Schlagwort-Archive: Flüchtlinge

Wohlstand auf Kosten unserer Werte

Europa hat sich in den letzten Wochen selbst abgeschafft: Die EU-Länder haben der Europäischen Charta ins Gesicht gespuckt, in der von der unteilbaren und universellen Würde des Menschen die Rede ist. Die Länder der EU wollen mit den Flüchtenden nichts zu tun haben, sie am liebsten bereits in Nordafrika festhalten. Die Rettungsschiffe auf dem Mittelmeer betrachten sie als Flüchtlings-Shuttles. In Deutschland macht das böse Wort vom Asyltourismus die Runde. In der Schweiz ist abschätzig von Wirtschaftsflüchtlingen die Rede. Gemeinsam ist beiden Ländern das grosse Schulterzucken: Was geht uns das an? Hauptsache, Ferien. Und mit den Flüchtenden ertrinkt im Mittelmeer die Menschlichkeit.

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Die scheinheiligen Patrioten

Die Fifa behauptet, ihr Fussballfest sei sauber. Gefühle ja, aber streng geregelt. Doch das ist scheinheilig: Die nationalen Hochgefühle fördern Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit. All die Fahnen, Flaggen und Farben an der Fussball-WM mögen vor Ort harmlos aussehen. Das patriotische Allotria führt in der Welt jedoch zu Nationalismus und Ausgrenzung. Das haben in der Schweiz die Reaktionen auf die Doppeladlergeste von Xhaka und Shaqiri gezeigt. Und die Zeit für Spiele mit dem nationalistischen Feuer könnte ungünstiger nicht sein.

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Der Westen im Wertedilemma

Europa und die USA stecken in einer Flüchtlingskrise. Das liegt nicht etwa daran, dass die Länder des Westens von so vielen Flüchtlingen überrannt würden. Nein: Die Krise besteht darin, dass der Westen seine Werte verhöhnt. Die Werte der Aufklärung, der Freiheit, Gleichheit und der Brüderlichkeit, und die so genannt christlichen Werte gelten offensichtlich nur für Menschen mit dem richtigen Pass. Damit entlarvt sich der Westen selbst: Er ist keine Wertegemeinschaft mehr, sondern nur noch ein Profitcenter – ein Schutzraum für Reiche.

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Die Boulevard-Zeitung «Blick» macht jetzt auch Boulevard-Politik

Die Boulevard-Zeitung «Blick» hat einen Integrationsvertrag lanciert, den Ausländer in der Schweiz unterzeichnen sollen. Die Forderung von BLICK: Jeder Flüchtling soll diesen Vertrag unterschreiben. Als Bekenntnis zu den Werten dieses Landes, schreibt das Blatt. Grund für die Aktion: Behörden müssten sich mit Bewohnern herumschlagen, die oft schon seit Jahren in der Schweiz seien, aber keine Landessprache sprechen, ausschliesslich in ihrem Kulturkreis verkehren und keine Ahnung hätten von den hiesigen Regeln, Sitten und Gebräuchen. Die meisten Politiker verschliessen davor die Augen. Jeder Schweizer kennt das Problem, fast jeder nennt es als Problem – aber die Volksvertreter wollen es nicht sehen. Deshalb nehme der «Blick» das Thema jetzt an die Hand.

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Mein Fragebogen 2016

Wenn die Welt heute an etwas leidet, dann sind es zu viele Antworten – vor allem zu viele einfache Antworten, die von sich behaupten, immer und überall richtig zu sein. Wichtiger, als Antworten zu geben, scheint es mir, Fragen zu stellen, das Denken in Bewegung zu setzen – also zu denken zu geben. Zum Ausklang des Jahres habe ich deshalb wieder einen Fragebogen mit 25 Fragen zusammengestellt. Sie kreisen um die Themen Geld und Glück. Denken Sie gut…

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Was, bitteschön, sind «hiesige Werte»?

Die Schweiz soll Zuwanderer und Flüchtlinge auf «hiesige Werte» einschwören. Immer häufiger ist dabei auch von «christlichen Werten» die Rede. Das Baselbiet will den Vorrang der «hiesigen Werte» sogar in Gesetz und Verfassung verankern. Bloss: Was sind «hiesige Werte»? Mir scheint, der Weihrauch, mit dem dieses Anrufen der Werte verbunden ist, soll bloss vernebeln, dass da gar keine Werte sind, auf die man sich berufen könnte. Ausser vielleicht das Bankgeheimnis, die Marktwirtschaft und ein kalter Egoismus. Aber es gibt einen Ausweg.

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Hätte Wilhelm Tell der Lehrerin die Hand gegeben?

Stellen Sie sich vor, Sie müssten Hals über Kopf Ihr Haus verlassen. Sie haben gerade noch Zeit, eine Tasche zu packen. Was nehmen Sie mit? Und wenn Sie sich das überlegt haben – was bedeutet das für Ihr Leben, so lange Sie nicht flüchten müssen? Und was bedeutet es für unseren Umgang mit den Menschen, die in die Schweiz geflüchtet sind? Der Kanton Basel-Landschaft hat diese Woche darauf geantwortet: Er verlangt künftig den korrekten Gruss. Per Gesetz. Und das im Land, das sich auf die Geschichte von Wilhelm Tell beruft und seine Weigerung, korrekt zu grüssen.

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Machen Sie auch Ferien am Meer der Toten?

Das Mittelmeer ist und bleibt die Traum-Feriendestination der Schweizer. Doch das Mittelmeer wird immer mehr zum Meer der Toten. Allein im Mai 2016 sind 1138 Menschen im Mittelmeer ertrunken. Seit Anfang 2014 haben fast 10’000 Menschen auf ihrer Flucht nach Europa im Mittelmeer ihr Leben verloren. Viele Schweizer kümmert das offenbar nicht. Hauptsache, ihr Dorf bleibt flüchtlingsfrei – und die Drinks am Strand schön kühl.

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Geranien, Minarette, Stacheldraht: Über das Fremde in der Schweiz

In einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» erklärte Andreas Glarner Anfang Woche: Die Schweiz muss ihre grüne Grenze mit einem Stacheldrahtzaun abriegeln. Glarner ist nicht irgendwer, sondern der Asylverantwortliche der SVP. Und die Forderung stand nicht etwa am Schluss des Interviews als Wunsch unter ferner liefen. Das war seine Antwort auf die Frage: Welche Asylpolitik schlagen Sie denn vor? Stacheldraht.

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Ein kleiner Weihnachtskommentar

Die Bilder und Berichte über syrische Flüchtlinge erinnern mich seit Tagen immer wieder an die Weihnachtsgeschichte. Erst hat mich das irritiert. Was haben syrische Flüchtlinge schon mit Maria und Josef und dem Jesulein gemeinsam? Dann habe ich die Weihnachtsgeschichte noch einmal gelesen – und gestaunt. Nein, Sie müssen nicht gläubig sein und auch kein Christ, um diesen Kommentar zu lesen. Denn die Weihnachtsgeschichte, wie sie seit hunderten von Jahren im „Abendland“ erzählt wird, ist so tief mit unserer Kultur verwoben, dass wir auf jeden Fall von ihr beeinflusst sind, ob wir nun daran glauben oder nicht.

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