Monatsarchive: März 2016

Es geht nicht um Werte, sondern um Perspektiven

Die Schlagzeilen glichen sich am Mittwoch: Bomben in Brüssel: Der Terror trifft Europa mitten ins Herz schrieb der «Tages-Anzeiger», Angriff auf das Herz der EU titelt die «BaZ». Nur wenige Zeitungen blieben so nüchtern wie die «FAZ»: Viele Tote bei Terroranschlägen in Brüssel. Und die Medien sind sich einig: Die Terroranschläge waren ein Angriff auf die westlichen Werte. Das ist so simpel, wie billig, denn es ermöglicht es uns Europäern, dass wir uns schaudernd der eigenen Superiorität vergewissern und traurig den Kopf über diese arabischen Terroristen schütteln, die nichts gelernt haben über Freiheit und Gleichheit und Brüderlichkeit. Es ist simpel, es ist billig – vor allem aber ist es falsch. Denn im Kampf, den die Terroristen ins Herz der EU getragen haben, geht es nicht um Werte, sondern um Perspektiven. Um das zu erläutern, muss ich allerdings etwas ausholen.

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Die AfD und der Fluch der Stimmung

Es war ein Schock: In Sachsen-Anhalt holte die Alternative für Deutschland AfD am letzten Wochenende jede vierte Stimme und steigt damit zur zweitstärksten Partei des Bundeslandes auf. In Baden-Württemberg erreicht sie aus dem Stand 15,1 Prozent Wähleranteil und wird drittstärkste Partei. In Rheinland-Pfalz erreicht sie 12,6 Prozent. Interessant ist dabei: In jedem der drei Bundesländern siegt eine andere Partei. In Sachsen ist es die CDU, in Baden-Württemberg sind es (zum ersten Mal in einem Bundesland) die Grünen und in Rheinland-Pfalz ist es die SPD.

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Die Zivilgesellschaft – das Volk 2.0

Stellen Sie sich einmal eine Landsgemeinde vor, so mit allem drum und dran: Trachten und Treicheln, Landammann und Landfrauen, Schweizerfahnen und viel Volk. Was sehen Sie? Eine Menge von herausgeputzten Menschen, deren Gesichter alle einer Bühne zugewendet sind. Auf der Bühne steht ein Redner, der sich an seine Froue und Manne wendet, daneben sitzen die übrigen Ratsmitglieder, darüber wölbt sich blau der Schweizer Himmel. Und jetzt stellen Sie sich einmal die Zivilgesellschaft vor. Was sehen Sie? Eben. Von der Zivilgesellschaft haben wir keine Vorstellung.

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So vergiften Politiker unsere Sprache – und unsere Herzen

Letzten Sonntag herrschte Freude: Überraschend deutlich hat sich die Zivilgesellschaft gegen die Durchsetzungsinitiative der SVP durchgesetzt. Schweizweit fast 60 Prozent Nein-Stimmen und eine Stimmbeteiligung von über 63 Prozent sind ein eindrückliches Resultat. Fragt sich bloss, wie nachhaltig die Nein-Front wirkt. Denn die SVP hat mit ihren Wörtern die politische Sprache der Schweiz vergiftet und mit ihr die Hirne und die Herzen der Schweizerinnen und Schweizer. Das Heimtückische dabei: Die meisten Menschen haben das noch nicht einmal bemerkt.

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