Buchtipp

Wozu nach den Sternen greifen, wenn man auch chillen kann?

Publiziert am 4. Juni 2019 von Matthias Zehnder

Wer Kinder im Alter zwischen 18 und 25 hat, kennt das Problem vielleicht: Immer mehr Jugendliche wissen nicht, was sie nach der Schule machen sollen. Also wird ein Zwischenjahr eingeschaltet, zum Chillen, zum Sich-Finden, zum Reisen und Jobben. Bei manchen Jugendlichen will dieses Zwischenjahr kaum mehr enden. Und die, die sich dazu aufraffen, ein Studium zu beginnen, scheitern auffällig oft: Jeder dritte Studienanfänger scheidet nach den ersten Semestern aus. Jedem Fünften fehlt es an Selbstmotivation. Viele Empfinden Studieren nicht als Privileg, sondern als Last – und als Einschränkung der Freizeit. Was ist bloss mit unseren Kindern los? Ulrike Bartholomäus erklärt unterhaltsam und wissenschaftlich fundiert, was in den Gehirnen und den Körpern unserer Kinder abläuft, warum das so ist – und wie Eltern helfen können. Dabei stützt sie sich nicht nur auf Experten und wissenschaftliche Studien, sie hat sich auch bei den Betroffenen selbst kundig gemacht und junge Menschen nach ihren Gefühlen, nach ihren Wünschen, Hoffnungen und Bedürfnissen gefragt.

Die wichtigste Erkenntnis: Reifung braucht Zeit. Auf die Pubertät folgt die Zeit der Adoleszenz – laut WHO dauert diese Zeit vom 20. bis zum 29. Lebensjahr. In dieser Zeit macht das Gehirn wichtige Entwicklungsschritte durch. Beschleunigen lässt sich das nicht. Vor allem brauchen Kinder und Jugendliche Erfahrungen. Das ist wohl der grösste Unterschied zu früher: Immer mehr Eltern behüten ihre Kinder als «Helikoptereltern» vor schlechten Erlebnissen – und verhindern so ungewollt, dass ihre Kinder selbst Erfahrungen machen können. Kein Wunder dauert es länger, bis die Kinder reif genug sind, um selbst entscheiden zu können, was sie mit ihrem Leben anfangen wollen. Ulrike Bartholomäus erklärt diese Phänomene gut verständlich und lindert damit Druck und Sorgen vieler Eltern. Im letzten Teil des Buchs bietet sie unter dem Titel «Was Eltern tun können – und was sie lieber lassen sollten» ganz konkrete Handlungsoptionen. Das macht ihr Buch zu einer ganz konkreten Hilfe.

Ulrike Bartholomäus: Wozu nach den Sternen greifen, wenn man auch chillen kann? Die grosse Orientierungslosigkeit nach der Schule. Berlin Verlag, 304 Seiten, 24.90 Franken; ISBN 978-3-8270-1388-0

Erhältlich ist das Buch hier: https://www.biderundtanner.ch/detail/ISBN-9783827013880

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Buchtipp zum Wochenkommentar vom 31. Mai 2019: Die besten Bücher von Frauen

Eine Übersicht über sämtliche Buchtipps samt Link auf den zugehörigen Wochenkommentar finden Sie hier:

https://www.matthiaszehnder.ch/buchtipp/

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