Buchtipp

Disrupt Yourself

Publiziert am 5. Oktober 2018 von Matthias Zehnder

Dieses Buch dreht sich um die vielbeschworene Disruption, die scharfe Veränderung, die von der Digitalisierung verursacht wird. Allerdings dreht sich dieses Buch nicht um irgendwelche Firmen, sondern um Sie. Ja: um Sie selbst. Eine Disruption ist eine Störung, eine Unterbrechung, ein Bruch. Disruption und das Adjektiv disruptiv sind derzeit Lieblingswörter von Managern und Beratern: Die Digitalisierung führt zu disruptiven Entwicklungen. Das meint: Die Digitalisierung reisst die herkömmliche Wirtschaftswelt auseinander, sie stellt Wertschöpfungsketten auf den Kopf und verändert, kurz gesagt, die Welt und das nicht in Jahrzehnten, sondern rasch und heftig innert weniger Jahre. Betroffen davon sind natürlich nicht nur abstrakte Organigramme und Firmen, sondern auch Menschen aus Fleisch und Blut. Das ist das Thema des neuen Buchs von Christoph Keese. Er setzt bei der eigenen Erfahrung ein. Er erzählt, wie sich der Journalismus durch das Internet, durch Blogs und Soziale Medien in kurzer Zeit dramatisch verändert hat – und welche Auswirkungen das auf ihn persönlich hatte: Mein Beruf ist disruptiert worden, ich bin disruptiert worden. Ihnen muss es nicht genauso gehen wie mir, wenn Sie die Gefahr früh genug erkennen. Disrupt Yourself bedeutet: Erfinden Sie sich neu, bevor es jemand anders für Sie tut. Das gilt für individuelle Menschen genauso wie für Unternehmen. Keese ist überzeugt: «Selbstdisruption» ist möglich. Es ist möglich, sich neu zu erfinden, einen Neuanfang zu wagen, alles auf Null zu setzen, über den Haufen zu werfen und mit einem neuen Selbstkonzept neu zu beginnen. Angenehm ist das nicht: Selbstdisruption fällt deshalb so schwer, weil man sich nicht neu erfinden kann, ohne Fragen nach dem eigenen Ich zu stellen: Wer bin ich? Was möchte ich tun? Wofür werde ich anerkannt? Solche Fragen haben sich viele zuletzt in der Pubertät gestellt, schreibt Keese. Doch es sei wichtig, sich diese Fragen zu stellen, bevor man von der digitalen Revolution überrollt werde. Keese versteht sein Buch deshalb als vorbeugende Massnahme, nicht als Erste Hilfe. Und genau das ist das Problem: Während Firmen es sich gewöhnt sind, vorausschauend zu handeln und zu planen, bewegen sich Menschen meistens erst, wenn es weh tut. Dazu kommt: Viele Menschen dürften gar nicht in der Lage sein, sich aus ihrem bestehenden Umfeld herauszubewegen, sich neu zu erfinden. Der angestammte Beruf, und sei er noch so deutlich eine Sackgasse, ist schon fordernd genug, dazu kommen Kinder und Familie, die Sorgen und Nöte des Alltags. Dazu kommt eine Erkenntnis, die seit Max Frischs «Stiller» zum Schulstoff gehört: sich selbst wirklich neu zu erfinden, ist kaum möglich. Keses Buch bietet deshalb viele Denkanstösse und wertvolle Tipps für die Happy Few, die agilen, gut gebildeten Selbstständigen. Für das Gros der Angestellten, der Normalos, die arbeiten, weil sie arbeiten müssen, um eine Familie zu ernähren, bleibt die digitale Zukunft eine Bedrohung.

Christoph Keese: Disrupt Yourself. Vom Abenteuer, sich in der digitalen Welt neu erfinden zu müssen. Penguin Verlag München. 288 Seiten, 31.90 Franken; ISBN 978-3-328-60033-6

Erhältlich ist das Buch hier: https://www.biderundtanner.ch/detail/ISBN-9783328600336

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Buchtipp zum Wochenkommentar vom 5. Oktober 2018: Fünf Denkanstösse an Stelle eines Wochenkommentars

Eine Übersicht über sämtliche Buchtipps samt Link auf den zugehörigen Wochenkommentar finden Sie hier:

https://www.matthiaszehnder.ch/category/buchtipp/