Buchtipp

Aufklärung jetzt. Für Vernunft, Wissenschaft, Humanismus und Fortschritt

Publiziert am 5. Oktober 2018 von Matthias Zehnder

Dieser Titel ist ein Buch, das Microsoft-Gründer Bill Gates nach der Lektüre des Manuskripts zu seinem Lieblingsbuch erklärt hat, und zwar zu seinem favorite book of all time. Erstaunlich daran ist, dass Computer darin kaum eine Rolle spielen. Die Hauptrolle spielt die Philosophie (und die Psychologie) der Aufklärung.

Wer dieser Tage regelmässig die «Tageschau» schaut oder das «Echo der Zeit» hört, kann Depressionen kriegen: Die Welt präsentiert sich düster, ja dem Verfall geweiht. Nationalistische Politik, Drogenkartelle, miserable Schulen, eine Medizin nur für Reiche – die Welt, ein Jammertal. Steven Pinker zeigt in diesem Buch, dass diese düstere Zustandsbeschreibung der Welt falsch ist. Und nicht nur ein bisschen falsch – sie ist komplett und grundfalsch. Steven Pinker ist Experimentalpsychologe, Kognitionswissenschaftler und Linguist. Er ist Psychologieprofessor an der Harvard-Universität und zeigt in diesem Buch ein ganz anderes Verständnis der Welt, als die Schlagzeilen es uns vermitteln. Pinker zeigt fundiert, dass mitnichten früher alles besser war und die Welt also vor die Hunde geht, sondern dass es im Gegenteil der Welt immer besser geht. Wir leben länger, gesünder, sicherer, glücklicher, friedlicher und wohlhabender denn je, und das nicht nur in der westlichen Welt. Pinker ist dabei kein Schwärmer. Sein optimistisches Weltbild beruht auf Fakten und ist von den Idealen der Aufklärung inspiriert – von Vernunft, Wissenschaft, Humanismus, Fortschritt – und Frieden. Diese Ideale sind zeitlos – und sie waren noch nie so wichtig wie heute. Wenn es etwas gibt, das die Denker der Aufklärung gemeinsam hatten, dann war es das Beharren darauf, dass die Vernunft den Schlüssel zur Welt bildet, nicht Glaube, Dogma, Offenbarung, Visionen oder ein wie auch immer geartetes Bauchgefühl – auch wenn es der Bauch des Präsidenten ist. Die Vernunft als Weg zu wählen ist gerade deshalb so wichtig, weil der Mensch nicht immer ein rationales Wesen ist. Nur die Vernunft ermöglicht die Wissenschaft und damit das Entrinnen aus Ignoranz, Angst und Schrecken. Die Vernunft brachte die Denker der Aufklärung dazu, eine weltliche Ethik zu begründen, die das Wohlergehen des einzelnen Menschen ins Zentrum stellt. Seit die Menschen sich von der Vernunft leiten lassen, gibt es weniger Kriege. Das fällt uns heute kaum mehr auf: Früher war Krieg eher der Normalfall, Frieden die Ausnahme. Heute ist es doch weitgehend umgekehrt. Pinkers Buch ist ein Lob der vernünftigen Welt und ein Parforceritt durch die Geschichte der Aufklärung. Es ist ein Manifest der Ratio gegen die tumben Gefühlswelten von Populisten, Rassisten und anderen –isten – und bietet ein stabiles Fundament dafür, selbst einen gesunden Optimismus für die Welt zu entwickeln. Allen Schlagzeilen zum Trotz.

Steven Pinker: Aufklärung jetzt. Für Vernunft, Wissenschaft, Humanismus und Fortschritt. Eine Verteidigung. S. Fischer, 736 Seiten, 37.90 Franken; ISBN 978-3-10-002205-9

Erhältlich ist das Buch hier: https://www.biderundtanner.ch/detail/ISBN-9783100022059

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Buchtipp zum Wochenkommentar vom 5. Oktober 2018: Fünf Denkanstösse an Stelle eines Wochenkommentars

Eine Übersicht über sämtliche Buchtipps samt Link auf den zugehörigen Wochenkommentar finden Sie hier:

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