Was ist ein Medium?

Klar: Medium ist lateinisch und bedeutet sowohl „das Mittlere“ wie „der Mittler“. Bei Zeitung, Radio und Fernsehen scheint die Angelegenheit auch einigermassen klar zu sein. Doch wie verhält es sich beim Internet? Ist das Internet ein Medium? Oder ist es das World Wide Web? Oder beides? Welche Rolle spielen Anbieter wie Google? Oder ist der Computer als Maschine das Medium? Ist demnach alles, was an einem Computer stattfindet, medial?

Es ist definitiv alles andere als klar, was ein Medium ist und was der Begriff genau bedeutet. Stefan Münker und Alexander Roesler stellen denn auch in der Einleitung zu ihrem Sammelband Was ist ein Medium fest: Fatalerweise meinen die meisten, sie meinten das Gleiche, wenn sie den Begriff Medium verwenden. Dabei droht der Begriff des Mediums, so zentral er einerseits für unsere Gesellschaft und ihre theoretischen Beschreibungen auf den unterschiedlichsten Ebenen auch ist und sosehr andererseits der wissenschaftliche Diskurs diese Bedeutung durch die Zunahme akademischer Institutionen und Publikationen auch auf eine mittlerweile durchaus angemessene Weise reflektiert, gerade aufgrund seiner Popularität und der damit verbundenen, geradezu inflationären Verwendung semantisch entgrenzt, jede theoretische Schärfe zu verlieren. Die unsorgfältige Verwendung des Begriffs führt dazu, dass seine Grenzen verwischen. Matthias Vogel diagnostiziert in seinem Aufsatz Medien als Voraussetzungen für Gedanken sogar einen mittleren Skandal, als Zeitgenossen des sogenannten Medienzeitalters über keinen tragfähigen Begriff des Mediums zu verfügen.

In der Tat sucht man in den meisten Medientheorien vergebens eine explizite Definition des zu Grunde liegenden Medienbegriffs. Der Begriff Medium wird oft nur implizit definiert, er wird deshalb (zumindest aus heutiger Sicht) inkonsistent verwendet. Dazu kommt, dass der Begriff, wie Georg Christoph Tholen feststellt, einseitig verwendet wird: Von den drei grundlegenden Funktionen der Medien, nämlich Daten jedweder Art zu speichern, zu übertragen und zu verarbeiten, privilegiert der im weitesten Sinne kommunikationswissenschaftliche Forschungsansatz also primär die Funktion der Medien als Mittel der Übertragung.

Stefan Hoffmann konstatiert in seiner Geschichte des Medienbegriffs lakonisch: Der Medienbegriff zeigt sich schon bei oberflächlicher Betrachtung als typischer Grundbegriff im Sinne der Begriffsgeschichte, denn er weist gleich mehrere Merkmale eines zentralen Terminus auf: Eine strittige Extension, unklare Intensionsmerkmale, eine klare evaluative Komponente und eine Bedeutungskonstitution nicht allein aus dem Sprachsystem, sondern auch aus dem diskursiven Sinn.

Strittige Extension, unklare Intensionsmerkmale – viel unklarer kann ein Begriff nicht sein, wenn weder Intension noch Extension klar sind. Auch Stefan Münker konstatiert: Jenseits des Trivialen hört jeder Konsens auf; jede weitere Spezifizierung des Begriffs Medium macht eines der zentralen Probleme der mit diesem Begriff operierenden Wissenschaften deutlich: Auf die Frage «Was ist ein Medium?» sind die Antworten so zahlreich wie verschieden.

Bernard Robben stellt fest: Jeder Anfang einer Definition des Begriffs Medium hätte Termini zu benutzen, die ihrerseits gerade ein Verständnis des zu erklärenden Begriffs Medium voraussetzen. Robben kommt deshalb zu einem verheerenden Schluss: Das Medium entzieht sich der Definition.

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