Monatsarchive: September 2018

Wir reden zu viel über die AHV und zu wenig über die Arbeit

Seit die Steuervorlage 17 mit der AHV verknüpft wurde, ist wieder viel von der Alters- und Hinterbliebenenversicherung die Rede. Die AHV könnte der Steuervorlage zum Durchbruch verhelfen, denn es gibt kaum eine Institution in der Schweiz, die so breit abgestützt ist wie die AHV. Zumal völlig unklar ist, wie die AHV längerfristig finanziert werden kann. Denn obwohl wir immer länger leben, will kaum jemand länger arbeiten. Mir scheint, es wäre klüger, wenn wir, statt ständig die AHV zu retten, einmal ausführlicher über die Arbeit reden würden.

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Der Abschied vom Papier hat begonnen

Wer Zeitung sagt, denkt an Papier – und manchmal auch an Altpapier. Das dürfte bald vorbei sein: Auch in deutschsprachigen Raum ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Zeitungen weitgehend digital erscheinen. Der erste Titel, der öffentlich so umwälzende Pläne wälzt, ist die deutsche Tageszeitung «taz»: Zum 40. Geburtstag schaut sie vorwärts in Jahr 2022 – und sieht digital. Warum der Abschied vom Papier ausgerechnet bei der linken, kapitalismuskritischen «taz» beginnt, lesen Sie in meinem Medientipp von dieser Woche.

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Gerechtigkeit für Europa

Viele Schweizer gehen mit Europa etwa so fair um, wie Asterix und Obelix mit den Römern: Die sind gerade gut genug, um regelmässig verkloppt zu werden. Der Brexit-Entscheid in Grossbritannien hat diese Fundamentalkritik eher noch akzentuiert. Ist diese Kritik an der EU wirklich gerechtfertigt oder dient die EU lediglich als Blitzableiter für frustrierte Politiker?

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Die Dilemmata der «bzBasel» – eine Analyse

Schon wieder ein neuer Chefredaktor für die «bzBasel» – schon wieder stimmt die Positionierung der Zeitung und die Chemie mit dem Verleger nicht. Was ist da los? Ich glaube, die Entlassung von David Sieber bei der «bzBasel» hat wenig mit seiner Person zu tun, sie ist vielmehr ein Symptom für strukturelle Probleme, die in dieser Form nicht nur bei der «bz» auftreten. Sie sind typisch für Regionalzeitungen dieser Grösse. Es lohnt sich deshalb einen Blick auf die drei Dilemmata zu werfen, in denen (nicht nur) die «bzBasel» steckt.

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Die Macht der falschen Bilder

Bilder prägen das Denken. Auch falsche Bilder. Zum Beispiel die Bilder, die wir Schweizer uns von Europa und dem Verhältnis der Schweiz zu Europa machen. Sie sind geprägt vom Insel-Erlebnis der Schweiz im Zweiten Weltkrieg. Wir fühlen uns als Gallisches Dorf – und merken nicht, wie die Welt an uns vorüberzieht. Deshalb: Lassen Sie uns neue Bilder für die Schweiz und Europa entwickeln, Bilder, die der wirtschaftlichen und kulturellen Realität entsprechen. Die Schweiz kann sich nicht länger verhalten, als sei sie der Blinddarm Europas. Wir könnten das warm schlagende Herz des Kontinents sein.

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Die «Republik»: Eine App für die Nacktschnecke

Inhaltlich hat die «Republik» von Anfang an Massstäbe gesetzt. Medientechnisch hat das digitale Magazin jedoch noch Luft nach oben. Eine grosse Lücke hat die «Republik» dieser Tage gestopft: Es gibt das Magazin jetzt als App. Bloss: Abgesehen von einem vereinfachten Anmeldeprozess bietet die App keinerlei Mehrwert. Warum ich die «Republik» als Nacktschnecke empfinde und die App trotzdem empfehle.

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Wie Demokratien sterben

Den Tod einer Demokratie stellt man sich laut vor: eingeleitet von Panzern und Granaten, begleitet von Gewehrsalven und dem Geräusch von Stiefeln auf dem Pflaster. Die beiden Politologen Steven Levitsky und Daniel Ziblatt zeigen in ihrem Buch, dass Demokratien auch langsam und ganz leise sterben können. Manchmal bringen ihr nicht schwere Waffen den Tod, sondern Worte, auf Papier und Twitter oder gesprochen an Veranstaltungen. Denn Demokratien können nicht nur von Militärs und Terroristen zu Fall gebracht werden, sondern auch von ihren gewählten Führern. Hitler zum Beispiel hat die Macht nicht illegal an sich gerissen, sondern über Abstimmungen im Reichstag. Manchmal erodieren Demokratien auch langsam und in kaum merklichen Schritten und eines Tages sind sie weg. So war es in der Türkei, in Polen, in Ungarn – und auf diesem Weg befinden sich auch die USA.

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Informationssouveränität statt Ernährungssouveränität

Medien sind der Sauerstoff der Demokratie. Bis in ihre Kapillaren muss eine Demokratie mit Informationen versorgt werden, sonst sterben ihre Glieder ab. Genau das droht aber in der Schweiz, denn das Mediensystem ist nicht mehr überlebensfähig. Es ist schön, dass wir über Ernährungssouveränität nachdenken – was wir wirklich brauchen, ist aber eine Diskussion über Informationssouveränität: Die Schweiz muss ihre Medien und damit ihr kapillares Informationssystem unterstützen, sonst erstickt die Demokratie. Überlegungen zur Informationssouveränität.

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Digitale Berichte über die digitale Arbeit

Wie arbeiten wir in zehn, zwanzig Jahren? Was von diesem «New Work» lässt sich bereits heute umsetzen? Macht Technologie frei? Wie findet man Sinn in der Arbeit? Das sind die Fragen, denen Christoph Magnussen und Michael Trautmann in ihrem Podcast nachgehen. Unter anderem, indem sie die neuen Arbeitsweisen umsetzen.

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Eine Frage der Moral

Politisch korrekte Sprache ist schon fast ein Schimpfwort, so heftig machen sich konservative Politiker über das Bemühen lustig, eine Sprache zu verwenden, die frei von Übergriffen ist. Kein Grund, sich der Auseinandersetzung um eine gute Sprache zu entziehen. Dabei ist das kleine Buch von Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch hilfreich. Er zeigt nüchtern, was politisch korrekte Sprache ist, wie Sprache und Moral zusammenhängen und wie sich Sprache moralisch verwenden lässt.

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