Buchtipp

Das Risiko und sein Preis

Publiziert am 4. März 2019 von Matthias Zehnder

Nassim Nicholas Taleb ist ein ehemaliger Finanzmathematiker, der heute als philosophischer Essayist und Forscher in den Bereichen Statistik, Zufall und Epistemologie arbeitet. Er wurde berühmt für seine Arbeiten zu extrem seltenen, unvorhergesehenen, mächtigen Ereignissen, die er «schwarze Schwäne» nennt. Sein Kerngebiet ist also die Epistemologie des Zufalls: Also das Nachdenken darüber, was man über den Zufall wissen kann. In seinem neusten Buch beschäftigt er sich mit dem Risiko. Seine These ist ebenso einfach, wie verwegen: Wer nicht seine eigene Haut riskiert, ist nicht glaubwürdig. Dafür steht der Untertitel des Buchs: Skin in the Game. Nassim Nicholas Taleb ist überzeugt, dass zu viele Mächtige (und er meint damit nicht nur politisch mächtige) zu wenig eigene Haut im Spiel haben: Sie müssen den Preis nicht bezahlen, wenn sie sich irren. Sie verhalten sich damit wie ein Koch, der nicht von den Gerichten isst, die er selbst zubereitet. Taleb folgert: Menschen, die kein persönliches Risiko eingehen, sollten nie mit Entscheidungen betraut werden. Diese Feststellung liesse sich durchaus auf ein paar Seiten konzis begründen. Doch konzise Kürze ist Talebs Sache nicht. Er schweift lieber aus, erzählt Anekdoten, geht jeder noch so abgelegenen Assoziation nach und schlägt immer mal wieder ein intellektuelles Pfauenrad. Wissenschaftler, Journalisten und Politiker wirft er alle in denselben Topf: Es sind durchwegs Scharlatane – Köche, welche nicht von den Gerichten essen, die sie selber kochen. Zwischen all dem Schwadronieren finden sich allerdings immer wieder brillante Sätze, die man unterstreichen, ja herausschreiben muss. Etwa: Bürokratie ist ein Mechanismus, durch den eine Person von den Folgen ihres Handelns abgetrennt wird. Oder: Der Fluch der Modernität besteht darin, dass es immer mehr Menschen gibt, die besser erklären können als verstehen. Diese Einsichten lohnen die Lektüre des Buches.

Nassim Nicholas Taleb: Das Risiko und sein Preis. Skin in the Game. Penguin Verlag München, 384 Seiten, 37.90 Franken; ISBN 978-3-328-60026-8

Erhältlich ist das Buch hier: https://www.biderundtanner.ch/detail/ISBN-9783328600268

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Buchtipp zum Wochenkommentar vom 1. März 2019: E-Voting – die Probleme bleiben

Eine Übersicht über sämtliche Buchtipps samt Link auf den zugehörigen Wochenkommentar finden Sie hier:

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