Buchtipp

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Zivilisierte Verachtung

Publiziert am 10. Januar 2017 von Matthias Zehnder

Carlo Strenger, in der Schweiz geboren und aufgewachsen, ist Professor der Psychologie an der Universität Tel Aviv. In diesem leidenschaftlichen Essay fragt er sich, wie der Westen selbstbewusst für seine Werte eintreten kann – ob nun gegen Fundamentalisten, Populisten oder die antiwestliche Rhetorik eines Wladimir Putin.

BuchtippWährend viele Linke und Liberale durch die Logik der politischen Korrektheit gleichsam gelähmt sind, schwingen sich Figuren wie Marine Le Pen und Bewegungen wie Pegida zu Verteidigern des Abendlandes auf. Carlo Strenger plädiert dafür, statt jede Glaubens- und Lebensform zu respektieren und jede noch so abstruse Weltansicht mit Samthandschuhen anzufassen, wieder zurückzufinden zur aufklärerischen Kritik. Sein zentraler Satz: Wenn andere Kulturen nicht kritisiert werden dürfen, kann man die eigene nicht verteidigen. Diese Haltung der aufklärerischen Kritik nennt er zivilisierte Verachtung. Sein Buch regt zum Denken an.

Carlo Strenger: Zivilisierte Verachtung. Eine Anleitung zur Verteidigung unserer Freiheit. Suhrkamp, 80 Seiten, 13.90 Franken; ISBN 978-3-518-07441-1

Buchtipp zum Wochenkommentar vom 6. Januar 2017: Warum es die politische Korrektheit doch braucht