So punktet der Papagei – #4: Struktur schlägt Inhalt
Wenn Sie der KI einen Auftrag geben, erhalten Sie immer eine Antwort. Meistens passt die Antwort inhaltlich auch und oft ist sie sogar korrekt. Mehr Schwierigkeiten hat die KI mit der Form: Anders als ein Mensch, der uns gegenübersteht, hat die KI kein Gefühl dafür, welche Textlänge passt, ob sie die Antwort als Lauftext ausgeben oder stark gliedern soll, ob eine Einleitung nötig ist und ob es am Ende eine Zusammenfassung braucht. Das ist nicht wirklich ein Fehler des Papageis, so arbeitet er halt: Das Sprachmodell wählt jenes Antwortmuster, das am häufigsten vorkommt. In der vierten Folge meiner Sommerserie geht es deshalb um Struktur: Wenn Sie den Rahmen klar vorgeben, erhalten Sie passgenauere Antworten. Massanzüge statt Konfektionsware.
Die Struktur ist keine Frage des Stils. Die Struktur ist vor allem ein Abbild der Funktion eines Textes. Ein Briefing hat eine andere Struktur als ein Pressecommuniqué. Ein Newsletter-Artikel funktioniert anders als ein LinkedIn-Post. Eine Mail an einen italienischen Geschäftspartner ist ganz anders aufgebaut als eine Rede. Wenn Sie der KI nur den Inhalt liefern, wählt sie selbst, welches Format am besten passt. Die KI wählt dann ein wahrscheinliches Format und das ist oft nicht das richtige.
Die einfachste Lösung ist ein Struktur-Prompt: Beschreiben Sie vor dem eigentlichen Auftrag, welche Bausteine der Text haben soll und in welcher Reihenfolge. «Schreibe einen Newsletter-Artikel mit folgender Struktur: Titel (max. 8 Wörter), Lead (2 Sätze), Hauptteil (3 Abschnitte mit je max. 60 Wörtern), Abschluss (1 Satz)». Das ist ein Struktur-Prompt. Die KI füllt die Bausteine mit dem Inhalt, den Sie ihr gegeben haben.
Noch wirkungsvoller ist ein «Skeleton»: ein Gerüst aus Überschriften und Platzhaltern, das Sie direkt in den Prompt kopieren. Statt die Struktur zu beschreiben, zeigen Sie sie als Gerüst:
> # [Titel]
> Lead: [2 Sätze – das Wichtigste zuerst]
> ## Hintergrund [max. 60 Wörter]
> ## Was das bedeutet [max. 60 Wörter]
> Fazit: [1 Satz]
Ein solches Gerüst verbindet das Prinzip dieser Folge mit dem aus Folge 2: Struktur als Vorbild. Der Papagei muss nichts rekonstruieren: Er füllt die Lücken aus. Und das kann er sehr gut.
Für wiederkehrende Textsorten lohnt es sich, solche «Skeletons» zu speichern: ein Gerüst für den Newsletter, eines für die Medienmitteilung, eines für das Briefing. Einmal angelegt, werden daraus Ihre persönlichen Schreibvorlagen für die KI.
Zum Ausprobieren
Die KI liefert immer eine Antwort, greift dabei aber auf Standardformen zurück. Wer die Struktur des Outputs vorgibt, bekommt seinen eigenen Text passgenau. Ein Struktur-Prompt oder ein Gerüst aus Überschriften und Platzhaltern ist oft zielführender als eine lange Beschreibung.
Basel, 21. Juli 2026, Matthias Zehnder mz@matthiaszehnder.ch
Bild: mz/Claude/ChatGPT
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Quellen:
Ein Kommentar zu "So punktet der Papagei – #4: Struktur schlägt Inhalt"

Mit einem Papagei namens KI zu plappern, kann zwar offensichtlich intellektuell einigermassen amüsant sein. Emotional und für das Herz ist es aber erfahrungsgemäss eher ein Leerlauf, weil es der KI an Humor, Substanz und Tiefgang fehlt, um mit der Welt, wie sie ist, nachhaltig klar zu kommen.