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Wer zur Hölle ist der Teufel?

Publiziert am 14. September 2023 von Matthias Zehnder

Wir mögen zum Mars fliegen und Atome spalten – Dämonen und Teufel jagen den Menschen immer noch Angst ein. Hierzulande glaubt etwas ein Viertel der Menschen an eine reale Existenz des Teufels. Dabei gilt: Je höher der Bildungsgrad, desto geringer die Bereitschaft, an Teufel, Dämonen und die Hölle zu glauben. Dieses Buch widmet sich vor diesem Hintergrund der einfachen Frage: Wer zur Hölle ist der Teufel? Es nähert sich der Thematik über die Betrachtung der vielen verschiedenen Erscheinungsformen und Eigenschaften, welche die Menschen im Laufe der letzten 2500 bis 3000 Jahre dem Teufel zugeschrieben haben. Erster spannender Fakt: Der Teufel war ursprünglich eine Teufelin, eine weibliche Figur, die als trügerisch, monströs, anklagend, gefährlich, manipulativ und natürlich als verführerisch beschrieben wurde. Der (oder die?) Teufel faszinierte und blieb stets «eine geheimnisvolle Entität, die sich nicht mit gewöhnlichen Kategorien beschreiben lässt», schreiben die beiden Autoren. Bei Simone Paganini und Sebastian Huncke handelt es sich übrigens um einen Theologen und einen Historiker. Entsprechend nähern sie sich der Geschichte des Teufels aus zwei verschiedenen Perspektiven. Ein Urteil liegt nahe: höllisch gut.

Es ist eine packende Spurensuche. Sie beginnt im alten Orient und führt über die Schlange im Garten Eden, die Versuchung Jesu durch den Satan, Augustinus und die Werwolf-Legenden bis in die Goethe-Zeit. Ein Problem blieb dabei durch alle Zeiten hindurch bestehen: Wie lässt sich das Böse in der Welt oder die Existenz des Teufels selbst erklären, wenn man davon ausgeht, dass Gott gut ist und alles erschaffen hat? «Die Figur des Teufels löst kein einziges theologisches Problem», schreibt Theologe Simone Paganini. «Im Gegenteil, man sah sich gezwungen zu erklären, wieso dieser selbstredend gute Gott überhaupt so etwas wie den Teufel erlaubt. Erklärungen dafür wurden zur Genüge gefunden, doch am Ende bleibt immer ein seltsam anmutendes Gottesbild.»

Historiker Sebastian Huncke sagt, mit dem Teufel sei vor allem eine Figur geschaffen worden, «die man im Laufe der Geschichte für alles Mögliche verantwortlich machen konnte». Der Teufel hatte und habe «eine ganz klare Sündenbockfunktion.» Statt die Menschen zu mündigen, denkenden Menschen zu erziehen, versuchten religiöse Autoritäten die Menschen mit der Vorstellung von Teufeln, Dämonen und der Hölle einzuschüchtern. «Ein aufgeklärter Glaube, der Gott ernst nimmt, braucht den Teufel nicht. Vielmehr: Wer sich auf seine Machenschaften beruft, um die Probleme der Welt zu erklären, sucht meistens nach einer einfachen Lösung für komplexe Herausforderungen», schreibt Paganini.

In der Zeit der Hexenprozesse sei der Teufel eine Antwort auf eine Krise gewesen. «Diese Rhetorik finden wir auch heute noch, wenn schwierige gesellschaftliche Probleme wie Kriege oder zuletzt die Corona-Pandemie mit Gottesstrafen oder mit (teuflischen) Verschwörungstheorien in Verbindung gebracht werden. Das Prinzip funktioniert noch immer, da das alltägliche Leben ideologisch immer noch ziemlich beladen ist. Das ist mitunter ein Grund, wieso die Figur des Teufels gerade in Kreisen mancher Verschwörungstheoretiker so stark präsent ist …» Die Vielfältigkeit der Figur des Teufels erklärt sich aus der Art und Weise, wie die Menschen zu verstehen und zu begründen versuchten, wie das Böse in die Welt gekommen ist. Es sagt deshalb vor allem über eines viel aus: über den Menschen.

Simone Paganini, Sebastian Huncke: Wer zur Hölle ist der Teufel? Die Faszination des Bösen in Bibel und Geschichte. Herder, 176 Seiten, 23.80 Franken; ISBN 978-3-451-03344-5

Erhältlich ist das Buch hier: https://www.biderundtanner.ch/detail/ISBN-9783451033445

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