nicht naiv. Wenn mein Leben ein Comic wäre, dann hätte das nächste Bild eine leere Sprechblase mit Punkten gezeigt: denkt. Das Resultat des Denkens war eine Frage: Was ist denn eigentlich meine Rolle dabei? Den Gewinn dieser Firmen zu mehren natürlich. Roberto Simanowski fordert deshalb eine sinnvolle Medienbildung. Konkret: Statt einer Mediennutzungskompetenz fordert er, jetzt kommt es, eine Medienreflexionskompetenz. Er sagt, es brauche eine Verschiebung: «Also von der Frage, wie kann ich die neuen Medien effektiv und sicher nutzen zur Frage, was machen die Medien eigentlich mit uns?» Das Resultat ist die genannte Medienreflexionskompetenz. Also die Fähigkeit, Medien nicht nur zu verwenden, sondern auch darüber nachzudenken. Gesagt hat Simanowski das alles diese Woche gegenüber der Sendung (bzw. des Podcasts) «@mediasres» von Deutschlandfunk Kultur.

Der Podcast ist eigentlich das beste Mittel für eine Steigerung dieser Medienreflexionskompetenz. Denn «@mediasres» verhandelt Medienthemen nicht aus der Groupie-Perspektive, sondern reflektierend. Zu den aktuellen Themen gehören Beiträge über die Berichterstattung zu Chemnitz, die (mangelnde) Diversität unter den Medienmachern und das Verhalten von Twitter-Benutzern, die alle zu «Bonsai-Trumps» werden. «@mediasres» ist deshalb diese Woche mein Medientipp.

https://www.deutschlandfunk.de/mediasres-das-medienmagazin.2934.de.html

Basel, 29. August 2018, Matthias Zehnder mz@matthiaszehnder.ch

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