Zum Google-Geburtstag bei «10vor10»

Diese Woche, am 4. September, wird Google Inc. 20 Jahre alt. «10vor10» hat über die mittlerweile gigantisch grosse Tech-Firma am Vorabend zwei Beiträge ausgestrahlt. Der erste Beitrag drehte sich um den Aufstieg von Google vom verspielten Experiment zum Marktdominator. Der zweite Beitrag drehte sich um die Rolle von Google im Medienmarkt, darin bin ich neben Ringier-Chef Marc Walder und Werber Frank Bodin als Medienexperte zu Wort gekommen. Google setzt in der Schweiz heute etwa eine Milliarde Franken um im Werbemarkt. Die Suchmaschine hat stark dazu beigetragen, dass das Internet einen grossen Anteil hat am Schweizer Werbemarkt. Laut der Schweizer Marktforscherin Media Focus ist das Internet in der Schweiz mittlerweile sogar der wichtigste Werbeträger:

Werbeumsätze Schweiz nach Werbeträgern. Quelle: Media Focus.

Laut Media Focus entfallen heute 35 % der Werbeumsätze in der Schweiz auf das Internet. Mitgezählt sind dabei die Werbeerlöse von Werbebannern, Suchmaschinenmarketing im Web und auf dem Mobile und die Werbeumsätze von Youtube. Das grosse Problem dabei: Ein grosser Teil dieser Umsätze fliesst aus dem Schweizer Medienmarkt ab und kommt amerikanischen Internetfirmen wie Google und Facebook zugute. Darauf habe ich im Beitrag von «10vor10» auch hingewiesen. Das Geld, das Google mit Werbung in der Schweiz verdient, fehlt den Schweizer Medienproduzenten in der Kasse. Denn anders als früher, als man Werbung nur in Zeitungen, dem Radio und im Fernsehen schalten konnte, sind im Internet potenziell alle Firmen lokale Medien. Ein lokaler Bäcker kann seine Anzeige in einem internationalen Medium wie der «New York Times» oder bei einem elektronischen Laden wie Amazon so schalten, dass nur die lokalen Kunden seine Werbung sehen. Der Bäcker kann auf diese Weise effizient werben – aber die lokalen Medien haben nichts mehr von den Werbeumsätzen. Das Geld fliesst ab.

Es ist vor diesem Hintergrund geradezu absurd, dass die Verleger sich auf der politischen Bühne mit der SRG zoffen – das gemeinsame Problem liegt im Silicon Valley. Es wäre gescheiter, die Medien in der Schweiz würden sich auf eine gemeinsame Strategie gegenüber globalen Internet-Konzernen einigen und politische Lösungsansätze für das Problem entwickeln, dass so viel Werbegeld aus der Schweiz abfliesst.

Basel, 4. September 2018, Matthias Zehnder mz@matthiaszehnder.ch

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Und so hat «10vor10» aus meiner Perspektive ausgesehen. Rechts im Bild: Philippe Chappuis, der Basler TV-Korrespondent von SRF.

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