Gerade gestern. Vom allmählichen Verschwinden des Gewohnten.

Nicht alles, was früher war, war deshalb besser. Anderseits gilt ebenso: Nicht alles, was uns heute und morgen beschäftigt, ist deshalb schon gut. Zwischen Nostalgie und Gegenwartspathos versucht Martin Meyer, ehemals Feuilleton-Chef der NZZ, eine Mitte zu finden und das Amüsement zu pflegen, das damit verbunden sein kann, sich zu erinnern und darüber nachzudenken, wie Menschen und Dinge auftauchten, eine Zeitlang blieben und allmählich oder auch plötzlich wieder verschwanden.

Fotografen zum Bespiel die sich Photographen nannten. Die Ruhe am Sonntag, welche die Stadt befiel wie eine Sonnenfinsternis. Die Ironie, welche ein Albert Camus so meisterhaft zu pflegen verstand – und vor der Google heute steht wie der legendäre Esel am Berg. Martin Meyer schlendert durch die Zeit und begutachtet die verschwundenen Preziosen der Vergangenheit mit der Neugier eines Insektenkundlers. Er vergleicht sie mit den Errungenschaften der Gegenwart, wägt ab, mal nüchtern, mal ironisch und bisweilen auch etwas nostalgisch. Zum Beispiel im Text über die Aufmerksamkeit, die sich im Internet-Zeitalter so stark verwandelt hat. Er erinnert sich an die Zeit, als die NZZ (im Bleisatz!) zweimal am Tag erschien und fragte sich, wie das wohl ging. Seine Antwort: Weil jedermann kompetent war und genau wusste, was er wann wie und wo zu tun hatte. Das waren noch Zeiten!

Martin Meyer: Gerade gestern. Vom allmählichen Verschwinden des Gewohnten. Hanser, 320 Seiten, 26.80 Franken; ISBN 978-3-446-25843-3

Erhältlich ist das Buch hier: https://www.biderundtanner.ch/detail/ISBN-9783446258433

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Buchtipp zum Wochenkommentar vom 15.2.2018: Warum wir einen neuen Arbeitsbegriff brauchen

Eine Übersicht über sämtliche Buchtipps des vergangenen Jahres samt Link auf den zugehörigen Wochenkommentar finden Sie hier:

https://www.matthiaszehnder.ch/buchtipp/jahresuebersicht-buchtipps-2017/

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