Entlang den Gräben. Eine Reise durch das östliche Europa bis nach Isfahan

In erschreckendem Tempo öffnen sich in und um Europa Gräben. Zum Teil sind es alte Gräben, die wir längst zugeschüttet glaubten, zum Teil sind es neue Risse, die sich zwischen Ländern und Völkergemeinschaften auftun. Manche der Gräben verlaufen entlang von Grenzen, andere gehen mitten durch Ortschaften, ja durch Familien.

Der deutsch-iranische Schriftsteller Navid Kermani ist den Gräben im Osten von Europa nachgereist. Er ist in Köln aufgebrochen, wo er wohnt, und bis nach Isfahan gereist, der Heimat seiner Eltern. Er erzählt von Begegnungen mit Menschen, die innerlich zerissen nach ihrer Heimat suchen. Es beginnt mit den syrischen Flüchtlingen in der Plattensiedlung, die dem AfD-Mann helfen, den Garten eines kranken Rentners herzurichten. Er begegnet Menschen, auf denen die Geschichte lastet wie ein Fluch. Er stösst auf die tiefen Wunden in den Völkern, die der zweite Weltkrieg gerissen hat, auf Vernichtung, Vertreibung und Tod. Und er realisiert dabei, wie kostbar Europa ist, so schwierig dessen politische Realität sich auch präsentiert. Wie kostbar es ist, dass so viele verschiedene Länder sich in aller Verschiedenheit zu einem gemeinsamen Weg entschieden haben. Sein Buch ist nie abstrakt. Er erzählt von Begegnungen mit Menschen, von denen keiner in eine der Schubladen passt, die wir im Westen für sie bereithalten. Ein packendes Buch, das den Blick auf die Nachrichten verändert – kommen sie nun aus Europa oder dem Osten, den wir den Nahen nennen.

Navid Kermani: Entlang den Gräben. Eine Reise durch das östliche Europa bis nach Isfahan. C.H. Beck Verlag, 442 Seiten, 36.90 Franken; ISBN 978-3-406-71402-3

Erhältlich ist das Buch hier: https://www.biderundtanner.ch/detail/ISBN-9783406714023

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Ein Kommentar zu Entlang den Gräben. Eine Reise durch das östliche Europa bis nach Isfahan

  1. Tourismus und Migration. Wir alle sind Nomaden, nur unter sehr unterschiedlichen Merkmalen. Alle auf der Suche nach dem Anderen, Besseren. Wenn wir uns mehr zentrieren könnten, gäbe es weniger Probleme, aber auch weniger Umsatz. Die Welt ist ein grosser Bazar, wir sind „homines mercati“. Danke für die Denkanstösse.

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