Buchtipp

Change the Game. Wie wir uns das Netz von Facebook und Google zurückerobern

Publiziert am 4. September 2018 von Matthias Zehnder

Was kann man in Europa tun, um das europäische System mit Demokratie, Pressefreiheit, sozialer Sicherheit und fairen Regeln zu erhalten und die positiven Seiten von Youtube und Facebook, von Google und Amazon so zu lenken, dass sie diesen Zielen nützen, statt sie zu zerstören? Und wie kann man dazu beitragen, dass europäische Medien, die nach europäischen Grundsätzen funktionieren, nicht verschwinden?

Das sind die beiden zentralen Fragen, denen dieses Buch nachgeht. Geschrieben wurde es von Corinna Milborn und Markus Breitenecker, einer Journalistin und einem Medienmanager, die sich Sorgen machen um die Medien in Europa (wobei wir für einmal die Schweiz zu Europa zählen dürfen). Die beiden Autoren zeigen, wie das Billionen-Business der grossen Internetfirmen funktioniert und sparen dabei nicht mit Seitenhieben auf die Ideologie der Silicon-Valley-Eliten. Sie erläutern, wie die grossen Firmen das freie Internet durch ihre Monopole letztlich zerstören. Sie belegen überzeugend, dass Google, Facebook und auch Amazon letztlich Medienhäuser sind. Sie erklären, wie die so genannt sozialen Medien der Demokratie schaden, indem sie Hass säen. Sie kritisieren die europäischen Medien, die mit den grossen Internetfirmen zusammenarbeiten, obwohl sie von ihnen zerstört werden. Sie schildern mit anderen Worten mit viel Wissen gut verständlich den Schlamassel, in dem wir uns in Europa befinden. Ist Europa also rettungslos verloren? Milborn und Breitenecker finden nicht: Europa habe mit dem System des öffentlich-rechtlichen Rundfunks das Rezept zur Rettung in der Hand – nur müsse dieses öffentlich-rechtliche System ans 21. Jahrhundert angepasst werden. Die Mittel der Allgemeinheit müssten dafür eingesetzt werden, möglichst hochwertige Inhalte zu produzieren und sie der Allgemeinheit möglichst frei zur Verfügung zu stellen und zwar über paneuropäische Plattformen und Kooperationen. Sie sprechen dabei nicht, wie in der Schweiz üblich, vom Service Public, sondern vom Public Value. Diese Public Value-Anbieter sollten nicht in Konkurrenz zu privaten Medienanbietern stehen, sondern mit ihnen kooperieren. Ziel muss es sein, dass Europa eine eigene digitale Medienlandschaft und digitale Plattformen entwickelt um auf diese Weise den Dominatoren aus dem Silicon Valley die Stirn zu bieten. Fazit: Äusserst lesenswert!

Corinna Milborn, Markus Breitenecker: Change the Game. Wie wir uns das Netz von Facebook und Google zurückerobern. Brandstätter, 328 Seiten, 36.90 Franken; ISBN 978-3-7106-0267-2

Erhältlich ist das Buch hier: https://www.biderundtanner.ch/detail/ISBN-9783710602672

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Buchtipp zum Wochenkommentar vom 31. August 2018: Google –  Einfluss ohne Verantwortung

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