Buchtipp

Die Intelligenz der Bienen

Publiziert am 3. Februar 2020 von Matthias Zehnder

Seit über fünfzig Jahren beschäftigt sich der Hirnforscher Randolf Menzel mit dem Denken und der Kommunikation der Bienen. In diesem Buch berichtet er über seine Forschung und sein Leben mit den Bienen, von spektakulären experimentellen Durchbrüchen, von kuriosen Begebenheiten und von Auseinandersetzungen im Wissenschaftsbetrieb. Im Zentrum stehen dabei die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse über die Bienen. Zusammen mit Autor und Philosoph Matthias Eckoldt vergleicht Menzel die Bienen immer wieder mit dem Menschen, seinem Gehirn, seinem Denken und Verhalten. Das Anliegen der beiden Autoren ist es, die Labortüren zu öffnen und einerseits die Prozesse zu erklären, die sich im Bienenorganismus abspielen, andererseits Einblicke zu geben in die Vorgehensweise der Naturwissenschaft.

Menzel und Eckoldt schildern, wie sich das Bienengehirn entwickelt hat. Sie widmen sich den Sinnesorganen der Bienen und zeigen, wie sie riechen und schmecken, wie sie sehen und fühlen. Die Bienen verfügen beim Sehen und Riechen über ein anderes Spektrum als wir Menschen. Darüber hinaus können sie sich zweier Sinne bedienen, die uns kaum zugänglich sind: Sie nehmen das Erdmagnetfeld wahr und nutzen es zur Orientierung. Und mithilfe elektrostatischer Felder verständigen sie sich innerhalb des Stocks. Menzel hat mit seinen Forschungsarbeiten belegt, dass Bienen lernen, ja denken können. Eine entscheidende Rolle dabei spielt der Schlaf, den sich die sprichwörtlich so fleissigen Bienen überraschend häufig genehmigen. So führt die Erforschung der Gedächtnisvorgänge in logischer Konsequenz ins Bienenschlaflabor.

Natürlich widmet sich das Buch dem Schwänzeltanz, der wichtigsten Kommunikationstechnik im Bienenstock. Das Buch zeigt, wie die Neurowissenschaft anhand der Biene nachzuvollziehen lernt, wie ein – wenn auch kleines – Gehirn Entscheidungen trifft, wie es plant, indem es Regeln erkennt, anwendet und kombiniert, wie es unterscheidet und wie sich angeborene sowie erlernte Mechanismen verschränken. So wird die Biene zum Modellorganismus für den Menschen. Das Bienengehirn spiegelt uns universelle Prinzipien der Hirnfunktionen und hilft uns, sie an und in uns schärfer zu sehen. Im letzten Kapitel des Buchs wird es traurig: Menzel und Eckoldt beschreiben, auf welche Weise die industrielle, chemielastige Landwirtschaft den Bienen zusetzt. Eine neue Generation von Pflanzenschutzmitteln, die in erster Linie Insektenvernichtungsmittel sind, machen bestimmte Neuronen der Bienen funktionsunfähig. Das ist nach den Beschreibungen der Intelligenz der Bienen richtig bitter zu lesen. Ein spannendes Buch!

Randolf Menzel, Matthias Eckoldt: Die Intelligenz der Bienen. Wie sie denken, planen, fühlen und was wir daraus lernen können. Penguin Verlag München, 368 Seiten, 18.50 Franken; ISBN 978-3-328-10436-0

Erhältlich ist das Buch hier: https://www.biderundtanner.ch/detail/ISBN-9783328104360

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Buchtipp zum Wochenkommentar vom 31. Januar 2020: Wem gehört die Stadt?

Eine Übersicht über sämtliche Buchtipps samt Link auf den zugehörigen Wochenkommentar finden Sie hier:

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