Buchtipp

Factfulness

Publiziert am 5. September 2019 von Matthias Zehnder

Wer wissen möchte, was Medien in unseren Köpfen anrichten, die auf hohe Einschalt- und Klickquoten aus sind, muss dieses Buch lesen: Der Schwedische Arzt Hans Rosling zeigt darin auf eindrückliche Weise, wie falsch das Bild von der Welt ist, das wir uns auf Grund der Medienberichte über sie machen. Das ist nicht einfach eine Behauptung von Rosling. Er hat auf der ganzen Welt jahrelang Menschen über ihr Bild von der Welt befragt. Das Resultat ist erschütternd: Schimpansen würden die Multiple-Choice-Fragen über die Welt besser beantworten. Ein Beispiel: Hat sich in den letzten 20 Jahren der Anteil der in extremer Armut lebenden Weltbevölkerung a) nahezu verdoppelt oder b) nicht oder nur unwesentlich verändert oder c) deutlich mehr als halbiert? Richtig ist die Antwort c) – aber nur die wenigsten Menschen tippen auf diese Antwort. Oder eine andere Frage: Weltweit haben 30-jährige Männer durchschnittlich 10 Jahre lang eine Schule besucht. Wie viele Jahre haben gleichaltrige Frauen die Schule besucht – a) 9 Jahre, b) 6 Jahre c) 3 Jahre? Richtig ist – a). Auch bei dieser Frage liegen die allermeisten Menschen falsch. Wir überschätzen systematisch Gefahren und unterschätzen den Entwicklungszustand der Welt. Ein Grund dafür liegt in den Filtern, mit deren Hilfe unser Gehirn die vielen Eindrücke der Welt für uns filtert. Der Filter im Gehirn lässt nur jene Informationen durch, die wichtig sind. Und wichtig war evolutionär alles, was mit Überleben zu tun hat. Schlagzeilen über Gewalt, Vulkanausbrüche, Erdbeben, Waldbrände, Unfälle und Verbrechen durchdringen den Schutzfilter problemlos. Die Medien bringen deshalb überproportional viele solche Meldungen – mit einer Nachricht, dass die Rate der Masernansteckungen konstant oder leicht rückläufig sei, erreicht man die überreizten Hirne nicht. Die Folge: Wir verarbeiten vor allem schlechte Nachrichten, entsprechend schlecht schätzen wir den Zustand der Welt ein. Rosling zeigt anhand von vielen Daten und Grafiken, wie sich die Welt tatsächlich entwickelt und welche Mechanismen hinter dieser Fehleinschätzung stehen. Ein Buch, das auf jedem Nachttisch stehen sollte.

Hans Rosling: Factfulness. Wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist. Ullstein, 400 Seiten, 34.90 Franken; ISBN 978-3-550-08182-8

Erhältlich ist das Buch hier: https://www.biderundtanner.ch/detail/ISBN-9783550081828

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Buchtipp zum Wochenkommentar vom 30. August 2019: Der Bundesrat auf dem Medien-Ballenberg

Eine Übersicht über sämtliche Buchtipps samt Link auf den zugehörigen Wochenkommentar finden Sie hier:

https://www.matthiaszehnder.ch/buchtipp/